Nachruf : Eine der führenden Persönlichkeiten der Rumstadt Flensburg ist verstorben

Kurt Grün prägte mit dem Rumhaus Hansen die Rumstadt.
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Kurt Grün prägte mit dem Rumhaus Hansen die Rumstadt.

Der Name Kurt Grün ist untrennbar mit der Marke Hansen Rum verbunden

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21. März 2017, 12:46 Uhr

Mit Kurt Grün hat Flensburg einen der prägenden Köpfe, die die Rumstadt berühmt machten, am 9. März verloren. Die Trauerfeier beginnt heute um 13.30 Uhr in der Kapelle Friedenshügel.

Der Name der Familie Grün ist untrennbar mit der Marke Hansen Rum verbunden. Gründer des Hauses war der gelernte Weinhändler Hans Hansen, der Weinhandel und Spirituosenfabrik 1868 in der Johannisstraße eröffnete. Hansen entwickelte damals drei Rumsorten. Das Unternehmen blühte auf und brauchte größere Räume für die Produktion. Im Jahr 1909 bot sich Platz im Haus Friedrich-Ebert-Straße 28, auf dem Gelände der einstigen Wassermühle am Ausgang des Mühlenteiches. Zuvor war das Geschäft im Haus Angelburger Straße 30-32 eröffnet worden. Es spricht für die Geschicklichkeit und den Fleiß der Inhaber, die Firma durch die Wirren des Ersten Weltkrieges, der deutsch-dänischen Abstimmung und der Wirtschaftskrise zu steuern. 1921 stieg August Grün mit in die Firma ein. Er war an einem der größten Marketingerfolge, die dem Rumhaus Hansen gelingen sollte: 1927 kam Reichspräsident Hindenburg in den Norden des Landes, um den Hindenburgdamm einzuweihen und Flensburg einen Besuch abzustatten. Im Rumhaus an der Ebert-Straße entwickelte die Mannschaft unter ihrem Kapitän einen Spitzen-Rum, der an den Reichspräsidenten geschickt wurde mit der Bitte, die Zustimmung zur Bezeichnung „Präsident“ zu geben. Paul von Hindenburg zeigte sich nach einer Kostprobe des Flensburger Erzeugnisses angetan und gestattete die Namensgebung und die Verwendung seines Konterfeis auf dem Etikett. Der „Hansen Präsident“ war die Premium-Marke des Rumhauses Hansen. Am 1. August 1929 wurde August Grün Vater, sein Sohn Kurt war geboren. Sein älterer Bruder Fritz arbeitete ab 1952 mit Vater August in der Spitze des Unternehmens, wobei das Verhältnis zwischen Vater und Sohn als sehr verständnisvoll und tolerant geschildert wurde. Mit den Marken Hansen blau, Hansen grün, Hansen rot und Hansen Präsident hatte das Rumhaus eine führende Stellung erreicht. Beim Hansen grün gelang ein Kosten sparender Coup: Der teure Kartoffelschnaps eines Monopolanbieters konnte beim Verschneiden des Rums durch Rohrzuckerschnaps ersetzt werden. Der starke Hansen rot war in Flensburg beliebt zum Aufsetzen des Rumtopfes.

Trotz der Expansion auf die Nachbargrundstücke wurde das Haus an der Ebert-Straße zu klein für den Betrieb, Familie Grün beschloss einen Neubau im neuen Gewerbegebiet Süd. Die neue Adresse de Rumhauses Hansen lautete Schleswiger Straße 74, im Jahr 1962 wurden das Bürohaus und der Produktionsflügel eingeweiht. Es war eine besondere Tragik in der Familiengeschichte, dass wenige Jahre nach der Einweihung Fritz Grün im Alter von 38 Jahren verstarb. Nur sechs Wochen später verlor das Rumhaus seinen langjährigen Chef August Grün. Das war der Zeitpunkt, an dem Kurt Grün 1965 einspringen musste. In seinen Lehrjahren hatte er eine Reihe von Spirituosenhäusern kennen gelernt und seit 1959 im Vertrieb des Rumhauses Hansen gearbeitet.

In die von Kurt Grün gestaltete Unternehmensphase fielen Fusionen: So übernimmt Hansen 1968 die Firma J.C. Schmidt, drei Jahre später den Mitbewerber A.E. Colding. Aus der nächsten Fusion 1974 geht das Unternehmen „H. Hansen jr. & O.C. Balle GmbH Co.“ hervor. Doch der Markt wird immer schwieriger, Kurt Grün sieht eine Überlebenschance in der Übernahme der Hansen-Gruppe durch die Firma Dethleffsen, die dadurch eine herausragende Marktposition erhielt. An der Schleswiger Straße wechselte die Hansen-Produktion in den Dethleffen-Komplex auf der anderen Straßenseite, im Hansen-Haus war Platz für die Firma Queisser-Pharma.

In den Zeiten wachsender Kritik an alkoholischen Getränken und steigender Branntweinsteuer übernahm Kurt Grün von 1981 bis 1990 das Amt des Präsidenten der deutschen Spirituosenindustrie und wurde danach dessen Ehrenpräsident. Er wurde mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Kurt Grün erlebte das Ende der Flensburger Rum-Ära mit, als das Haus Dethleffsen 1998/99 sein Unternehmen an Berentzen verkaufte.

Grün hatte noch sein Büro im Hause Queisser und richtete sich später ein Büro an den Norderhofenden ein. Prägend für ihn war eine kontinuierliche Unternehmensführung mit langjährigen, bewährten Mitarbeitern.

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