Eine ganze Klasse Callcenter-Agenten

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14. Juli 2010, 06:01 Uhr

Flensburg | Allein rund 400 offene Stellen für Call-Center-Agenten im laufenden Jahr: Spätestens seit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen das neue Post-Call-Center in den Motorola-komplex geholt hat, ist Flensburg auf dem Weg zur Hochburg der Branche zu werden. Die Post will Anfang September mit 280 Leuten in Flensburg starten, davon rund 240 Callcenter-Agenten. Carebyphone-Chef Martin Aye hat gerade die 200. Mitarbeiterin in seinem Flensburger Unternehmen begrüßt - und nebenbei angekündigt, dass er noch dieses Jahr die 300er-Marke mit Carebyphone überspringen will. Und rund 40 neue Mitarbeiter hat das dritte große Flensburger Call-Center, Perry&Knorr, in der Walzenmühle seit Ende des letzten Jahres schon eingestellt. Im Laufe der Zeit sollen noch 60 weitere hinzukommen. "Uns ist es wichtig, im gesunden Maße weiter zu wachsen", sagt der Geschäftsführer Sven-Ole Klinge. Das bedeutet, über einen längeren Zeitraum kontinuierlich die Belegschaft aufzustocken.

Für einen möglichst guten Einstieg in die Arbeit sorgen in der Walzenmühle Mitarbeiterschulungen, die im Voraus stattfinden. Es gebe aber auch zahlreiche Möglichkeiten, sich weiter zu qualifizieren: "Die meisten unserer Führungskräfte kommen aus den eigenen Reihen", sagt Klinge.

Carebyphone-Chef Aye, Tord Kasten von Perry & Knorr und Arbeitsagentur-Chefin Martina Würker haben vergangene Woche unter den Unternehmen der Region sondiert, ob eine eigene Berufschulklasse für die Callcenter-Ausbildung "Service-Fachkraft für Dialog-marketing" bereits im kommenden Jahr von Kiel nach Flensburg geholt werden könnte. Aus dem Kreis der zu einem Info-Abend geladenen Betriebe wurde deutlich, dass allein diese Firmen zusammen pro Jahr zehn Azubis in die Berufsschule schicken könnten.

Bernd Börensen, Leiter der Handelslehranstalt als zuständiger Berufsschule sieht jedenfalls gute Chancen, diese Klasse nach Flensburg zu holen: "Wenn der Ministerpräsident betont, dass er die Post nach Flensburg geholt hat, müsste es ja auch möglich sein, die Berufsschulklasse hier anzusiedeln."

Arbeitsagentur-Chefin Martina Würker glaubt, auch in dieser Frage nur mit gemeinsamen Kräften zum Ziel zu kommen. "Wir müssen weitere Betriebe bewerben - und auch interessierte junge Leute", sagt Würker. Dabei sei die Ausbildung auch für Unternehmen interessant, bei denen derzeit der Kaufmann für Bürokommunikation angeboten werde. Und Unternehmen wie die Förde-Reederei, Das Autotelefon oder auch die Industrie und Handelskammer mit ihrem eigenen Service-Center seien interessiert. Das sei für die Region ebenso machbar, wie 400 offene Stellen für Callcenter-Agenten zu besetzen. Die am Ort tätigen Unternehmen überzeugten mit guten Arbeitsbedingungen, findet sie - und vielleicht sei der Job auch etwas für die Zielgruppe ältere Mitarbeiter.

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