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Flüchtlinge am Bahnhof : Eine Kleiderkammer für alle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aus dem Hilfsprojekt für Flüchtlinge am Bahnhof soll eine Einrichtung für alle Bedürftigen in Stadt und Umland werden

Flensburg | Die Kleiderkammer im linken Flügel des Flensburger Bahnhofs ist in den vergangenen dreieinhalb Wochen zu einem schier unerschöpflichen Reservoir der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe gewachsen. Sie findet ihre ungeahnte Fortsetzung in den verästelten Katakomben, die sich östlich an das Bahnhofsgebäude anschließen. Auf mehr als 800 Quadratmetern Fläche lagern hier mittlerweile Tausende Kartons mit Wäsche, Winterjacken, Windeln, Bettzeug, Schlafsäcken und vielem mehr. Im weitläufigen Labyrinth ist kurzfristig sogar ein Kühlraum für verderbliche Lebensmittel eingebaut worden. Tausende Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Skandinavien haben davon schon profitiert – und dürften die kleine Grenzmetropole Flensburg mit ihrer grandiosen Hilfsbereitschaft in dankbarer Erinnerung behalten.

Die Kleiderkammer, einer der zentralen Bausteine der Flüchtlingshilfe rund um den Bahnhof, öffnet sich nun für alle Bedürftigen. Deshalb hat die Flüchtlingshilfe Flensburg zugleich das zweite Kleiderlager in der Angelburger Straße wieder geschlossen, berichtet Reiner Rademacher (58) vom Verein Flüchtlingshilfe. Gemeinsam mit Mario Roth (43), seit dem zweiten Tag der Bahnhofshilfe erster Mann in der dortigen Kleiderkammer, möchte er langfristig ein Angebot vorhalten, dass die sogenannten Transitflüchtlinge ebenso in Anspruch nehmen könnten wie Asylbewerber, die bereits in Flensburg wohnen, aber auch alle anderen Bedürftigen, vom Transferleistungsempfänger bis zum Obdachlosen.

Die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange (SPD), eine der Organisatorinnen des Bahnhofsprojekts, berichtete gestern, dass Spenden bereits seit zwei Wochen auch an andere Bedürftige ausgegeben würden, die Kleiderkammer unterhalte bereits Kontakte bis in die Landesflüchtlingsunterkunft nach Seeth im südlichen Nordfriesland. Lange deutete an, dass das Hilfsprojekt bereits mehrmals angedeutet habe, dass keine Spenden mehr benötigt würden. Als aber die Welle der Hilfsbereitschaft nicht kleiner geworden sei, habe man beschlossen, die Initiative auf alle Bedürftigen auszuweiten.

Seitdem heißt es wieder: „Wir nehmen sehr gern Spenden auf und machen etwas draus. Mario Roth, der nicht selten fünf bis sechs Stunden ehrenamtlich in der Kleiderkammer steht, berichtet, dass nun auch die Flensburger Tafel oder die Flensburger Gaben beliefert werden könnten: „Für Obdachlose haben wir schon 50 Schlafsäcke und Isomatten rausgelegt.“ Aus Überzeugung sagen sie: „Wir helfen jedem Bedürftigen.“ So lange der Bahnhof Transitstation der Flüchtlinge bleibt, werde die Kleiderkammer weiter von 8 bis 22 Uhr öffnen. Längerfristig will die Kleiderkammer am Bahnhof dreimal pro Woche da sein – immer von 16 bis 18 Uhr.

Dass all dies möglich wurde, ist dem Engagement Hunderter Flensburger zu verdanken, die am Bahnhof zu Ehrenamtlern wurden, ohne lange nachzudenken. Undenkbar wäre das Projekt aber auch ohne noch mehr Spender in und um Flensburg. Die meisten von ihnen wollen am liebsten gar nicht genannt werden. Das fängt schon bei denjenigen an, die die riesigen Katakomben zur Verfügung stellen oder Tausende Kartons vorbeibringen.

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erstellt am 07.Okt.2015 | 14:30 Uhr

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