Senior-Experten in Flensburg : Eine Chance für die Mongongo-Nuss

Drei Engagierte: Christian Paulsen aus Struxdorf, Martina Pülschen aus Großsolt und Hans-Joachim Alfeld aus Ramstedt
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Drei Engagierte: Christian Paulsen aus Struxdorf, Martina Pülschen aus Großsolt und Hans-Joachim Alfeld aus Ramstedt

Wie Unternehmer aus der Flensburger Region ihre Expertise in Schwellenländern oder für Azubis einsetzen

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26. Juli 2018, 07:15 Uhr

Martina Pülschen (50) führt in Großsolt einen Angeliter Dreiseithof samt Vermietung, regenerativen Energien und Reitanlage. Seit dem vergangenen Jahr ist sie Expertin beim Senior-Experten-Service SES (siehe Kasten). Ihr erster Einsatz – nach einer Begleitung ihres Mannes nach Chile – führte Martina Pülschen im Oktober nach Simbabwe.

Dort unterstützte die Agrarwissenschaftlerin den Matabeleland Women Farmers Trust bei der Verbesserung von Produkten und Marketing. Unter anderem beriet sie eine junge Afrikanerin, beim Aufbau einer Logistikkette für Mongongo-Nüsse nach Europa. Das Öl dieser Nuss scheint im angloamerikanischen Raum beim Schönheitsgewerbe angesagt zu sein. Martina Pülschen machte viele weitere Beobachtungen: In Simbabwe halte man in den Herden zu viele Tiere, alle seien unglaublich mager. „Weniger, aber gesündere Tiere bringen mehr Ertrag“, berichtete sie. So würden auch gesündere Kälber geboren. Und obwohl ihr Mann ihr geraten habe, die Erwartungen an den ehrenamtlichen Einsatz nicht zu hoch zu stecken, sagt sie heute: „Wir haben etwas in den Köpfen bewegen können“ – nicht nur, weil die 50 Teilnehmer eines Workshops am Ende Dankeslieder für das Beraterpaar aus Norddeutschland gesungen habe.

Auch Hans-Joachim Alfeld (66) aus Ramstedt in Nordfriesland hat in einem knapp dreiwöchigen Einsatz in China interessante Erfahrungen gemacht. Der Diplom-Chemiker Alfeld war in einer chinesischen Millionenstadt unterwegs, wo er sein Wissen zu Deponie- und Verbrennungstechnik sowie Geruchsbeseitigung weitergab. „Die Chinesen waren total gut vorbereitet auf ausländische Experten“, lobt er. Die Hausmülldeponie sei zwar heillos überlastet gewesen, aber auch auf einem hohen Niveau. Die Abwasserreinigung sei überlastet. „Deren Problem ist einfach die schiere Menge von Müll.“ Selbst mit deutschen Entsorgungs-Knowhow sei aber nicht alles möglich gewesen: „Die politische Vertretung wollte eine Wunderlösung, damit Ruhe im Karton ist“, sagt Alfeld.

Oder Ingenieur und Softwareentwickler Christian Paulsen, auch wenn seine Einsätze ganz in der Nähe stattfinden. Der 67-Jährige fährt regelmäßig aus Struxdorf mit dem Fahrrad nach Flensburg, wo er zwei junge Flüchtlinge bei der Ausbildung unterstützt – einen Afghanen, der Straßenbauer lernt und einen jungen Mann aus Somalia, der Metallbauer in einem großen Flensburger Betrieb lernt. Fachlich muss er den jungen Leuten wenig beibringen – einer habe mit 0,7 die beste Note in der ganzen Klasse gehabt. „Die Sprache ist das absolut große Problem“, sagt Paulsen, der die jungen Männer für die Berufsschule auch in Mathe, Politik oder Wirtschaft unterstützt. Die Treffen sind meist an Wochenenden, die Gespräche beträfen auch Werte oder Religion. Paulsen: „Für mich ist das eine unglaubliche Bereicherung.“

SES Senior-Experten

Seit über 30 Jahren gibt der Senior Experten Service (SES) weltweit Hilfe zur Selbsthilfe. Derzeit stellen dem SES mehr als 12800 Fachleute ihr Wissen zur Verfügung. Etwa 40 von ihnen trafen sich gestern in der IHK Flensburg zum Erfahrungsaustausch über ihre Einsätze im In- und Ausland. Insgesamt sind aus Schleswig-Holstein  455 Experten registriert, 34 davon aus Flensburg und Umgebung. Know-how aus Flensburg und Umgebung ist rund um den Globus gefragt: Bei kleinen und mittleren Unternehmen, Bildungseinrichtungen oder Kommunen in Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch hier, wo der SES vor allem Azubis fördert.

Kontakt: SES-Büro Flensburg in der IHK,  Peter Michael Stein: 0461-806-890, ses@ses-buero-flensburg.de.

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