Altes Flensburg : Ein Stück Bahngeschichte auf Emaille

Antiquität: Karl-Heinz Klinger (links) überreicht das historische Schild an Einar Rasmussen vom Forum Weiche.
1 von 2
Antiquität: Karl-Heinz Klinger (links) überreicht das historische Schild an Einar Rasmussen vom Forum Weiche.

Flensburger übergibt Schild „Abzweigstelle Friedensweg“ an das Forum Weiche / Erinnerung an die Entstehung des „Schienenschlängels“

shz.de von
02. August 2018, 07:00 Uhr

Stark angenagt vom Zahn der Zeit, aber trotzdem mit historischem Wert: Ein nostalgisches Eisenbahnschild übergab Karl-Heinz Klinger, früher für Bauvorhaben im Nord-Bereich zuständiger Mitarbeiter der Deutschen Bundesbahn, an Einar Rasmussen vom Forum Weiche. Das deutlich angegriffene Stück Blech erinnert an sehr spezielle Verkehrsregelungen für die Bahn und für den Straßenverkehr zwischen Flensburg und Weiche.

Die zersetzte Emailleschicht des alten Schildes lässt noch die Aufschrift „Abzweigstelle Friedensweg“ erahnen. Bis heute ist dies im Schienennetz rund um Flensburg ein wichtiger Punkt für die Abwicklung des Bahnverkehrs zwischen Skandinavien und Mitteleuropa. Hier führt die europäische Güter-Magistrale entlang – mit ihrem kleinen Abschnitt zwischen Flensburg-Weiche und Pattburg. Personenzüge aus dem Norden werden hier aus der Hauptstrecke ausgefädelt, um dann über die eingleisige „dänische Schleife“ den Flensburger Bahnhof zu erreichen: Diese Trasse verläuft unter der Brücke Lilienthalstraße hindurch, am letzten Stummel der Nikolaiallee entlang, dann auf eigener Brücke über die zweigleisige Bahnstrecke Flensburg-Hamburg. Weiter über die Husumer Straße auf der Brücke bei Holtex, über die Westumgehung durch die Einschnitte unter der Schleswiger und Eckernförder Landstraße hindurch und dann im engen Bogen zum Bahnhof. Die Trassenführung wurde in den 1920er Jahren notwendig, um mit Personenzügen von Norden den neuen, heutigen Bahnhof zu erreichen.

Das ist der vielgescholtene Schienenschlängel, der zwischen Pattburg und Flensburg die Fahrzeit um sechs Minuten verlängert. Dieser Zeitaufwand hätte eingespart werden können mit dem Bau eines neuen Fernbahnhofes in Weiche. Damit hätten Personenzüge direkt von Pattburg über Weiche nach Süden fahren können, bei geschätzten Baukosten von 45 Millionen Euro. Die Ratsversammlung entschied sich dagegen. An der Abzweigstelle Friedensweg nimmt dieser zeitraubende Schlängel seinen Anfang.

„Langberger Weg“ lautet heute der Name für den alten Friedensweg in Richtung Handewitt/Langberg. Im letzten Abschnitt, neben dem Grundstück der Firma Wilhelm Jensen, lässt sich heute noch erkennen, wie die kleine Straße einst die Bahnlinie kreuzte. Bis zur Stilllegung des Bahnübergangs nutzten etliche Autofahrer den Langberger Weg und den Übergang, um dann über den Ochsenweg nach Weiche zu kommen.

Und das Schild? Über Jahrzehnte hing es an der Wand des kleinen Dienstgebäudes, aus dem heraus ein Mitarbeiter Weichen und Signale stellte, außerdem die Bahnschranken kurbelte. Mit dem Bau der Oberleitung und des elektronischen Stellwerks Flensburg-Weiche war es in den 1990er Jahren mit diesem Aufwand am Friedensweg vorbei. Signale und Weichen werden vom neuen Stellwerk aus ferngesteuert, das alte Häuschen wurde abgerissen, der Bahnübergang ist längst Geschichte. Allerdings: An einem Schaltkasten neben dem Gleis ist noch ein kleines Schild mit der Beschriftung „Abzweigstelle Friedensweg“ montiert.

Karl-Heinz Klinger, in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre zuständig für die Elektrifizierung der Bahnstrecken rund um Flensburg, zog damals die Emailletafel aus einem Schrottcontainer. Nun trennte sich Klinger von dem guten Stück und übergab es an das Forum Weiche. Horst Otte von der Chronikgruppe des Forums will das Schild ansehnlich herrichten lassen. „Vielleicht hängen wir es in der Heilandskapelle auf“, überlegt Otte. Dort wäre das Schild dann für die Bewohner des Stadtteils immer bei Bürgerversammlungen sichtbar.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen