zur Navigation springen

Dokumentarfilm aus Glücksburg : Eine filmreife Liebesgeschichte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Die Zukunft gehört uns“ heißt der Dokumentarfilm von Marisa Middleton über die späte Liebe von Hanne-Lore Wittkuhn und Jens-Peter Tetzlaff.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 18:00 Uhr

Während Jens-Peter Tetzlaff die 50 Meter durch die Winterlandschaft ans Meer stapft, ist seine Stimme zu hören: „Hallo, liebe Unbekannte. Wie kommt eine Frau aus Süddeutschland in das Flensburger Tageblatt?“ Mit diesen Worten beginnt der Brief, der sein Leben veränderte – und nicht nur seins. Mit diesen Worten beginnt auch eine filmreife Liebesgeschichte.

„Wir haben beide ein schweres Schicksal gehabt, wir waren beide sehr allein, wir haben beide das Beste daraus gemacht“, resümiert Hanne-Lore Wittkuhn, die weibliche Protagonistin. „Mein Mann ist mit dem Boot in die Luft geflogen“, sagt sie schnörkellos und fast ohne zu schlucken. 40 Jahre lang, erzählt sie, hätten die beiden mit ihrem Schiff den Urlaub in Kroatien verbracht. Dort an Bord geschah das Unglück, als ihr Mann den stotternden Motor zu reparieren versuchte. Das war, als Hanne-Lore Wittkuhn gerade daheim in Baden-Württemberg die Beerdigung ihres Vaters organisierte.

Am Abend habe sie einen Anruf von der Feuerwehr bekommen; von einem „kleinen Unfall“ sei die Rede gewesen und ob sie ihren Mann sprechen möchte. Natürlich will sie, hört von ihm, er sei „ein bisschen verbrannt“. Sie reist ihm nach ins Krankenhaus, acht Tage überlebt er mit schwersten Verbrennungen, dann stirbt er. Kurz darauf verliert Wittkuhn auch ihre Mutter.

Magenkrebs ist die schreckliche Diagnose, die Jens-Peter Tetzlaffs Frau erhält. „Zwei harte Jahre“ habe er sie gepflegt, dann sei sie gestorben. Der gebürtige Bremer ist 71, herzlich, gutmütig, geradeheraus. Sein Brief auf Wittkuhns Annonce hin trifft ins Schwarze. Sie sagt, eine Freundin hätte für sie inseriert, als die 72-Jährige nicht mehr aufhörte zu weinen. Hört man sie heute lachen, ist das kaum vorstellbar.

Insgesamt 32 Zuschriften habe sie bekommen, darunter diesen Brief aus 900 Kilometern Entfernung. Sie habe angerufen und erhielt von Tetzlaff, der damals noch die Hundestaffel leitete, erst mal einen Korb. „Ich habe keine Zeit“, sagte er. Sie dachte: „Wat’n Doofmann!“ Wieder lacht die redselige Frohnatur so schön herzhaft. Und es lässt sich nicht verleugnen, dass sie im Ruhrgebiet aufgewachsen ist. Dortmund sei ihre Geburtsstadt, wo sie zur Krankenschwester ausgebildet wurde und die sie in jungen Jahren in Richtung Baden-Württemberg verließ.

Die folgenden Telefonate mit dem Norddeutschen dauerten nicht selten bis tief in die Nacht. „Wir waren uns überhaupt nicht fremd“, erinnert Jens-Peter Tetzlaff die erste Begegnung 2011 in Süddeutschland; da hatten sie „das Ganze, was man erlebt hat, am Telefon verarbeitet“. Als er in ihrer Einfahrt mit dem offenen Fahrzeug wendet, springt ihr West Highland White Terrier Aki ins Auto und wendet mit. Sie beschließt: „Das ist er.“ Und ihre Frage an ihren neuen Freund – „Hotel, Couch oder Bett?“ beantwortet Tetzlaff überaus pragmatisch und erinnert sich mit einem kecken Schmunzeln: „Bett ist immer bequemer, also habe ich das Bett genommen.“

Ein Jahr lang pendelt die Süddeutsche. Dann verkauft sie ihr Haus, die beiden finden eines zur Miete mit Blick aufs Meer in Bockholm, bringen es auf Vordermann. Insbesondere ihr Sohn ist skeptisch, das zeigt auch der Dokumentarfilm ganz deutlich. So wie alltägliche Meinungsverschiedenheiten des außergewöhnlichen Liebespaars. Er geht ihr zuliebe zur Wassergymnastik, bremst sie umgekehrt, wenn sie nicht zur Ruhe kommt. „Es gibt Höhen und Tiefen“, räumt Tetzlaff ein, doch Anlass für letztere seien immer Lappalien. Im Juni 2012 ziehen sie zusammen. Nachts kommen sie im Norden an. „Toll, super, traumhaft“, lobt Wittkuhn das neue Haus. Tetzlaff sagt: „Willkommen zu Hause, mein Engel.“ Sie lachen und liegen sich im Dunkeln in den Armen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert