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Flensburger Werft : Ein Stapellauf und zwei neue Aufträge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die FSG atmet tief durch: Siem Industries ordert zwei neue RoRo-Fähren. Einen problemlosen Stapellauf gab es für das Offshore-Spezialschiff „Helix 2“.

Stapellauf bei der Flensburger Schiffbau Gesellschaft ist immer ein Gänsehaut-Moment. Das war auch gestern Mittag nicht anders, als die Baunummer 766 mit dem roten Bug voran in ihr Element rauschte. Diesmal kam aber ein Momentum hinzu, das in vielen Augenpaaren in der großen Halle für einen feuchten Schimmer sorgte. Nach Monaten und Wochen des Bangens um die Zukunft des Unternehmens wurde dieser Stapellauf von einer sehr, sehr guten Nachricht begleitet. Es gibt neue Aufträge. Sicherheit für mehr als 1000 Arbeitsplätze auf der Werft und ihre Zulieferbetriebe bis Mitte 2018. Die drohende Kurzarbeit ist auf ein Minimum begrenzt.

FSG-Geschäftsführer Ulf Bertheau platzierte die gute Nachricht in eine Reihe von Willkommensgrüßen an Geschäftspartner und Begleiter aus aller Welt; Eystein Eriksrud, bei Siem Industries Leiter des großen Offshore-Bereichs, in dem auch die FSG angesiedelt ist, präzisierte: Es gibt erstens viel versprechende Verhandlungen über den Bau von zwei RoRo-Schiffen. Zweitens gibt es einen Vorvertrag über den Bau einer RoPax-Fähre und drittens bestellte der norwegische Siem-Weltkonzern zwei große RoRo-Schiffe aus der Erfolgsserie, mit der die Flensburger Werft zum Weltmarktführer wurde. Die letzte dieser modernen über Jahre stets optimierten 200-Meter-Fähren war 2013 an die türkische U.N.-Reederei der Spediteure übergeben worden. Damals sollte dieser Termin den konsequenten Übergang vom Serien- zum Offshore-Spezialschiffbau markieren. Jetzt, in Zeiten billigsten Öls und dramatisch einbrechender Nachfrage nach Offshore-Kapazität, konnte die Werft diesen wichtigen Joker spielen. Die FSG kann nämlich auch Serienschiffbau. Und das sehr gut.

Der bullige Zwei-Schrauben-Kraftprotz von gestern markiert jedoch die neue, unter Opfern erworbene Fähigkeit der Flensburger, maßgeschneiderte Schiffe auch für komplizierte Offshore-Aufgaben zu bauen. „Wir haben seit 2014 so viel Wissen und so viele wertvolle Erfahrungen gesammelt“, sagt Henrique Pestana, Projektverantwortlicher für die zwei Offshore-Schiffe. „Die Werft hat gezeigt, dass sie keine Furcht vor Herausforderungen hat. Wir sind auch in diesem Segment global absolut wettbewerbsfähig.“ Das merkt im übrigen auch der Kunde. Kimberly Seitz, Vize-Präsidentin der US-amerikanischen Helix Energy Solutions (Houston), die beide Neubauten chartern wird, konnte immerhin feststellen, dass die „Siem Helix 2“ hart im Nehmen ist. Die obligatorische Champagnerflasche zerschellte erst im zweiten Anlauf.

Qualität, das klingt gut in Eriksruds Ohren. „Der Kunde ist sehr zufrieden“, meinte der Siem-Chairman. Auch er ist stolz. Die zurückliegenden Monate seien nervenaufreibend gewesen, weil die FSG wegen der Offshore-Krise erneut ihre Produktpalette wechseln musste. Auch bei der Umsetzung der auf einem norwegischen Entwurf basierenden Neuentwicklung habe es Verzögerungen gegeben. Allerdings seien diese Erfahrungen beim Bau des Schwesterschiffs positiv eingesetzt worden. „Angesichts der Probleme, die die FSG hatte, ist dies ein exzellentes Ergebnis“, sagt Eriksrud.

„Helix 1“ wird nach den jetzt beginnenden Erprobungsfahrten in den Niederlanden fertig ausgerüstet werden, „Helix 2“ soll im Sommer folgen. Danach werden beide Schiffe für ihren amerikanischen Charterer nach Brasilien verlegt.

Auf dem Bauplatz an der Batteriestraße ist spätestens seit gestern die Ungewissheit weg und der Optimismus wieder da. „Die Probleme mit der Ölfeld-Exploration werden vergehen“, ist sich Pestana sicher. „Das Offshore-Geschäft wird zurückkehren.“

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erstellt am 28.Feb.2016 | 14:41 Uhr

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