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Flensburger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 09:48 Uhr

Rockbands : Ein Toilettenhaus wird Probenraum

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bauherr ist die Rockmusikstiftung aus Hannover. Der Mangel an geeigneten Räumlichkeiten wird damit aber nicht behoben.

shz.de von
erstellt am 15.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Probenräume für Rockbands sind klein, kalt und knapp. Letzteres gilt in besonderem Maße für Flensburg. Wer nicht das Glück hat, über eine geräumige Immobilie mit weitläufigen Fluren und schallisolierten Räumen zu verfügen, muss sich etwas mieten. Und da hält sich das Angebot in Flensburg in übersichtlichen Grenzen.

Jetzt bekommt Flensburg einen neuen Probenraum in einem Gebäude, das ursprünglich für einen anderen Zweck erbaut wurde. Das frühere Toilettenhäuschen am Christian-Friedrich-Voigt-Platz, das seit 30 Jahren nicht mehr seinen eigentlichen Zweck erfüllt, ist verkauft worden und soll in einen Probenraum umgewandelt werden. Die Baugenehmigung ist erteilt worden, Umbaubeginn ist bald, ab Herbst kann hier voraussichtlich gerockt werden.

Bauherr ist nicht etwa eine Flensburger Band, eine Musikschule oder ein Immobilienunternehmen. Die Deutsche Rockmusikstiftung mit Sitz in Hannover nimmt eine größere fünfstellige Summe in die Hand, um ein heruntergekommenes Klohaus für Rockmusik aufzumöbeln. Die Stadt Flensburg fördert das Projekt mit 7000 Euro, hierfür hat der Kulturausschuss der Ratsversammlung vor kurzem Grünes Licht gegeben.

Die Rockmusikstiftung hat seit ihrer Gründung im Jahr 1996 rund 100 Probenräume gebaut bzw. durch Umnutzung verfügbar gemacht. Die meisten davon sind in Hannover. „Wir kaufen Gebäude, die sonst abgerissen würden“, sagt Gründer und Geschäftsführer Holger Maack. Beim Umbau sei der Schallschutz entscheidend. In Flensburg habe man das Häuschen vom TBZ gekauft. „Wir reißen alles raus, legen Strom, Wasser und Abwasser, besorgen den Schallschutz“, so Maack. Dann werde der etwa 30 Quadratmeter große Raum vermietet. Die kleine Immobilie zwischen Südergraben und Friesischer Straße sei insofern ideal, als sie alleinstehend ist und mitten in der Stadt liege. „Wir brauchen mehr solcher Gebäude in Flensburg, denn der Bedarf ist da“, sagt Maack.

Im April werde man mit der Rockmusikstiftung sprechen und gemeinsam in Flensburg Ausschau nach weiteren Räumen halten, sagte Thomas Frahm vom Kulturbüro der Stadt. Er weiß seit vielen Jahren um den leidigen Mangel an geeigneten Räumlichkeiten. Vor knapp 20 Jahren war eine Musikerinitiative kurz davor, aus den Toiletten an der Ecke Fördestraße/Kelmstraße einen Übungsraum zu machen. Das sei damals an den Kosten gescheitert. Nach einer Erhebung, die das Kulturbüro vor einigen Jahren gemacht hatte, gebe es im Raum Flensburg rund 80 aktive Rockbands. Die meisten von ihnen suchen sich irgendwo privat einen akzeptablen Übungsraum.

Die meisten Übungsräume bietet das Roxy Concerts an der Mergenthaler Straße. Betreiber Mike Rossow hat sich die Räume von Behördenseite offiziell genehmigen lassen und musste dafür eine Reihe von Auflagen erfüllen. In Kürze will er weitere Räume anbieten. Einmieten kann man sich auch im Kühlhaus, das Aktivitetshuset hat einen Probenraum. Beim letzten Musiker-Stammtisch wurde mitgeteilt, dass auch der neue private Betreiber des Weiche-Huus zwei Probenräume anbieten will. Der Traum neuer Probenräume in der alten Bahnpost ist wohl ausgeträumt. Kurzfristig werde es hier keine Probenräume geben, sagte Helmut Pagel, Chef der Stadtsanierung.

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