zur Navigation springen

Audi-Mechaniker retten Flensburger VW-Oldtimer : Ein toller Käfer in der Notaufnahme

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Unterboden im Eimer: AZF hilft bei der Restaurierung des „Direktionsfahrzeugs“ im historischen Löschzug der Oldtimer-Feuerwehr

Drei Worte, fast wie 2012 auf dem Stand von Hyundai bei der Internationalen Automobilausstellung. Da war Martin Winterkorn, der mächtige Volkswagen-Konzernchef in einen koreanischen Kleinwagen geklettert und belauscht worden, als er verwundert feststellte: „Da scheppert nix!“ Auf dem Gelände von AZF an der Flensburger Liebigstraße hört sich das ähnlich an, gilt aber einem anderen, noch viel kleineren

Auto. „Da klappert nix!“ sagt Hauke Sievers, der hier Werkstattleiter bei Audi ist. Gemeint ist ein schmaler, leicht x-beiniger Wagen, den die Welt als Käfer kennt. AZF wird in den nächsten Wochen dafür sorgen, dass dieses ikonische Auto des Wirtschaftswunders der Welt noch eine ganze Weile erhalten bleibt.

Der Kleine ist etwas Besonderes. Das sieht man an der kurzen Liste der Extras. Blaulicht auf Fahrer-, Funktelefon auf Beifahrerseite. Martinshorn auf Stoßstange montiert, dazu rot-schwarze Sonderlackierung mit Flensburger Stadtwappen und Schriftzug „Berufsfeuerwehr“. Der kleine Boxermotor im Heck mobilisiert 30 PS, das reicht nach Herstellerangaben für eine Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h bei 11 Litern Verbrauch.

Das ist Technik, die begeistert. Wo die Oldtimerfreunde der Flensburger Feuerwehr auch auftauchen, der Käfer ist der Star. Sagt Rainer Möller, Vorsitzender des Vereins, der einen historischen Löschzug aus den 60er Jahren für die Zukunft aufbewahrt. „Vor kurzem hatten die Oldtimerfreunde damit noch an der Sternfahrt der klassischen Feuerwehrfahrzeuge nach Sonderburg teilgenommen. „Die Menschen sind jedes Mal hin und weg“, sagt Möller. „Weil er sie an Jugend und Kindheit erinnert. Der wird rauf und runter fotografiert und stellt unsere großen Magirus-Rundhauber immer in den Schatten.“

Der kleine Feuerwehrkäfer ist kein Original-Feuerwehrkäfer. Er lief 1962 als gemeiner blauer Käfer in Wolfsburg vom Band und wurde kurz nach dem Mauerbau in die DDR exportiert. Bis 1987 verliert sich irgendwo im weiten Brandenburg die Spur zwischen lauter Trabbis und Wartburgs. 1987 aber, das ist verbürgt, macht der Käfer zwei Jahre vor dem Mauerfall für 8000 Ostmark wieder rüber in den Westen, erst 2005 entdeckte ihn Rainer Blaas im Internet. Der Käfer hatte den Oldtimerfreunden gerade noch gefehlt. „In den 60er Jahren war ein VW 1200 Führungsfahrzeug des Löschzuges“, sagt der aktive Berufsfeuerwehrmann, der auch 2. Vorsitzender bei den Oldtimerfreunden ist. Der ist natürlich längst verschrottet. Ebenso sein Nachfolger – ein VW 1500. Der Käfer aus dem Internet passte daher perfekt in die Kulisse des Löschzugs mit den LKW-Oldies. Zum Glück war die Re-Finanzierung durch den Verkauf eines VW-Kübelwagens gesichert, berichtet Blaas. Die Oldtimerfreunde rüsteten den Käfer zum „Direktionsfahrzeug“ um, wie diese Einsatzwagen damals genannt wurden. Und ausgerechnet dem Direktionsfahrzeug drohte jetzt der Verlust der Fahrerlaubnis. Man ahnt, warum – der TÜV. . .

Der Unterboden des Wagens, er war nach 55 Jahren hin. Türschweller durchrostet, eine Wagenheberaufnahme komplett weg, teuer, teuer. „Wir hätten das als kleiner Verein finanziell allein nicht stemmen können. So viel Bewegungsspielraum haben wir einfach nicht“, sagt Möller. Auf der Suche nach Sponsoren fing er sich viele Absagen ein. Dem kleinen Auto drohte die Schrottpresse. Dann kam der Kontakt zu AZF-Chef Rainer Hansen zu Stande. Seither bewegt sich der Käfer im Porschetempo auf bessere Zeiten zu, denn Hansen ist selbst Liebhaber klassischer Automobile. Nahezu unbemerkt hat er im AZF eine Nische für automobile Klassiker aller Marken etabliert. „Hauke Sievers, der von ihm mit der Koordination des Käfer-Projektes beauftragt wurde, blickt zuversichtlich voraus. „Die Teile sind bestellt, wir habe eine für beide Seiten gute Lösung gefunden.“

Oliver Brandner (27) ist Teil dieser Lösung. Der Mechatronik-Azubi wird sich des Käfers annehmen – und viel dabei lernen. Denn auch Brandner schätzt Klassiker, er fährt einen Ford Sierra Baujahr 90 – immerhin. „Die modernen Autos sind einander so ähnlich. Diese Fahrzeuge dagegen haben Ecken und Kanten, ein ganz eigenes unverwechselbares technisches Profil.“ Weil man bei klassischen Autos den Diagnosestecker viel seltener braucht als ein feines Gehör und viel Fingerspitzengefühl, schickt Sievers seine an High-Tech-Maschinen ausgebildeten Leute mittlerweile schon wieder zu Lehrgängen, auf denen man das Einstellen von Vergasern lernt. Das nutzt der Klassik-Sparte und freut –in diesem Fall – die Feuerwehr.

Eine anständige Garantie gibt’s übrigens auf dieses Wolfsburger Qualitätserzeugnis noch obendrauf. „Wenn wir fertig sind, hält der problemlos wieder die nächsten 10 Jahre“, verspricht Sievers. Es gibt eben kaum etwas Solideres als den Käfer. Da weiß man einfach, was man hat.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 08.Jul.2017 | 07:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen