zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 07:28 Uhr

Streit um Werbung : Ein Wirt wehrt sich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Flensburger Gastronom weist mit einem großen Banner auf die bevorstehende Eröffnung seiner Disco hin – die Stadt verbietet es ihm. Es ist ein glatter Verstoß gegen die Altstadtsatzung.

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2015 | 08:30 Uhr

Das Banner ist der Stadt ein Dorn im Auge. Klein ist der Dorn nicht. Er misst stolze 24 Quadratmeter und hängt an einem Baugerüst an der Schiffbrücke. Der Gastronom Ali Düsmez möchte dort Anfang Mai die Disco „King’s“ eröffnen. Genau das tut er auf dem Werbebanner kund. Doch die Stadt sagt: Das muss weg! Und nicht erst in sechs Wochen, sondern am besten schon gestern: Glatter Verstoß gegen die Altstadtsatzung.

Ali Düsmez versteht die Welt nicht mehr. Er hat einen Streifzug durch die City gemacht – und fleißig fotografiert. Ein knappes Dutzend Aufnahmen zeugen von Werbeschildern unterschiedlichster Größenordnung. Von der Kinowelt über die Holmpassage bis hin zum Deutschen Haus. Und er pocht auf Gleichbehandlung. „Warum dürfen andere, was ich nicht darf?“, fragt er – und die Frage liest sich wie eine Anklage. Zumal er sich nach vorangegangenen Erfahrungen alle Mühe gemacht hat, um ein korrektes Verhalten an den Tag zu legen.

Ali Düsmez, der am 1. Mai 1995 mit der Disco „Sunny“ als Gastronom in Flensburg an den Start ging und heute in sieben Betrieben 49 Mitarbeiter beschäftigt, ist vorgeschädigt. Vor zwei Jahren übernahm er den Irish Pub an der Schiffbrücke 11, dort musste er grundlegend modernisieren. Er quälte sich durch das Prozedere bis hin zu einer Baugenehmigung. Unter anderem hatte er vom Denkmalschutz die Auflage erhalten, Holzfenster einzubauen. Die allerdings hatten eine Lieferzeit von acht Wochen. „Ich habe dann als Überbrückung eine Holzplatte vor das alte Fenster genagelt und ein Plakat mit dem Termin der Neueröffnung darauf fixiert.“

Er habe damit klarmachen wollen, dass an diesem Platz keine Bauruine entsteht, sondern demnächst neues Leben einkehrt. Doch der Wirt hatte die Rechnung ohne die Stadt gemacht. Die Bauordnung untersagte ihm diese Form der Werbung. Sie dürfe nicht direkt auf der Fassade angebracht werden, auch wenn es sich um eine Baustelle handele.

Daraus hat Ali Düsmez gelernt. Für das benachbarte „King’s“ bestellte er vor einigen Wochen kurzerhand die Gerüstbauer und brachte das Werbebanner in einem Meter Entfernung von der Hausfront an. Ein genialer Schachzug, wie er fand. Doch vergeblich. Zu allem Überfluss habe er sich von einem Behördenmitarbeiter den Satz gefallen lassen müssen: „Wir sind hier nicht in der Türkei.“ Diese Bemerkung empfand der 41-jährige deutsche Staatsbürger als recht anmaßend. „Ich liebe Flensburg und ich liebe meinen Job“, sagt er. „Ich zahle meine Steuern und spende regelmäßig für karitative Einrichtungen.“

Ein weiteres Problem plagt Ali Düsmez. Vor dem Irish Pub baute er vor einem Jahr eine Holzterrasse für 4200 Euro, die zunächst genehmigt, dann aber wieder untersagt worden sei. „Obwohl ich daran die geforderten Umbauten vorgenommen hatte.“ Jetzt will er die beiden Sonnenschirme durch eine Markise ersetzen; auch die sei durchgewunken worden. „Ich darf sie aber nicht in dem Holzboden verankern“, ärgert sich Düsmez, weil damit nachträglich die Terrasse legitimiert würde. „Ich bin Gastronom aus Leidenschaft“, sagt der Flensburger, „aber was man hier von uns verlangt – da vergeht einem die Lust.“

Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf indes verweist auf die Baugestaltungssatzung sowie die Novelle des Denkmalschutzgesetzes, die am 31. Januar in Kraft getreten ist. Damit kommt das Kompagnietor ins Spiel. Es steht in einigen Metern Entfernung zur Schiffbrücke 10. Ein Kulturdenkmal. Und die Umgebung eines geschützten Bauwerks darf laut Gesetz nicht „erheblich beeinträchtigt“ werden. „Das ist hier der Fall“, stellt Teschendorf klar. Und fügt hinzu: „Herr Düsmez ist nicht der Einzige, der in dieser Beziehung Abstriche machen muss.“ Es habe bereits Abmahnungen gehagelt. Allerdings gebe es auch Ausnahmen, wie etwa am Deutschen Haus. Das Werbebanner dort bewege sich im ordnungsrechtlichen Rahmen, es sei als Werbefläche deklariert.

Was die Terrasse betrifft: „Die ist in der Tat nicht genehmigungsfähig.“ Düsmez sei aufgefordert worden, seinen Bauantrag zurückzuziehen. Er müsse sich beim TBZ um eine Sondernutzungserlaubnis bemühen. Besonders knifflig die Sache mit der Markise. Die nämlich dürfe nur nach jeweiliger Fensterbreite geteilt angebracht werden. „Sie darf kein komplettes Dach bilden“, sagt Teschendorf und empfiehlt dem Gastronomen, das konstruktive Gespräch mit dem Bauamt zu suchen. „Es bringt ja nichts, die Behörden gegeneinander auszuspielen.“ Und wenn der Wirt sich weiter wehrt? „Dann muss er mit einem Bußgeld rechnen.“

Altstadtnutzung: Was ist erlaubt?

In der Satzung  über besondere Anforderungen an bauliche Anlagen sowie Werbeanlagen und Warenautomaten in der Altstadt (Baugestaltungssatzung Altstadt) wird die Unzulässigkeit von großformatigen Bannern festgestellt. Sie ergibt sich aus Paragraf  13, wo es unter anderem heißt: „Werbeanlagen dürfen insgesamt nicht mehr als einen Meter, Buchstaben von Namen und Werbeschriftzügen nicht mehr als 60 Zentimeter  und Leuchtkästen nicht mehr als 50 Zentimeter  hoch sein. Bewegliche Werbeanlagen und Werbefahnen sind unzulässig. Für Werbeanlagen an der Friedrich-Ebert-Straße und den Süderhofenden  sind Werbeanlagen zulässig, wenn sie unterhalb der Traufhöhe der Gebäude angeordnet werden. An seitlich freistehenden Brandgiebeln von Gebäuden sind Werbeanlagen bis zu einer Höhe von 6 Metern  über Straßenniveau zulässig. Der Umgebungsschutz ist  darüber hinaus im neuen Denkmalschutzgesetz deutlich gestärkt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen