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Twedter Holz in Flensburg : Ein vergessenes Denkmal unter Bäumen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mürwikerin Elsbeth Petersen würde die Texttafeln gern aufarbeiten und sucht Mitstreiter

shz.de von
erstellt am 17.Jun.2015 | 11:00 Uhr

Elsbeth Petersen lebt seit 41 Jahren in Mürwik – immer in derselben Wohnung am Kiefernweg. Sie kennt Mürwik und vor allem den nördlichen, an der Förde liegenden Teil wie ihre Westentasche. „Ich gehe hier sehr viel spazieren“, sagt sie, „seit Jahrzehnten“. Schon vor einigen Wochen fiel ihr auf, dass das Denkmal, das etwas versteckt an der Straße Twedter Holz unter alten Bäumen steht, deutlich in die Jahre gekommen ist und eigentlich etwas Pflege und Reinigung bedürfe. „Die Inschriften sind kaum noch zu lesen“, hat sie festgestellt.

„Ich habe schon lange vorgehabt, mich darum zu kümmern. Aber immer, wenn ich zu Hause war, hatte ich das dreimal wieder vergessen.“ Heute hat sie eine Drahtbürste dabei und testet, was man damit ausrichten kann. „Das geht, aber es ist ein bisschen Arbeit.“ Gern will sie mithelfen, aber nicht alles allein machen. Nur weiß sie nicht, an wen sie sich wenden soll.

Denn das Denkmal wurde schon 1920 errichtet, von den Nachbarn aus Twedter Holz, das damals noch ein kleines idyllisches Dorf weit außerhalb der Stadt war. „Von Angehörigen und Mitbürgern errichtet 1920“, steht auf einem der vier Steine. Ein Hermann Macon ist unter den Gefallenen, 23 Jahre alt war er, als er fiel, nur ein Jahr nach Kriegsbeginn im Jahr 1915. Ein Jens Hugger ist unter den Opfern, ein John Wiebener, die anderen heißen Christiansen, Feddersen – „wie man hier eben so heißt“, sagt Elsbeth Petersen nachdenklich. Niemand aus ihrer Familie ist unter den Namen, hat die 75-Jährige heraus gefunden.

Gut zwei Meter hoch ist die Pyramide aus Feldsteinen; an den vier Seiten stehen die Namen der Gefallenen auf großen Platten aus Beton oder einem ähnlichen Material. „Den Opfern des Weltkriegs 1914 - 1918 aus der früheren Gemeinde Twedter Holz“ steht auf einer Tafel, „Von Angehörigen und Mitbürgern errichtet 1920“ auf der gegenüberliegenden Seite, etwa 15 Namen auf den beiden weiteren Platten. Texte, Namen und Jahreszahlen sind nur mühsam zu lesen, Moos und Algen haben für eine grüne Patina gesorgt. Das Grundstück wirkt nicht verwahrlost, aber auch nicht wirklich gepflegt; Müll ist nirgendwo zu sehen.

Elsbeth Petersen hofft, dass entweder die Stadt das Denkmal aufarbeitet oder sich Freiwillige melden, die womöglich in einem gemeinsamen Arbeitseinsatz die Schrift wieder leserlich machen. Da wäre sie dann gern dabei. „Vielleicht hilft ja auch der Verschönerungsverein“, sinniert sie, bevor sie wieder zur Drahtbürste greift und auf der vorderen Platte herumschrubbt.

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