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Flensburg-Krimi-Autor liest in Mürwik : Ein Staatssekretär als Wasserleiche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dieter Neumanns neuer Krimi „Nebel über der Küste“ führt Kommissarin Helene Christ ins Milieu der Landesregierung - heute Abend liest er um 19 Uhr im Mürwiker Medienhaus.

Das hat Autor Dieter Neumann richtig klasse gemacht: Der Einstieg in seinen neuen Krimi „Nebel über der Küste“ ist großartig gelungen, erinnert an einen Horrorfilm und macht Gänsehaut. Bauunternehmer Simon, Lebensgefährte von Kriminalkommissarin Helene Christ, will sein Segelboot „Seeschwalbe“ aus Flensburg ins Winterlager nach Arnis bringen. In Höhe der Geltinger Bucht wird er von aufziehendem Nebel überrascht. Unheimlicher Nebel: „Bleierne Lautlosigkeit. Alle fernen Geräusche, jeglicher Hall versanken in distanzloser Dumpfheit.“ Da legt der Leser das Buch nicht mehr weg, da kann man nicht aufhören zu lesen. Neumann liest heute Abend um 19 Uhr im Mürwiker Medienhaus - es sind noch ein paar Plätze frei.

„Immer dunkler wurde es rundum, als die Abenddämmerung einsetzte. Himmel und Wasser verschmolzen zu lichtlosem Grau. Nur der starke Lichtstrahl des Leuchtturms Falshöft oben auf der Steilküste tastete sich matt durch die wattige Nässe.“ Vom Steuer aus kann Skipper Simon nicht einmal seinen Hund „Frau Sörensen“ sehen, der am Bug steht und in den Nebel hinein wittert.

Ohne Sicht, ohne Radar an Bord, kommt Simon zur Entscheidung, die Nähe des Ufers zu suchen und zu ankern, bis der Nebel sich verzogen hat.

Ruhigen Schlaf bringt die Nacht nicht. Der Hund fängt an zu bellen, ein Stoß geht durch das Boot. Sofort wusste Simon, dass irgendetwas die Eichenholzplanken der „Seeschwalbe“ gerammt hatte. Eine Motoryacht, ohne jegliches Licht. Ein Angeberboot; Name: „Tequila Sunrise.“ Simon vertäut die Boote und steigt über. Kein Mensch an Bord, auf dem Boden des Salons liegt eine große Blutlache. Unfall? Verbrechen?

Am nächsten Morgen ruft Simon die Wasserschutzpolizei und seine Freundin, die Kommissarin, an. Dann beginnt die Ermittlungsarbeit, allerdings ohne Helenes Kollegen, Edgar Schimmel, genannt „Der Graue“. Der ist bei einer Schießerei schwer verletzt worden und soll nach der Reha in den Ruhestand gehen.

Schließlich gibt die Ostsee her, was nicht ins Wasser gehört: eine Leiche. Und als die Polizisten ermitteln, dass der Tote der Kieler Staatssekretär Ole Harmsen ist, hat Autor Dieter Neumann seinen Krimi auf dem Punkt: Mord im Kieler Regierungsmilieu mit rivalisierenden Parteifreunden, die sich die Posten wegschnappen, mit Millionen schweren Fördergeldzuschüssen, um die gerangelt wird, und teuren Immobilienprojekten. Eine Affäre gehört auch noch dazu.

Glücklicherweise hat Neumann nicht versucht, die Barschel-Affäre in seinen Krimi mit einzuhäkeln. Aber bei der Parade obskurer Typen, mit denen sich Kommissarin Christ beschäftigen muss, fühlt sich der Leser an die Realität erinnert. Schließlich fällt noch ein trunksüchtiger Augenarzt mit großer Klinik und Investitionsplänen tot um – aber das führt Leser und Roman-Polizisten auf die falsche Spur. Genauso wie DNA-Spuren und eine Pistole den Verdacht auf die falsche Person lenken. Aber Helene Christ wäre nicht Helene Christ, wenn sie diese Funde nicht als zu offensichtlich einschätzen würde. Hilfestellung aus dem Hintergrund gibt immer wieder ihr alter Kollege.

Zur Lösung des Rätsels häuft Autor Neumann Zufälle an. Zufällig wird die Motoryacht des toten Staatssekretärs in einer Halle der Seglervereinigung Flensburg in Fahrensodde gefunden. Zufällig sieht ein anderer Bootsbesitzer, wie ein Fremder die Yacht durchwühlt. Dann erkennt der Bootsbesitzer das Gesicht des Verdächtigen in einer Bildersammlung – und schon sind die Ermittler am Ziel. Ratzfatz ist der Fall gelöst. Der erfahrene Krimileser hätte sich mehr dezente Hinweise auf den Täter im Text gewünscht, um selbst Verdacht zu schöpfen und beim Lesen zu sehen, ob man richtig liegt. Aber bis zum Ende hat Neumann einen Krimi geschrieben, der reichlich Lesevergnügen bietet. Schön ist auch, dass er Handlungsstränge weiterführt, die bereits in den früheren Büchern angelegt wurden.

Nur den Tod des Augenarztes streichen die Ermittler von ihrer Aufgabenliste, und Neumann erzählt dessen traurige Geschichte – Mord aus Mitleid – noch schnell im Epilog. Wie auch immer: Die Neugier auf den nächsten Neumann-Krimi ist geweckt.

 

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erstellt am 14.Mai.2017 | 07:54 Uhr

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