Jardelund : Eine Chance für kleine Museen

Weggeworfen wurde nichts: Nis Hansen präsentiert im „Christian Lassens Minde Museum“ in Jardelund, was die Familie hinterlassen hat.
Weggeworfen wurde nichts: Nis Hansen präsentiert im „Christian Lassens Minde Museum“ in Jardelund, was die Familie hinterlassen hat.

Fördermittel sollen Bestandsaufnahme und externe Beratung zum Fortbestand ermöglichen.

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20. März 2018, 13:30 Uhr

Ein Museum der besonderen Art steht in der kleinen 300-Einwohner-Gemeinde Jardelund. Von außen wirkt das Gebäude unscheinbar, wie ein normaler alter gepflegter Bauernhof. Doch Landwirtschaft wird hier längst nicht mehr betrieben. Als der Landwirt Christian Lassen 2003 starb, vererbte er seinen über Generationen betriebenen 80 Hektar großen Hof an den Landwirtschaftsverband der dänischen Minderheit. Seitdem kommen jährlich knapp 2000 Besucher, um sich anzusehen, wie Landwirtschaft früher betrieben wurde. „Ich fühle mich wie in meine Kindheit zurückversetzt“, hält eine ältere Dame im Besucherbuch fest.

Alles in diesem Hof ist verbunden mit dem Leben der Familie Lassen aus Jardelund. Porzellan, Tafelsilber, ein Schrank mit uraltem Kinderspielzeug, alte Kleidung und Möbel der vergangenen Zeit geben einen Einblick in das Leben einer Landwirtschaftsfamilie seit 1889. Es gibt Bilder, viele Briefe und andere Dokumente, die einen in alte Zeiten zurückversetzen. So zum Beispiel die Schreiben der Söhne, die den Hof während des zweiten Weltkrieges von der Front aus mitführten und sich Gedanken um die Ernte machten. Die Besucher bekommen Einblicke in ein hartes Leben – geprägt von viel Arbeit, Sparsamkeit und Disziplin. Weggeworfen wurde nichts. Und genau dies ist die Basis der heutigen Ausstellung.

Christian Lassen hinterließ den Hof unter der Bedingung, eine Stiftung und ein Museum einzurichten. Und er hatte das Glück, dass sich interessierte und engagierten Menschen fanden, die das kleine Museum in Gang halten. Rund 20 000 Euro wirft die Stiftung jährlich ab, kaum genug für Erhalt und Betrieb. Aber dem kleinen Museum in Jardelund geht es vergleichsweise gut – in diesem Jahr soll in einem vierten und letzten Bauabschnitt im angrenzenden Wirtschaftshaus die Ausstellungsflächen vergrößert werden. 25 000 Euro hat die Landesregierung dafür zugesagt. Und es besteht die Hoffnung, dass auch noch Geld aus Dänemark hinzukommt.

Damit steht der Hof an der dänischen Grenze wesentlich besser da, als viele anderen Dorfmuseen und volkskundliche Sammlungen. Allzu häufig findet sich in den Dörfern niemand mehr, der die Sammlungen betreuen will – mit der Folge, dass die sehenswerten Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit im Landschaftsmuseum Unewatt eingelagert werden und der Öffentlichkeit deshalb ersteinmal nicht mehr zugänglich sind.

Die Arbeitsgemeinschaft Volkskundliche Sammlungen setzt sich zusammen mit der Kulturstiftung des Kreises für den Erhalt der kleinen Museen ein. Und es gibt erste Erfolge zu vermelden, wie die stellvertretende Vorsitzende Karen Precht auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft verkündete: „Das Projekt zur Neupositionierung der Dorf- und Heimatmuseen nimmt konkrete Formen an. Für diesen Kooperationsprojekt wurden rund 9 000 Euro Fördermittel bewilligt“, berichtete sie. Das Projekt soll am 1. Mai mit einer Bestandsaufnahme der Dorf- und Heimatmuseen in der Region beginnen. Johannes Callsen, der wiedergewählte Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, bezeichnete das Projekt als Chance, neue Perspektiven für die Museumslandschaft zu entwickeln und ein Profil für die Zukunft zu erarbeiten – gemeinsam mit Museen und externen Beratern.

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