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Rail and Road Protec Flensburg : Ein ungewöhnlicher Ausbildungsstart

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum Levke Andresen (19) zwar erst im September ihre Ausbildung beginnt, aber heute schon ihre Firmen-Mails beantwortet

So gut vorbereitet startet wohl selten eine Auszubildende in ihre Lehre: Levke Andresen (19) beginnt am 1. September ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beim Flensburger Unternehmen „Rail and Road Protec“ (r2p GmbH) in der Technologiemeile Lise-Meitner-Straße. Dass sie sowohl schon ihre Visitenkarte hinterlegen als auch E-Mails auf ihrem Firmen-Account beantwortet, liegt an ihrer besonderen Vorgeschichte – und bestimmt auch daran, dass sie besonders motiviert ist.

Die Jugendliche aus Schafflund hatte sich nach einer Wirbelsäulenerkrankung einer schwierigen Operation unterzogen. Nach fast einem Jahr der Genesung fand sie mit Hilfe des Kreises Schleswig-Flensburg und der Flensburger Qualifizierungsgesellschaft Bequa in das Berufsorientierungsprojekt „Neue Wege“. Projektleiter Lukas Goebel von der Bequa lobt: „Sie zeigte im Projekt hohe Einsatzbereitschaft und nutzte den Zeitraum, um für sich die passende Ausbildung zu finden.“

Personalchefin Vibeke Eddau Kock von r2p hat vor allem das große Engagement der jungen Frau überzeugt, die sich unter 76 Bewerbern für einen Ausbildungsplatz durchsetzte: „Ausschlaggebend war: Levke wollte es unbedingt.“ Für eine Firma arbeiten, die mit daran wirkt, den Bus- und Bahnverkehr weltweit zu verbessern – das fand Levke Andresen ziemlich reizvoll. So kam es, dass die junge Dame mit dem Rücken-Handicap und dem Mittleren Bildungsabschluss seit Anfang April schon Praktikum in der Firma macht.

Dass das Unternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern in der Flensburger Zentrale sowie Tochterunternehmen in Viborg/Dänemark, Prag und Großbritannien seit vergangenem Jahr nicht nur die Kommunikation mit den Kunden auf der ganzen Welt, sondern auch intern komplett auf Englisch umgestellt hat, schreckte Levke Andresen offenbar überhaupt nicht. Bereits seit dem Frühjahr besucht sie den firmeninternen wöchentlichen Englischkurs: „Ich muss noch viel lernen, vor allem auch viele Vokabeln“, sagt sie und ergänzt: „Manchmal bin ich aber schon so im englischen Flow, dass ich in der Küche einfach auf Englisch weiterrede.“

Das Büro teilt Levke Andresen schon mit Nadine Kriegshammer, der Assistentin von Geschäftsführer Ulrik Ortiz Rasmussen. Neben viel Büroarbeit mit Word und Excel, Post bearbeiten, E-Mails beantworten sowie Arbeiten an der Website nimmt sie auch schon Außentermine bei Kunden wahr.

Künftig geht es für sie dann zweimal pro Woche in die Berufsschule – und dreieinhalb Tage in den Betrieb, wo sie alle prüfungsrelevanten Abteilungen durchlaufen soll. Personalchefin Vibeke Kock findet, dass die neue Auszubildende vor allem dies noch lernen muss: „Da sie eine 110-Prozentige ist, möchte sie vorab den Masterplan haben.“

Wer einmal einen Unternehmer treffen möchte, der mit seinem Standort rundum zufrieden ist, sollte einmal einen Termin bei Ulrik Ortiz Rasmussen machen – Chef von Rail and Road Protec (r2p). Alle Technologien, die für den Fahrgast   in Bus und Bahn relevant sind, liefere sein Unternehmen, sagt Rasmussen – und das weltweit: zum Beispiel mobiler Videoschutz, Fahrgastzählung, WLAN, Fahrgastinformationssysteme und Flottenmanagement, jeweils mit Echtzeit-Übertragung. Schließlich müsse der Fahrgast auch noch die richtige Information bekommen, wenn von neun Waggons im Zug irgendwann sechs nach Kiel und drei nach Flensburg fahren. Auf der Homepage r2p.com lässt sich nachlesen, wie viele Busse (4646) und Bahnen (3105) bereits mit  Technologie aus Flensburg ausgestattet sind.

„Wir liefern auf fünf Kontinenten in über 40 Ländern“, sagt Rasmussen: Kanada, USA, Kolumbien, Chile, Sydney, Kuala Lumpur – die Referenzliste klingt deutlich nach Weltreise. Im Videobereich sei man weltweit marktführend, sagt der Däne, der sein Unternehmen acht Jahre in Stuttgart führte, bis er in Flensburg seinen perfekten Firmensitz fand: „Als Däne, der gern in Deutschland lebt, ist Flensburg das Zentrum der Welt.“

Was er nicht mag, ist Kritik am Standort und der Verkehrsinfrastruktur. Ein einziger Punkt: „Die Baustellen auf der A7 dürfen bald fertig sein.“ Aber sonst: Man sei schnell am Flughafen, bekomme in Flensburg und von den Hochschulen gute, loyale und bezahlbare Mitarbeiter. International beschäftige man schon mehr als 100 Mitarbeiter.  Und: Flensburg habe einen sehr hohen Freizeitwert.

 

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erstellt am 13.Aug.2017 | 08:29 Uhr

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