Stangheck : Ein Stück Zeitgeschichte

Waltraud Lukoschus erzählt in ihren Familiengeschichten vieles zum Schmunzeln und Nachdenken, nimmt den Leser oder Zuhörer mit auf eine humorvolle Zeitreise.
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Waltraud Lukoschus erzählt in ihren Familiengeschichten vieles zum Schmunzeln und Nachdenken, nimmt den Leser oder Zuhörer mit auf eine humorvolle Zeitreise.

Waltraud Lukoschus aus Stangheck hat auf 64 Seiten Anekdoten und Erinnerungen von ihrer Familie aufgeschrieben.

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10. Januar 2018, 13:38 Uhr

Litauen, Thüringen, die Halbinsel Hela unweit von Danzig und die Landschaft Angeln: Das sind die Eckdaten, die in den „Familiengeschichten“ von Waltraud Lukoschus eine Rolle spielen. Ihre Geschichten, auf 64 Seiten zu Papier gebracht, versteht sie als eine humorvolle Zeitreise. Ihr war es wichtig, eigene Erinnerungen an das Gestern und Heute für das Morgen aufzuschreiben, sie festzuhalten und so an nachfolgende Generationen weiterzugeben, damit nichts in Vergessenheit gerät. Wenn es in ihren Geschichten auch „menschelt“, so sind sie doch auch ein Stück Zeitgeschichte, die ihre Familie und die ihres Mannes Peter erlebt haben.

Es geht um das Leben auf dem Lande – da darf geschmunzelt werden, regt aber zugleich zum Nachdenken an. Ob Getreideernte früher oder Hausschlachten, Bienen als fleißige Helfer, „unser Strand an der Flensburger Förde“ – es gab vieles, was einst den Alltag der Menschen ausmachte. Waltraud Lukoschus berichtet in ihren Familiengeschichten, die sie gerne bei Veranstaltungen vorliest, über Großvater Asmus und Großmutter Sophie, über Vater Willy, der als Musiker viel herumkam, erläutert Spitznamen. Sie ist auf Spurensuche nach den familiären Wurzeln in Litauen gegangen, hat Anekdoten und Historisches aus der Heimat ihres Schwiegervaters gefunden. Gleiches gilt für das Fischerdorf Hela auf der gleichnamigen Halbinsel – die Heimat ihrer Schwiegermutter. Und auch die Nachbarn kommen nicht zu kurz. Als diese eines Morgens an der Haustür klingelten, Blumen und Geschenke in den Händen hielten und gratulieren wollten, da fielen ihre Eltern aus allen Wolken – das war vor über 50 Jahren. In der Zeitung hatten die Nachbarn einer Anzeige entnommen, dass sich Peter Lukoschus und Waltraud Apel verlobt hatten. Die Eltern hatten davon nichts gewusst. 1970 verlegten die Eheleute Lukoschus ihren Wohnsitz von Dollerupholz in die Gemeinde Stangheck und fühlen sich hier wohl. Zur Familie gehören vier längst erwachsene Kinder und zwei Enkel.

Und weil Waltraud Lukoschus mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen ist, sind etliche Geschichten zweisprachig abgedruckt. Da ist dann von der „Wiehnachts-Goos“ ebenso die Rede wie von „Waschdag fröher“.

Mit dem Aufschreiben hat die Stangheckerin Erfahrung, ist sie doch für den Arbeitskreis der Kirchspielchronik Esgrus tätig. Was sie bewog, das Leben ihrer Familie in Wort und auch in Bild festzuhalten, begründet sie so: „Eine Krankheit machte mir deutlich, dass das Leben nicht unendlich ist.“ Also war für sie die Zeit gekommen, die Familiengeschichten niederzuschreiben. Und weil sie Kindern genau zuhört, gehören zu ihrem Büchlein auch etliche Sprüche von Jungen und Mädchen aus der eigenen Familie, aber auch aus der Nachbarschaft.

Nachdem die 71-jährige Waltraud Lukoschus 2011 in den beruflichen Ruhestand ging – sie war Kassenverwalterin erst im Amt Gelting, dann im Amt Geltinger Bucht –, legte sie die Hände keineswegs in den Schoß, sondern engagiert sich seitdem kommunalpolitisch in Stangheck. 2013 kandidierte sie für Sitz und Stimme in der Gemeindevertretung und wurde gleich stellvertretende Bürgermeisterin: „Wir haben einen jungen Bürgermeister, der berufstätig ist.“ Sie habe Zeit und unterstütze ihn gerne als seine Stellvertreterin: „Mir ist es wichtig, etwas für die Gemeinde und die Gemeinschaft zu tun.“




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