Neue Anlaufstelle für Asylbewerber : Eine Brücke für geflüchtete Menschen

Das Team der Flüchtlingsbetreuung: (hinten von links nach rechts) Shayan Arian, Rozi Kul, Kurak Omar, Frerck Danlowski, Johannes Eckert, Goran Vidovic; (vorn v. li.): Asina Fayeq, Rebaz Rashed, Frauke Fehn, Ashna Omar, Hanifa Fayeq. Es fehlen: Marc Albrecht, Jalal El-Abd, Reem Zakhour und Pamela Teistler.
Das Team der Flüchtlingsbetreuung: (hinten von links nach rechts) Shayan Arian, Rozi Kul, Kurak Omar, Frerck Danlowski, Johannes Eckert, Goran Vidovic; (vorn v. li.): Asina Fayeq, Rebaz Rashed, Frauke Fehn, Ashna Omar, Hanifa Fayeq. Es fehlen: Marc Albrecht, Jalal El-Abd, Reem Zakhour und Pamela Teistler.

In der Harrisleer Straße ist eine neue Anlaufstelle für die Betreuung von Asylbewerbern durch das Diakonische Werk des Kirchenkreises entstanden

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13. November 2017, 07:52 Uhr

Auch das gibt es: Als die Wohncontainer auf der Exe Ende Mai dieses Jahres abgebaut und 162 Bewohner umgesiedelt wurden, war die Flüchtlingsbetreuung der Diakonie quasi obdachlos. Bislang hatten die Helfer dort ihre Büro- und Gesprächsräume im unmittelbarer Nähe der Betroffenen eingerichtet.

Die Kapazitäten am Johanniskirchhof konnten das entstandene Vakuum nicht kompensieren – und es begann die Suche nach einem geeigneten Domizil, um eine Anlaufstelle für Asylbewerber auch westlich der Förde einzurichten. In der Harrisleer Straße wurde man in enger Abstimmung mit dem Einwanderungsbüro und der Kommunalen Immobilien schließlich fündig – die neue Filiale wurde im Beisein von Gästen aus Politik und Kooperationspartnern aus verschiedensten Einrichtungen jetzt offiziell eingeweiht.

Die Nummer 42 gegenüber der Eckener Straße beherbergte zuvor einen Imbiss, einen Kiosk und ein Geschäft für Unterhaltungselektronik. Es folgte ein längerer Leerstand. Nun können die 90 Quadratmeter wieder sinnvoll und effektiv genutzt werden – mit drei Beratungseinheiten, Küche und sanitären Anlagen. „Die Lage ist für uns ideal“, sagt Goran Vidovic, Leiter der Flüchtlingsbetreuung, „denn unsere Zielgruppe lebt in der Nachbarschaft.“

Der 33-Jährige kann auf vier pädagogische Mitarbeiter (davon drei in Vollzeit) sowie 8,5 Stellen für Sprach- und Kulturmittler zurückgreifen. Damit ist eine flächendeckende e Betreuung von geflüchteten Menschen durch das Diakonische Werk Schleswig-Flensburg gewährleistet. Zwar ist die Zahl der Zuweisungen zurückgegangen – gleichwohl ist der Bedarf an Hilfestellung für Menschen in laufenden Asylverfahren weiterhin enorm. Viele Geflüchtete sind in der Anerkennungsphase und benötigen Unterstützung in der Umsetzung ihres Anspruch auf staatliche Leistungen. Überdies muss man ihnen oft in Krisen- oder Konfliktsituationen zur Seite stehen. Das soll im Johanniskirchhof wie auch in der Harrisleer Straße gelingen. „Unser Erfahrungshorizont erstreckt sich von interkultureller Arbeit, über Arbeitsmarkt-Integration bis hin zu Familienhilfe und Jugendarbeit“, betont Goran Vidovic. Man sei allerdings auf Zuarbeit und Vernetzung mit vielen Institutionen angewiesen. „Unsere Arbeit wird dank eines breiten Angebots an gesellschaftlichen Aktivitäten überhaupt erst möglich gemacht.“

Eine große Herausforderung ist laut Vidovic derzeit der Betreuungsbedarf für Menschen, die perspektivisch in Deutschland bleiben wollen. „Unser definierter Auftrag beinhaltet nicht dieses Übergangsmanagement“, dennoch steckten 40 Prozent der Betreuten in dieser Phase vom Asylbewerberstatus hin zur Leistungsberechtigung. „Die Migrationsfachdienste leisten als Anlaufstelle für die neuen Mitbürger einen entscheidenden Beitrag, stellen aber zugleich selbst den Bedarf nach einer aufsuchenden und sprachlich kompetenten Betreuung fest.“ Das kann Diakoniepastor Thomas Nolte nur unterstreichen. „Es ist ein langer Weg, der einen langen Atem und menschliche Geduld erfordert.“ Vidovic ergänzte, er sei selbst ein Flüchtlingskind der 90er Jahre. „Seitdem haben wir Riesenfortschritte gemacht und gezeigt, dass wir lernfähig sind.“ Doch man möge auch aus der Überforderung des ehrenamtlichen Engagements der letzten zwei Jahre lernen. Pastor Nolte stimmte ein: „Bund und Land dürfen Städte und Kommunen nicht im Regen stehen lassen.“

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