Queisser-Umzug : Ein Signal auch an die Region Flensburg

Ortsausgang Richtung Jarplund: Die Erweiterungsflächen des Heideland.
Ortsausgang Richtung Jarplund: Die Erweiterungsflächen des Heideland.

Handewitts Bürgermeister und WEG-Vorsteher Thomas Rasmussen für vertiefte Stadt-Land-Kooperation.

shz.de von
23. Juni 2017, 05:12 Uhr

Und ja, die Wirtschaftsentwicklungsgemeinschaft Flensburg-Handewitt ist ein Erfolgsmodell. In diesem Punkt ist Handewitts Bürgermeister Thomas Rasmussen mit Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange einer Meinung. Vor dem Hintergrund von Siedlungswünschen der Flensburger Firma Queisser Pharma im Gewerbegebiet Heideland bei Weding (wir berichteten) hatte die Flensburger Verwaltungschefin mit der Anmerkung, „wir verbrennen in der Konkurrenz der Kommunen immer noch sehr viel Energie“ einer Vertiefung der Kooperation das Wort geredet. Rasmussen nimmt den Ball gerne auf, denn er sieht das ganz ähnlich. „Es hat mich schon immer gewurmt, wenn wir nur den kleinsten gemeinsamen Nenner finden konnten. Wir haben in der Region noch viel größere Potenziale, die wir heben können.“

Aus Handewitter Sicht ist die Teilumsiedlung des expansiven Unternehmens in den Landkreis – die Produktion bleibt in Flensburg und wird ausgebaut – die Probe aufs Exempel. „Unternehmen interessieren sich nicht für Ortsschilder. Siedlungswillige Wirtschaftsbetriebe von auswärts würden niemals verstehen, wenn hier Probleme entstehen“, mahnt Rasmussen. „Queisser ist zuvorderst ein wichtiger Betrieb und Arbeitgeber für die Region, den wir dringend unterstützen müssen.“

Der Handewitter geht davon aus, dass die Gespräche mit Flensburg über die Verteilung der Gewerbesteuern schnell und positiv verlaufen. Für den Ortsteil bedeute die Ansiedlung des Lagers in einem eigentlich für Kleinbetriebe konzipierten Gewerbegebiet einen Einschnitt, dem müsse Rechnung getragen werden. „Wir müssen diese Lasten fair und angemessen durch die Teilung der Gewerbesteuer ausgleichen“, mahnt Rasmussen. „Es ist wichtig, an diesem Beispiel zu zeigen, dass wir zusammenstehen. Das ist ein Signal nicht nur an Queisser, sondern an die Unternehmen der Region – und darüber hinaus.“

Als Verbandsvorsteher und Bürgermeister ist Rasmussen sogar dankbar für die durch den Siedlungswunsch angestoßene Diskussion. „Das zwingt uns, sich mit dem Kooperationsgedanken zu beschäftigen.“ Thomas Rasmussen sieht nämlich jenseits der Wirtschaftsebene noch zahlreiche andere Bereiche, in denen Stadt und Land enger kooperieren können – beispielsweise bei den Themen Wohnen und Flächenausgleich. Und Fläche ist wichtig. Der 2008 erfolgte Zusammenschluss der Gemeinden Handewitt und Jarplund-Weding schuf mit 7810 ha bei nur knapp 11 000 Einwohnern die flächenstärkste Gemeinde im Landkreis Schleswig-Flensburg und eine der größten im Bundesland. Das gemeinsame Gewerbegebiet mit Flensburg ist nach 23 Jahren an die Grenzen des Wachstums gekommen – aber Rasmussen sieht bei einer Süd-Expansion entlang der A 7 Potenzial für weitere 70 ha Gewerbeland. „Im alten Gewerbegebiet haben wir wirklich nur noch Restgrundstücke. Aber da haben wir seit 1994 bewiesen, wie gut wir sein können.“ Auf kommunaler, partnerschaftlicher Ebene hofft er, dass Flensburg die ländlichen Partner gleichberechtigt behandelt. Unter Langes Vorgänger Simon Faber hatten Flensburger Gedankenspiele mit Eingemeindungen und Versuche, Wohnbau-Kontingente bei den Umlandgemeinden zu Geld zu machen, für Missstimmung gesorgt. Aber das ist Geschichte. Rasmussen: „Das wichtige Signal jetzt ist: wir machen weiter!“

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