Amateurfunker in Flensburg : Ein Stück Draht als Brücke in die Welt

An der elektronischen Morsetaste: (v. li.) Albert Homrighausen sendet das Sonderrufzeichen des Glücksburger Schlosses und empfängt über 50 Rückmeldungen aus aller Welt. Vorsitzender Rudolf Blazejewicz und Stellvertreter Tycho Mohn beobachten die Kontaktaufnahme.
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An der elektronischen Morsetaste: (v. li.) Albert Homrighausen sendet das Sonderrufzeichen des Glücksburger Schlosses und empfängt über 50 Rückmeldungen aus aller Welt. Vorsitzender Rudolf Blazejewicz und Stellvertreter Tycho Mohn beobachten die Kontaktaufnahme.

Flensburger Ortsverband der Amateurfunker feierte 70-jähriges Bestehen mit dem Griff zur Morsetaste

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15. August 2017, 08:19 Uhr

„Delta – Lima – Seven – Zero – Delta – Sierra – Hotel“ oder kurz „DL70DSH“ lautete am Sonntag das Sonderrufzeichen exklusiv für Schloss Glücksburg: Darunter nahmen Flensburger Amateurfunker an einer so genannten COTA-Aktivierung teil („castles on the air“), mit der sie eine spezielle Nummer des traditionsreichen Schlosses in die weite Welt sendeten, in der andere Funker solche begehrten Chiffren ähnlich wie Briefmarken sammeln. Gleichzeitig beging der Ortsverband M03 Flensburg damit sein 70-jähriges Bestehen – gegründet wurde er am 29. Oktober 1947. Der Verein ist Teil des Deutschen Amateur-Radio-Club DARC.

„War das amateurmäßige Funken während des Krieges verboten, so wurde es in Schleswig-Holstein seinerzeit von der britischen Besatzungsmacht geduldet, war also nur bedingt legal“, erinnert sich Rudolf Blazejewicz, heute Erster Vorsitzender. Das hat sich natürlich längst geändert, und engagierte Funker an der Förde stehen seit sieben Jahrzehnten im intensiven Kontakt mit dem Rest der Welt. Dazu benötigen sie ein Funkgerät, eine Antenne, eine Morse-Taste – und Strom. Allerdings müssen sie vorher eine anspruchsvolle Prüfung absolvieren. Interessierte sollten zudem technik-affin sein und eine gewisse Neugier mitbringen, die Welt über Kurzwelle im Äther zu erkunden. Das kann sehr anregend sein, auch im Zeitalter von Internet und Smartphone. „Natürlich ist die Nachwuchssituation schwierig. Viele junge Menschen scheuen den Aufwand fürs fachliche Lernen, das Handy ist deutlich bequemer“, erklärt Rudolf Blazejewicz.

Doch sein Stellvertreter gibt ein gutes Gegenbeispiel: „Ich finde es einfach spannend, mit nur einem Draht und relativ autark weltweit Kontakte zu knüpfen. Funker kommen einfach überall hin, was die Nutzung vom www. oder per Whatsapp nicht erreicht, insbesondere bei Systemausfällen“, sagt der 28-jährige Tycho Mohn (internationales Rufzeichen DO5FL), der seit zwei Jahren global funkpräsent ist. Weltweit gibt es geschätzte zwei Millionen Funkamateure, knapp 70  000 in Deutschland – der Flensburger Ortsverband weist etwa 50 aus, darunter vier Frauen. Sie alle eint das Interesse an Technik, soziales Engagement, Erfolge im funksportlichen Vergleich bei Wettbewerben sowie das Kulturerbe Morsetelegraphie zu erhalten. Aber Amateurfunker können auch eine wichtige Funktion erfüllen: In Not- oder Katastrophenfällen können sie unabhängig wichtige Informationen unter Behörden kommunizieren, wenn sonst nichts mehr geht. Das war beispielsweise bei der Schneekatastrophe 1978 / 1979 in Schleswig-Holstein der Fall.

Die Geräuschkulisse im Trauzimmer des Schlosses mit seinem stilvollen Renaissance-Ambiente glich am Sonntag dem eines einschlägigen Kinofilms mit seinen klassischen Funksignalen: Die Töne dreimal kurz – dreimal lang – dreimal kurz sind seit dem Untergang der Titanic allgemein bekannt (lang gleich Strich, kurz gleich Punkt). Sie stehen für die Buchstaben SOS, Englisch für Save our Souls. Auch Albert Homrighausen morst fleißig das Sonderrufzeichen des Glücksburger Schlosses. Dazu benutzt er allerdings nicht mehr die filmbekannte frühere Handtaste, sondern eine elektronische Morsetaste. „Damit geht’s leichter, weil sie das Strich-Punkt-Verhältnis automatisch abstimmt“, sagt der Kassenwart der Flensburger Funker. Für ihre Lizenz müssen sie das Morsealphabet beherrschen, können dann eine Nachricht rein akustisch erkennen, außerdem Englisch, die weltweite Sprache auch der Funker. Ihre Funksignale dürfen sie unter anderem im 40-Meter-Band verbreiten, „von 7,0 bis 7,50 als Telegraph, von 7,50 bis 7100 als Phonie, also Sprechfunk“, so Rudolf Blazejewicz. Seine erste Morsetaste hat er 1952 nach Anleitung selbst gebastelt, aktiver Funker ist der Malermeister im Ruhestand seit 1981. Kontakte hatte er in alle fünf Kontinente, beispielsweise direkt zum König Saudi-Arabiens, der begeisterter Amateurfunker ist.

Die Homepage der Flensburger Amateurfunker ist über die Seite www.darc.de unter dem Eintrag Ortsverbände zu erreichen.


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