Boot kentert vor Steinberghaff : Ein Toter: Rettungsdrama in der Geltinger Bucht

Rettungskräfte versammeln sich nach dem Einsatz am Anleger.
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Rettungskräfte versammeln sich nach dem Einsatz am Anleger.

Traurige Gewissheit: Ein Schlauchboot mit zwei Urlaubern kentert auf der Ostsee vor Steinberghaff (Kreis Schleswig-Flensburg). Eine Frau kann sich retten. Ihr Begleiter kann nur noch tot geborgen werden.

shz.de von
03. Juli 2014, 20:45 Uhr

Steinberg | Tragischer Ausgang in der Geltinger Bucht: Nach dem Schlauchbootunfall zweier Urlauber konnte der 26-jährige Vermisste am Abend nur noch tot geborgen werden. Seine gleichaltrige Begleiterin erlitt einen Schock.

Der Mann und die Frau waren am Donnerstagnachmittag mit einem kleinen Schlauchboot vom Strand aus ins Wasser gegangen und mit einem Elektro-Außenbordmotor einige hundert Meter auf die Förde hinausgefahren. Plötzlich bemerkten Urlauber, die am Strand unterwegs waren, dass die Personen im Schlauchboot um Hilfe schrien, das Schlauchboot war gekentert und durch den Wind schon abgetrieben.

Frank Ruhrländer (49), Urlauber aus Weinhausen bei Celle, war gerade zusammen mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter am Strand, als sie die Rufe hörten. „Wir haben sofort ein Boot organisiert, sind dann rausgefahren“, berichtet Ruhrländer. Auch Udo Berndt (47) aus Steinbergkirche fuhr zusammen mit seiner Freundin in seinem Boot hinaus. „Wir haben noch das Schlauchboot der beiden und eine Isomatte aus dem Wasser geholt.“ Unterdessen sollen die Urlauber wohl versucht haben, aus eigener Kraft zum Ufer zu schwimmen. Die Frau konnte in Ufernähe von einem kleinen Boot aufgenommen und gerettet werden, ihr Begleiter jedoch war verschollen.

Die Rettungsleitstelle Nord in Harrislee löste umgehend einen Großeinsatz aus. „Wir waren binnen sehr kurzer Zeit mit Einsatzkräften vor Ort und auch die erste Boote trafen schnell am Unglücksort ein“, berichtet der Einsatzleiter der Feuerwehr, Thomas Kahl aus Steinbergkirche. Mehrere Wehren, Rettungsdienst und der Notarzt trafen auf der Landseite am Einsatzort ein. Auf dem Wasser sammelten sich zwischenzeitlich über zehn Schiffe, die sich an der Suche nach dem Vermissten beteiligten. Auch Luftunterstützung wurde angefordert: Ein Niebüller Rettungshubschrauber sollte sich an der Suche beteiligen.

Während die junge Frau, von Rettungsdienst und Notarzt betreut wurde, arbeitete die Zeit gegen die Suchmannschaften: Der Rettungshubschrauber musste seinen Sucheinsatz nach über einer Stunde abbrechen, der Treibstoff ging zur Neige. Wenige Minuten später nahm eine SAR-Maschine der Bundesmarine, die zwischenzeitlich in Niedersachsen angefordert wurde, die Suchmaßnahmen aus der Luft wieder auf. Auch ein Boot der DLRG war nun vor Ort, an Bord ein Sonargerät. „Mit diesem äußerst speziellen Sonar sind wir in der Lage in mehreren Metern Wassertiefe Fische oder eben auch Personen zu erkennen“, berichtet der Einsatzleiter der DLRG Holger Reiss. „Wir fahren das Suchgebiet nun in einem Raster ab und tasten mit dem Gerät den Meeresgrund ab, das Livebild können wir dann auf einem Monitor verfolgen“.

Auch an Land wurde nach dem Vermissten gesucht: Mehrere umliegende Feuerwehren wurden alarmiert, um die Uferabschnitte in der Geltinger Bucht zu durchkämmen. Minuten bevor die Einsatzleitung die Suche für den Tag beenden wollte, entdeckte die Besatzung des Marinehubschraubers den Vermissten leblos im Wasser. Der Mann wurde anschließend durch Einsatzkräfte geborgen, der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Wie es genau zu dem tragischen Unglück kam, muss nun die Wasserschutzpolizei ermitteln. Zeugen berichteten, dass das Boot möglicherweise von einer Windböe erfasst wurde und so zum Kentern gebracht wurde. „Mit einem so kleinen und instabilen Schlauchboot sollte man bei Wind und Wellengang auch nicht unbedingt auf die Förde hinausfahren“, kommentiert Einsatzleiter Kahl das Unglück.

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