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Landestheater : „Ein Sommernachtstraum“: Gelungene Premiere in Flensburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Ensemble des Landestheaters leistete Überzeugungsarbeit – mit Feenwald, Laienspielern und Kinderchor.

Flensburg | Hoher Besuch beim Schleswig-Holsteinischen Landestheater: Zur Premiere von Benjamin Brittens Oper „Ein Sommernachtstraum“ kam Ministerpräsident Thorsten Albig persönlich nach Flensburg. Ob der Landesvater nun ein Fan des britischen Komponisten ist, oder wegen der zugespitzten Theaterkrise sehen wollte, was „der echte Norden“ dabei verlieren kann, sei mal dahin gestellt. Das Ensemble des Hauses leistete jedenfalls Überzeugungsarbeit: Es war eine gelungene, lautstark bejubelte Premiere.

Operndirektor Markus Hertel entführt seine Zuschauer in einen zauberhaften Feenwald, wo sie vom bestens einstudierten Kinderchor in weißen, rokokoartigen Gewändern empfangen werden – ganz im Sinne Brittens, der die Welt der Elfen gern mit Musik unterlegt, die an seinen Landsmann Henry Purcell erinnert.

Im Wald – von Ausstatter Martin Fischer aus labyrinthisch verschränkten Halbkreiswänden raffiniert gestaltet – klettert munter der Kobold Puck herum. Elisabeth Köstner belebt die Sprechrolle als Spielmacher, genervter Dienstbote und schelmischer Kommentator.

Elfenkönig Oberon (Steve Wächter mit hinterhältigem Lächeln und androgyn hellem Altus, noch so eine Verbeugung Brittens vor Purcell) streitet mit seiner Gemahlin Titania (schwärmerisch-koloraturfreudig: Brigitte Bayer) und gibt Puck den Auftrag, der Königin ein Liebeselixier zu verabreichen. Das probiert der Kobold prompt an zwei menschlichen Liebespaaren aus, die sich im Wald verirrt haben und nun erotisch verwirrt sind (Svitlana Slyia, Anna Schoeck, Jin-Hak Mok und Joa Helgesson).

Auch eine Laienspielgruppe aus Handwerkern gerät in Mitleidenschaft: Den Weber Zettel verwandelt Puck in einen Esel, auf dass Titania sich in ihn verknalle. Im mit viel komödiantischem Witz auftrumpfenden Handwerker-Sextett gibt Kai-Moritz von Blanckenburg einen großartigen Zettel: dümmlich-selbstverliebt, mit kraftvollem, tief timbriertem Bariton, den die Verwandlung in den höchsten Maultier-Diskant jagt.

Instrumental ist die 1960 uraufgeführte Oper klar gegliedert: Neben der von Streicherglissandi, Harfen, Celesta und Cembalo umschmeichelten Feenwelt umfängt die Liebespaare Geigenklang, während die Handwerker mit täppischen Figuren von Fagott und Posaune begleitet werden. „Gewöhnungsbedürftig“ fanden das einige Premierenbesucher in der Pause; doch gelang es Generalmusikdirektor Peter Sommerer und seinem Orchester, den Wechsel zwischen Melodienschmelz, rhythmischen Akzenten und plumper Artikulation zu einem sehr stimmungsvollen Ganzen zu verweben. Ende gut, alles gut – hoffentlich gilt das auch für das Landestheater.

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erstellt am 23.Feb.2014 | 17:13 Uhr

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