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Raubtiersichtung : Ein Puma in Flensburg: Fast wie 1982

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Grenzregion sucht nach der Sichtung vom Sonntag ihren Puma – oder was es sonst war. Das gab es alles schon mal.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 17:21 Uhr

Flensburg | Was war das bloß für ein Tier, das sich am Sonntagvormittag neben der Bahnstrecke im Flensburger Stadtteil Weiche gen Dänemark bewegte, dann aber umkehrte und verschwand? Der Lokführer eines dänischen ICE hatte eine große Raubkatze gesichtet. Zwei weitere Zeugen meldeten unabhängig voneinander ebenfalls die Sichtung des Tieres, bei dem es sich vermutlich um einen Berglöwen handelte. Ein Puma in Flensburg? – Das sorgte am Wochenende natürlich für ordentlich Gesprächsstoff. Wenige Kilometer weiter nördlich kamen sogleich Erinnerungen hoch, denn solch ein Phantom gab es ganz in der Nähe der Grenzstadt schon einmal – vor 33 Jahren im Süden Jütlands.

Nach der Sichtung eines großen braunen Tieres, das für einen Puma gehalten wurde, ist in Flensburg wieder Ruhe eingekehrt. Es haben sich keine weiteren Augenzeugen gemeldet. Das könnte aber bald der Fall sein, wie ein Blick in die Geschichte verrät.

Im Sommer 1982 war es, als sich die erste sprunggewaltige Raubkatze in die Gazetten Dänemarks jagte. Der „Nordschleswiger“ hat die Geschehnisse von damals mit Hilfe mit dem Blick ins eigene Archiv rekonstruiert und der „Sommer der Angst“ wieder ins Bewusstsein gerufen.

Den Auslöser für einige Wochen der Ungewissheit gab es am 24. Juni 1982 als ein Förster mit Namen Niels L. Thomsen vom „Lindet Skovdistrikt“ in der Nähe von Wojens die Vermutung aufstellte, ein Puma sei in seinem Forstdistrikt auf der Jagd, „nachdem Haarbüschel eines Rehs mehrere Meter über dem Erdboden in einer Eiche gefunden worden sind“. Eine Untersuchung der Haare ergab schließlich, „dass das Reh von einem großen und starken Raubtier“ geschlagen worden war. „Das Gleiche gilt für zwei weitere Rehe, die in den letzten Monaten tot gefunden worden sind. Den Rehen ist der Hals mit großer Kraft umgedreht worden“, heißt es im Untersuchungsergebnis.

Es begann eine Kette der Ereignisse: Am 5. Juli kam die Meldung, dass sich der Puma nun in Richtung Süden bewege und am Süderhostruper See bei Klipleff von Anwohnern gesichtet wurde. Dänische Pfadfinder, die in der Nähe des Sees ihr Sommerlager aufgeschlagen hatten, wurden daraufhin von der Polizei vor nächtlichen Ausflügen gewarnt, „da man nicht weiß, wie der Puma in einer bedrängten Situation reagiert“.

Nur zwei Tage später, am 7. Juli 1982, wurde die Haderslebener Polizei aus Osterlinnet (wieder bei Wojens) alarmiert, wo ein Spaziergänger „große Fußspuren“ gesehen hatte. Er verglich sie mit den Spuren seines Bernhardiners und war sicher, Spuren des Pumas gefunden zu haben: „Diese Spuren waren doppelt so groß wie die seines Hundes.“ Die Suche der Polizei blieb erfolglos.

Es begann des Karussell der Spekulationen. Woher könnte das Tier stammen? Selbsternannte Experten meldeten sich zu Wort und stellten die Vermutung auf, es handelte sich möglicherweise um ein Tier, das Anfang der siebziger Jahre aus dem Tierpark Vildsund im Norden Jütlands geflüchtet war.

„Eine ausgewachsene Pumadame versetzt Nordschleswig in Angst und Schrecken“, titelte der Nordschleswiger am 10. Juli 1982. Die Polizei wurde mit Jagdgewehren ausgerüstet, und die Behörden riefen die Bevölkerung sicherheitshalber auf, „vom Einbruch der Dunkelheit an keine kleineren Kinder mehr draußen spielen zu lassen“.

Einige Tage wurde es ruhig um das Tier, das mittlerweile mit dem sagenumwobenen Ungeheuer von Loch Ness verglichen wurde. Dann, am 17. Juli, hieß die Schlagzeile: „Der Puma ist wieder da.“ Diesmal kam er aus Deutschland nach Dänemark: „Ein deutscher Grenzbeamter will den Puma gegen 23 Uhr in der Nähe von Pepersmark (bei Ladelund, die Red.) gesehen haben, als er die Grenze nach Dänemark überquerte.“

Nach zwei weiteren Sichtungen am 22. und 29. Juli 1982 und daraus resultierenden ergebnislosen Suchaktionen, wurde es still um die mysteriöse Raubkatze, die sich wenigstens in den Köpfen der Menschen in der Grenzregion herumtrieb – bis zum vergangenen Sonntag. 33 Jahre später ist das Phantom wieder da. Die Flensburger Polizei suchte das Tier nach eindeutigen Hinweise per Hubschrauber und Wärmebildkamera: ergebnislos. Die Suche wurde am Sonntagnachmittag gleich wieder abgebrochen. Die dänischen Kollegen kümmerten sich erst gar nicht.

Die Polizei riet am Sonntag, Kinder in Weiche, Harrislee und Umgebung unter Aufsicht zu halten. Zeugen, die ein solches Tier sehen, werden gebeten, sich unter der Notrufnummer 110 zu melden.

 

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