Neues Hotel in Flensburg : Ein Schandfleck soll verschwinden

Blick vom Fördehang: Die Bögen bleiben erhalten. Foto: gudo/Geissler
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Blick vom Fördehang: Die Bögen bleiben erhalten. Foto: gudo/Geissler

Eine Schmuddelecke weniger: Eine Investorengruppe plant ein Vier-Sterne-Hotel und Wohnungen an der Flensburger Schiffbrücke. Eine Disco wird dafür abgerissen.

shz.de von
15. Juni 2013, 06:33 Uhr

Flensburg | Eingeschlagene Scheiben, bröckelnder Putz, Dreck, zerschlagene Flaschen, Reste von Plakaten, ein nackter Dachstuhl. So begrüßt Flensburg seine Gäste an der Schiffbrücke, an der maritimen Schauseite der Stadt. Die Häuserreihe des "Kayser’s Hof" ist seit Jahren dem Verfall preisgegeben, dessen Tempo sich Jahr für Jahr zu erhöhen scheint. Doch jetzt naht die Rettung: Eine vierköpfige Investorengruppe unter Führung des Bauunternehmers Hermann Höft hat in dieser Woche das Ensemble erworben und am Freitag die Grundzüge einer Planung vorgestellt, die im Rathaus auf viel Zustimmung stößt.
Aus städtebaulicher Sicht das wohl wichtigste Merkmal: Die Struktur der Bebauung an der Frontseite zur Schiffbrücke bleibt weitgehend erhalten. "Das Haus rechts neben dem früheren Sunny ist abgängig und wird abgerissen", erklärte Hermann Höft bei der Vorstellung des Projektes im 13. Stock des Rathauses. Alle anderen Häuser an der Straße bleiben zumindest in ihrem Erscheinungsbild erhalten.

Discothek "Speicher"wird abgerissen

Hotel, Wohnen, Tiefgarage: Das ist in aller Kürze die angedachte Nutzung für den Komplex. "Wir stellen uns ein kleines, feines, privat geführtes Hotel mit 40 bis 50 Zimmern vor", so Höft, der auf Sylt bereits fünf Hotels dieser Art errichtet hat; ein sechstes stehe vor der Eröffnung. Sein Sylter Partner Jan-Henrik Rose steht auch für das Flensburger Projekt zur Verfügung. Weitere Partner sind die beiden Flensburger Unternehmer Boy Meesenburg (Jacob Cement) und Norbert Erichsen (FFG). Das Flensburger Hotel mit Arbeitsnamen "Kayser’s Hof" werde im Vier-Sterne-Bereich angesiedelt und soll sich über den Großteil der Straßenfront erstrecken. Es stehe noch nicht fest, ob die beiden nördlichen Häuser ebenfalls integriert werden.
Abgerissen werde im Inneren das Gebäude, das heute die Discothek "Speicher" beherbergt, sagte Höft; dies gelte auch für die gelbe Lärmschutzwand im Süden, die der frühere Besitzer Kay-Uwe Jensen vor einigen Jahren errichten ließ. Stattdessen soll hier ein L-förmiges, zwei- bis zweieinhalbstöckiges Haus mit Wohnungen gebaut werden. Darunter liegt die Tiefgarage mit 40 Stellplätzen. Die nördliche Häuserreihe am Herrenstall einschließlich des früheren Restaurants "Columbus" soll in eine Reihe Stadthäuser umgewandelt werden.

Bürgermeister zeigt sich erleichtert

Das zehn bis zwölf Millionen Euro schwere Projekt "Kayser’s Hof" sei "entscheidend für die Stabilisierung und weitere Entwicklung der nördlichen Altstadt", sagte Oberbürgermeister Simon Faber, der im Dezember 2011 im Rathaus ein eigenes Projektmanagement für das desolate Stück Altstadt in bester Hafenlage etabliert hatte. "Wir sind sehr erleichtert", ergänzte Fabers Planungschef Peter Schroeders, der zudem optimistisch ist, dass es eine politische Zustimmung zu dem lang ersehnten Projekt geben wird. Zusammen mit dem jetzt ebenfalls beginnenden Wohnbauprojekt auf dem früheren Roxy-Grundstück an der Norderstraße sei der "Kayser’s Hof" der wichtigste "Qualitätsbaustein" in der nördlichen Altstadt.
"Wir fühlen uns Flensburg und dem Hafen verbunden", sagte Norbert Erichsen zur Antriebsfeder seiner Beteiligung. "Das gehört zu Flensburg", ergänzte Boy Meesenburg und erinnerte an sein Engagement bei der "Roten Laterne", für das Schifffahrtsmuseum, den Museumshafen und weitere ortstypische Projekte. Einen positiven Bescheid zur Bauvoranfrage erwartet Höft bis Ende des Jahres: "Im Frühjahr 2014 können wir mit dem Bau beginnen."

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