zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 15:53 Uhr

Einander zuhören

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Der Korrespondent einer deutschen Tageszeitung über den Unterschied zwischen Engländern und Deutschen: In England liegt vieles im Argen, aber die Engländer haben die Gabe, dies nicht nur gelassen hinzunehmen, sondern sie reden auch noch so darüber als sei alles bestens.

In Deutschland dagegen ist es umgekehrt. Wenn bei uns jemand eine Idee hat, die zu 90 Prozent überzeugt, dann reden wir so lange über die kritischen zehn Prozent, dass am Ende genau der gegenteilige Eindruck entsteht.

Deutschland ist "Negativ-Weltmeister". Jeder wird erst mal kritisch und abwertend beurteilt. Gelassenheit und Wertschätzung sind uns fremd.

Pfingsten kommt also zur rechten Zeit: der Geist, der begeistert und erfüllt.

Das muss eine unglaubliche Szene gewesen sein, damals in Jerusalem. Die Stadt war voll mit Menschen aus aller Herren Länder. Plötzlich liefen Freunde Jesu durch die Menge und redeten so unverständlich, dass die Leute glaubten, jene wären betrunken.

Und dann das Wunder. Jeder hörte die Apostel in seiner eigenen Sprache. Der Heilige Geist wirkte als Simultanübersetzer. Und noch mehr. Sie hörten einander nicht nur in ihrer eigenen Sprache, sie verstanden auch, was gemeint war und ließen sich begeistern.

Der Pfingstgeist erfüllt mit der Grundhaltung, in der Jesus auf Menschen zugegangen ist. Nicht abwertend, sondern offen und mit einem wertschätzenden Blick aufeinander.

Das wäre doch so ein Pfingstwunder. Wenn bei allen Talkshows bis zur Bundestagswahl die Politiker einander zuhören und die Ideen der anderen würdigen, bevor sie kritisieren. Wem diese Vorstellung als ein zu großes Wunder erscheint, der fange bei sich selber an und gucke sich mal die vielen - ehrenamtlichen - Kandidaten für die Kommunalwahl Ende Mai mit gnädigen und wertschätzenden Augen an!

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen