Denkmalschutz in Flensburg : Eine Frage des Belags - wann kommen die Pflastersteine?

Flickwerk: Der an Patchwork erinnernde Asphalt der Schreiberstraße soll 2017 durch Kopfsteinpflaster ersetzt werden.
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Flickwerk: Der an Patchwork erinnernde Asphalt der Schreiberstraße soll 2017 durch Kopfsteinpflaster ersetzt werden.

Edelpflaster auf Duburg, gebrauchte Natursteine auf dem Sandberg – und wer zahlt am Ende drauf? Nicht nur die WiF stellt Fragen.

shz.de von
21. Januar 2017, 11:00 Uhr

Flensburg | Das Thema Kopfsteinpflaster auf dem Sandberg geht in die nächste Runde. Nach heutigem Stand wird die Schreiberstraße in diesem Jahr, die Voigtstraße zwei Jahre später gepflastert. Die Anlieger müssen in beiden Fällen mit Second-Hand-Pflastersteinen anderer Straßen Vorlieb nehmen – ganz im Unterschied zu den Duburg-Bewohnern. Dort werden mehrere Straßen demnächst mit gesägten und geblockten Steinen gepflastert, die besonders eben und damit geräuscharm und für Radfahrer gut zu befahren sind.

Der Grund für die Pflasterung in unterschiedlichen Güteklassen ist ein ganz einfacher: Duburg ist ein Sanierungsgebiet, damit kann die Stadt in Form ihrer Sanierungsgesellschaft auf Mittel aus der Städtebauförderung zurück greifen; sie bestehen zu zwei Dritteln aus Anteilen des Landes und des Bundes. Im Sandberg-Quartier hingegen muss die Stadt die Neugestaltung der Straßen aus ihrem Etat finanzieren – und prüft derzeit, ob sie die Anlieger zu Beiträgen heranziehen kann.

Das sei noch nicht abschließend geklärt, teilte der Pressesprecher der Stadt, Clemens Teschendorf, auf Anfrage mit. „Die Umlagefähigkeit ist nur gegeben, wenn eine Verbesserung der Erschließung damit verbunden ist.“ Die WiF-Fraktion hatte darauf hingewiesen und kritisiert, dass die Anlieger der Schreiberstraße und der Voigtstraße nicht gleich behandelt werden. Der Unterschied liege in der Herkunft der zu verwendenden Pflastersteine: Während in der Schreiberstraße die Pflastersteine der benachbarten Straße Sandberg, die asphaltiert wird, verlegt werden, müssen für die Voigtstraße Steine gekauft werden – vermutet die WiF. Das spiegelt sich aus ihrer Sicht deutlich in der Kostenplanung wieder. Während für die Schreiberstraße (160 Meter lang) gut 200  000 Euro vorgesehen sind, soll die Pflasterung der Voigtstraße (300 Meter) rund 900  000 Euro kosten. Die WiF-Vertreter sehen eine Ungerechtigkeit darin, dass die Anlieger der Schreiberstraße von der kostengünstigen Zweitverwertung der Sandberg-Steine profitieren, die Anlieger der Voigtstraße hingegen an der Beschaffung neuer Steine beteiligt werden sollen.

Das stehe aber ebenfalls noch nicht fest, so Teschendorf. Es bestünden gute Aussichten, dass 2019 auch für die Pflasterung der Voigtstraße gebrauchte Steine anderer Straßen zu Verfügung stehen.

Und die Geschichte wird weiter gehen. Denn es gibt 36 weitere Straßen, die künftig mit Kopfsteinpflaster gestaltet werden sollen. Auch hier stellt sich jedes Mal die Frage nach der Kostenbeteiligung der Anlieger. Doch es gibt auch den umgekehrten Fall, in dem heute gepflasterte Straßen künftig eine Asphaltdecke bekommen – zum Beispiel, weil sie eine wichtige Verkehrsachse sind, weil die Lärmbelastung sehr hoch ist, weil die Bedingungen für Radfahrer verbessert werden soll. So wurde vor kurzem beschlossen, den Nordergraben künftig zu „entpflastern“. Ein Zeitpunkt steht jedoch nicht fest, so dass mit den Steinen des Nordergrabens vorerst nicht geplant werden kann.

Doch die WiF-Ratsfraktion wollte noch mehr, nämlich eine Gesamtplanung für das komplette Sandberg-Viertel, in dem Voigt- und Schreiberstraße liegen. So eine Planung sollte das Fehlen von Abstellplätzen für Fahrräder und Autos, Reduktion des Parkplatz-Suchverkehrs, Reduzierung des Lärms durch geglättete Fahrbahn-Oberflächen, Sanierung der Johannistreppe und Schaffung eines zentralen Platzes mitten im Quatier zum Thema haben.

Hierfür fand WiF-Ratsherr Marc Paysen, der die Vorlage im Umwelt- und Planungsausschuss erläuterte, jedoch keine Mehrheit. Er hatte als Vorbild die Sanierung im Duburg-Quartier ins Feld geführt; dies wurde jedoch zurückgeweisen, da Duburg ein Sanierungsgebiet sei, wodurch bessere Finanzierungsmöglichkeiten bestehen.

Man könne nicht wahllos für jedes Wohnquartier ein Gesamtkonzept fordern, kritisierte der städtische Chefplaner Peter Schroeders. Die Probleme im Sandberg-Karree seien überschaubar und rechtfertigten nicht den hohen Planungs- und Kostenaufwand eines Gesamtkonzept. „Wir haben in der Stadt ganz andere Sorgen und Aktionsfelder“, so Schroeders. Das Thema Fahrradrouten soll jedoch im nächsten Arbeitskreis Radverkehr besprochen werden. CDU-Vertreter Arne Rüstemeier begrüßte zumindest den Hinweis auf die Sanierung der Johannistreppe.

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