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Ehrenamt im Flensburger Hospiz : Eine Form von Glück

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Editha Klamt (74) fand über Gott zu sich selbst und zu anderen Menschen

Editha Klamt ist ein reflektierter Mensch. Ein Mensch, der viel über sein Leben nachgedacht hat. Dem Schicksalsschläge nicht erspart blieben – und der sich schuldig gefühlt hat. Eines Tages fiel der 74-Jährigen ein Buch in die Hand. „Und nach der Lektüre fühlte ich mich plötzlich frei von Schuld.“

Das Buch heißt „Alter Planet Erde, wohin? – Im Vorfeld des Dritten Weltkriegs“. Editha Klamt weiß bis heute nicht genau, warum ausgerechnet dieses Buch, aber: „Dadurch fand ich zu Gott.“ Und daraus schöpft sie die Kraft, anderen Menschen zu helfen. „Früher kannte ich eine andere Form von Glück“, sagt sie, „das Glück, das ich mir selbst geschmiedet habe. Heute ist es ein Geschenk!“

In Neumünster geboren, führte sie die Liebe nach Flensburg. Soziales Engagement lag ihr schon immer am Herzen. Sie arbeitete bis zum Ruhestand mit 63 Jahren beim Sozialverband. Ihre Erinnerung: „Eigentlich war ich immer Atheistin, war aktiv bei den Jungsozialisten. Mit dem Glauben wollte ich nichts zu tun haben.“ Mit Mitte 30 geriet sie in eine Lebenskrise, aus der sie gestärkt hervorging. „Indem ich über Gott zu mir und zu anderen Menschen fand.“ Auch verschiedene Aufenthalte im Kloster und der zweimalige Gang über den Jakobsweg trugen dazu bei. „Ich habe gelernt zu schweigen. So komme ich zu mir und akzeptiere mich, wie ich bin.“

Ein Schlüsselerlebnis war die Erblindung ihres in Glücksburg lebenden Onkels, den sie sie bis zu seinem Tod 2009 begleitete. Irgendwann fiel er aus dem Bett, kam ins Krankenhaus und in ein Pflegeheim. „Dort“, sagt sie, „ist man verpflichtet, den Patienten am Leben zu erhalten, auch wenn er nicht mehr will.“ Im Katharinen Hospiz am Park schließlich verbrachte er seine letzten Tage, gepflegt von einer Schwester, die heute eine gute Kollegin von Editha Klamt ist.

Seit einem Jahr nämlich ist sie dort ehrenamtlich tätig. Mit den ihr anvertrauten kranken Menschen führt sie intensive Gespräche, singt und spielt mit ihnen, liest ihnen vor. „Man muss gut zueinander passen.“ Fortbildung und der kontinuierliche Austausch mit den hauptamtlichen Schwestern spielen eine wichtige Rolle. Supervision alle fünf Wochen, Seminare über Achtsamkeit, Validation oder Ethik. Wert legt sie auf die Feststellung, dass die Einrichtung kein Sterbehospiz ist, sondern eine Palliativ-Station mit ärztlicher Versorgung. „Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben!“

Manchmal spielt auch ihr Hund „Espe“ eine Rolle. Eine an Krebs erkrankte Frau, halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr sprechen. Da legte Editha Klamt ihr den kleinen Mischling auf die Bettdecke. „Sie hat ihn sofort gestreichelt und ein Leuchten huschte über ihr Gesicht.“

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erstellt am 26.Feb.2017 | 16:44 Uhr

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