Havetoft : Ein Schutzraum für Heranwachsende

Einrichtungsleiter Christian Oehler (hinten links) nahm die Glückwünsche der  Festredner und der Kinder zum 125. Geburstag des Elisabethheims Havetoft entgegen.  Foto: Jäger
Einrichtungsleiter Christian Oehler (hinten links) nahm die Glückwünsche der Festredner und der Kinder zum 125. Geburstag des Elisabethheims Havetoft entgegen. Foto: Jäger

Das Elisabethheim Havetoft feiert am Wochenende seinen 125. Geburtstag. Vertreter von Kreis und Kirche gratulierten schon am Mittwoch.

shz.de von
13. Juni 2013, 07:39 Uhr

Havetoft | "Lasset die Kindlein zu mir kommen." Dieser Satz aus der Bibel steht über dem 1888 eingeweihten Hauptgebäude des Elisabethheimes Havetoft. Mit seinen 125 Jahren ist das Heim eine der ältesten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen in Schleswig-Holstein, und bis heute fanden mehr als 2000 Heranwachsende in den Wohngruppen der Einrichtung Begleitung und Förderung. Einige von ihnen feierten gestern mit Heimleiter Christian Oehling und mehr als 100 Gästen und Freunden das 125-jährige Bestehen der heilpädagogischen Kinder- und Jugendstätte.

"Kinder und Jugendliche sollen keine Randfiguren in der Gesellschaft sein. Sie gehören in die Mitte. Wenn sie in Not sind, dann soll ihnen geholfen werden", sagte Klaus Matthiesen, Vorsitzender des Vereins Elisabethheim Havetoft, der Begrüßung, Moderation und Schlusswort der Jubiläumsfeier übernahm. Den gleichen Gedanken hatte wohl auch Dorfpastor Johannes G. E. Witt, als er vor 125 Jahren die am Havetofter See gelegene Einrichtung gründete und nach seiner Tochter Elisabeth benannte. Aus der Not der damaligen Zeit heraus - der letzte deutsch-dänische Krieg lag erst wenige Jahre zurück -, wollte Witt Kriegswaisen und Kindern, die von den Eltern sich selbst überlassen worden waren, ein Zuhause geben.

Neben Matthiesen gratulierten gestern auch Helgo Jacobs, Propst der Propstei Angeln, Thomas Hohnecker, Inspektor des Verbandes der Gemeinschaften in der Evangelischen Kirche in Schleswig-Holstein, und Petra Thobaben, Landespastorin des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein dem Elisabethheim, einem "Raum des Schutzes" nach Thobabens Worten, in dem "Menschen gestärkt werden, bis sie selbst wieder fit sind", so Jacobs. Im Namen der Kreisverwaltung und -politik sprachen Landrat Dr. Wolfgang Buschmann sowie Dr. Andreas Wellenstein, Dezernent für Jugend und Familie des Kreises, den Mitarbeitern des Elisabethheimes ihren Dank aus. "Wer keine Nestwärme erfahren hat, der friert ein Leben lang", sagte Buschmann. Das Elisabethheim jedoch wirke dem erfolgreich entgegen.

Heute leben in der Einrichtung 74 Kinder und Jugendliche in sieben Wohngruppen. Die Häuser liegen dezentral in Havetoft. Hinzu kommt ein gruppenpädagogisches Angebot über Tag, Familienhilfe, ambulante Betreuung, Ergotherapie und familientherapeutische Angebote. Einige Kinder besuchen zudem ein lerntherapeutisches Angebot zur Wiedereingliederung in öffentliche Schulen. Derzeit sind etwa 65 Mitarbeiter an vier Standorten in Havetoft und in der ambulanten Betreuung in Schleswiger und Flensburger Wohnungen beschäftigt.

Ein Schwerpunkt der Arbeit knüpft an die Situation der Gründungsjahre an: Jugendliche Flüchtlinge aus den Bürgerkriegsgebieten, vorwiegend Afghanistan, Nordafrika und Somalia, finden im Elisabethheim in großer Zahl, zirka 150 im Jahr, Obhut. In der Schutzstelle des Heimes erhalten die zum Teil traumatisierten Jugendlichen Hilfe und Förderung. Eine Verständigung mit den Mitarbeitern in afghanischer und englischer Sprache erleichtert ihnen neben den angebotenen Deutschkursen die Integration.

Mit zur Einrichtung gehört seit der Gründung auch ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Milchvieh, Pferden und Schafen sowie Ackerbau. Diente die Landwirtschaft früher zur Versorgung mit Lebensmitteln, hat der Betrieb heute eher einen therapeutischen Ansatz.

"Der Grundgedanke Witts, Kindern und Jugendlichen auf der Grundlage des christlichen Glaubens Halt und Unterstützung zu geben, sie zu begleiten und zu fördern, ist für die Einrichtung auch nach 125 Jahren noch verpflichtend", sagt Heimleiter Christian Oehler. Eine gemeinnützige, durch Spenden getragene Stiftung unterstützt die Arbeit des Elisabethheimes Havetoft finanziell. Ihr Motto lautet: "Kein Mensch geht über die Welt, den Gott nicht liebt". Das gelte für alle Kinder, unabhängig von Nationalität, Begabung, Verhalten oder Religionszugehörigkeit.

Zum 125. Jubiläum lädt das Elisabethheim Havetoft am Sonntag, 16. Juni, ein. Das Fest beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst im Festzelt an der Zufahrt zum Heimgelände, Pastor-Witt-Straße 6 in Havetoft. Ein Familienprogramm mit Kinder- und Jugendgottesdienst, dem Illusionskünstler Peter R. Dommel, Hüpfburgen und Trampolinen sowie Spieleparcours schließt sich an. Am Sonnabend, 15. Juni, um 19.15 Uhr spielt bereits der Posaunenchor Havetoft zum Auftakt des Jahresfests und um 20 Uhr schließt sich eine Vorabendandacht an.

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