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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 13:39 Uhr

Eine Datenautobahn für die ganze Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadtwerke wollen in zehn bis 15 Jahren ein flächendeckendes Glasfaserkabelnetz installieren

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 11:00 Uhr

Die Stadtwerke planen Großes – wieder einmal. Alle Gebäude in Flensburg, Harrislee und Glücksburg sollen auf lange Sicht an ein Hochleistungsnetz aus Glasfaserkabeln angeschlossen werden. Nach heutiger Berechnung wären damit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro verbunden, wie Stadtwerke-Chef Maik Render im Umwelt- und Planungsausschuss erläuterte.

Wozu braucht Flensburg so ein Netz? Render denkt strategisch mit Blick in die Zukunft. Der Fernwärmeabsatz stagniert und wird mittel- und langfristig zurückgehen. Doch der Datenverkehr wird weiter zunehmen. Die Zahl der digitalen Geräte wächst kontinuierlich, hochauflösendes Fernsehen wird irgendwann flächendeckend vorhanden sein, vermehrt werden Filme nicht mehr als DVD ausgeliehen, sondern herunter geladen. Fernsehen verlagert sich immer mehr ins Internet; schon heute kann das Programm der meisten Sender „gestreamt“ werden, in den Mediatheken stehen viele Sendungen zum jederzeitigen Abruf bereit. Die Folge: Immer größere Datenmengen rauschen durchs Netz, das aus Sicht der Stadtwerke bald an seine Grenzen stoßen wird. Glasfaserkabel haben eine deutlich höhere Kapazität als Kupferkabel, die die Telekom verlegt, oder Koaxial-Kabel, die von Kabel Deutschland betrieben werden.

Die Stadtwerke haben einen entscheidenden strategischen Vorteil: Da sie ohnehin ständig nach und nach das gesamte Vertriebsgebiet aufbuddeln, um die vorhandenen Netze – Strom, Wasser, Fernwärme – zu erneuern, erweitern oder zu reparieren, können sie die Glasfaserkabel dann gleich mit verlegen. „Bei Neubaugebieten machen wir das schon grundsätzlich“, sagte Render. Auf diese Weise spare man zehn bis 25 Prozent der eigentlichen Kosten, rechnete Agnes Schulz vor, die bei den Stadtwerken das Projekt betreut. Einzelne Häuser sind allerdings noch nicht angeschlossen, und das sei in den nächsten zwei bis drei Jahren auch noch nicht möglich, betonte Render. Doch früher oder später soll das Netz bis in die Anschlussräume der Häuser gehen; dort erfolgt der „Medienwechsel“ von Glasfaser auf das Koaxialkabel.

Rund 400 Kilometer lang ist das Glasfasernetz schon heute; es wurde seit Mitte der 90er Jahre verlegt und bildete seinerzeit das Rückgrat des Komtel-Netzes. Es gibt einige gewerbliche Nutzer, die schon heute einen hohen Bedarf an Datenübertragung haben. „Das macht Spaß“, sagte Render, nicht zuletzt mit Blick auf die Vermietung dieser 400 Kilometer.

„Wir wollen selbst keine Inhalte anbieten“, versicherte der Stadtwerke-Chef auf Nachfrage. Es wird also keine zweite Komtel geben. Ziel ist einzig und allein die Verpachtung des Netzes an Anbieter von Inhalten – wer das in zehn Jahren sein wird, ist heute noch nicht sicher zu sagen.

 

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