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Heute Signierstunde : Ein Wahl-Flensburger und die „Insel der Phantasten“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Künstler Hans-Ruprecht Leiß präsentiert seinen Kunstdruck für einen neuen Seenotrettungskreuzer

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 11:28 Uhr

Was haben der Kölner Dom, die Bremer Stadtmusikanten und die Insel Sylt gemeinsam? Ganz einfach: Der in Flensburg lebende gebürtige Husumer Hans-Ruprecht Leiß hat sie gezeichnet – alle drei. Mit dem letzten Motiv hat es allerdings eine besondere Bewandtnis. Es entstand während eines Inselspaziergangs mit dem Chefredakteur des sh:z-Medienhauses Sylt, Michael Stitz – und es soll helfen Schiffbrüchige zu retten. Während des gemeinsamen Spaziergangs nämlich berichtete Stitz dem Freund ohne Hintergedanken von der „Minden“, dem in die Jahre gekommenen, auf Sylt stationierten Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, der durch einen Neubau ersetzt werden muss. Dafür würden Spendengelder in Höhe von 1,8 Millionen Euro benötigt, erklärte Stitz. Die Geburtsstunde einer Idee: Was er davon halte, ein Insel-Bild zu zeichnen, das der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag dann als Kunstdruck verkaufen würde? Ein Teil des Erlöses könnte dem Neubau der „Minden“ zugute kommen.

„Eigentlich hatte ich gar keine Zeit und viel zu viel zu tun“, sagt Leiß, „aber dann habe ich mir doch ein Herz gefasst und ein paar Nachtschichten eingelegt.“ Dabei herausgekommen ist ein Sylt-Motiv, in dem der Wahl-Flensburger seine ganze überbordende Fantasie auslebt und das zur Speerspitze eines karitativen Konkurrenzkampfes zwischen der Nordseeinsel und Hamburg werden könnte. Um das Geld für den Bau des neuen Kreuzers aufzubringen, liefern sich Hansestadt und Nordseeinsel einen ungewöhnlichen Wettstreit. Unter dem Motto „Reetdach gegen Reeperbahn“ wetteifern sie um die höchste Spendensumme. Wer gewinnt, entscheidet, ob der Name des neuen Kreuzers einen Sylt- oder einen Hamburg-Bezug haben wird.

„Insel der Phantasten“ hat Leiß sein 70 mal 100 Zentimeter großes Sylt-„Porträt“ genannt. In einer Auflage von 499 Exemplaren ist der hochwertige Kunstdruck zum Einzelpreis von 99 Euro in einigen sh:z-Kunden-Centern erhältlich – 39 Euro davon fließen als Spende zur DGzRS. Zurzeit ist Leiß auf Signier-Rundreise im nördlichen Landesteil unterwegs. Im Flensburger sh:z-Kundencenter in der Nikolaistraße signiert er am Donnerstag von 15 bis 17 Uhr. Und wer ihn kennt, der weiß, dass er es mit dem Signieren nicht bewenden lassen wird, denn „Rups“ Leiß ist ein passionierter Geschichtenerzähler – nicht nur in seinen Bildern. Außerdem verfügt er über ein ausnehmend gutes Gedächtnis, das auch und im Besonderen seine Kindheit miteinschließt. So sind die rundmäuligen Leviathane vor der Küste Westerlands dem sogenannten Dankwerth-Atlas entsprungen. „Mein Vater hat dieses schöne, alte Buch mal kaufen wollen. So kam es zu uns nach Hause, und ich konnte als Kind darin herumschmökern.“ Das bildreiche karthografische Werk aus dem Jahr 1652 fasziniert ihn bis heute. Aber auch die eigene Familiengeschichte, in der es zum Beispiel einen U-Bootfahrer gab, oder Anekdoten über gesunkene Schiffe und anderes Seemannsgarn fanden Eingang in das Insel-Bild. Manches hat der Künstler verschlüsselt, anderes liegt offen zu Tage. Wie die V 200, die er mit liebevollem Spott „Schleswig-Holstein-Lokomotive“ nennt, „weil wir damit noch immer herumfuhren, als der Rest des Landes längst elektrifiziert war“. An einigen Stellen wird allerdings auch leise Kritik erkennbar, etwa wenn Märchenfigur Alice auf das „Wunderland Sylt“ zurudert oder eine wilde Bahnfahrt von Hamburg nach Westerland das Lou-Reed-Zitat „Here comes the zoo“ (Hier kommt der Zoo) anklingen lässt.

 

 

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