Ein Professor macht ordentlich Wind

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04. März 2011, 07:17 Uhr

flensburg | Hier soll bald ordentlich Wind gemacht werden. Noch allerdings deutet wenig darauf hin, dass im zweiten Stock des Gebäudes A der Fachhochschule Flensburg das Institut für Windenergietechnik eingezogen ist. "Wir wollen im Flur noch ein paar Exponate aufstellen und Bilder aufhängen", sagt Institutsleiter Torsten Faber. Der 45-Jährige hat die neu eingerichtete Stiftungsprofessur für Windenergie inne. Eine Windkraftanlage aus Lego-Bausteinen lässt erahnen, was hier erforscht und gelehrt wird.

"Wir sind dabei, das Institut aufzubauen", sagt Faber. Organisatorisch ist er bereits mit Rückenwind unterwegs: Eine Assistentin wurde eingestellt, für die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters laufen die Vorstellungsgespräche. Auch die Berufung für die zweite Stiftungsprofessur läuft. Fünf Jahre lang finanzieren die Stifter, meist Unternehmen aus der Energiebranche, die beiden Stellen mit je 750 000 Euro. Anschließend werden die Professuren von der FH weitergeführt.

Ab dem Sommersemester wird Faber die Studenten an seinem Wissen zur Zertifizierung und zum Bau von Windkraftanlagen teilhaben lassen. Mit diesen Themenfeldern ergänzt er den Masterstudiengang Wind Engineering, den Professoren aus ganz Schleswig-Holstein seit drei Jahren anbieten. Voraussetzung ist ein Bachelor-Abschluss in einem technischen Bereich. Dass alle Studenten des vergangenen Jahrgangs von den Unternehmen, in dem sie ihre Master-Arbeit schrieben, übernommen worden, zeige, dass die Branche Fachkräfte brauche. "Die Branche wächst immer weiter, und es ist schwer, qualifiziertes Personal zu finden", sagt Faber. Mit dem Masterstudium sollen Fachkräfte ausgebildet werden, die das Themenfeld in seiner Gesamtheit durchdringen. Denn für Windenergieanlagen brauche es, erklärt Faber, alle Ingenieurs-Disziplinen, vom Strömungsmechaniker über den Machinenbauer bis zum Elektro-Techniker. Die Master-Absolventen sollen durchdringen, wie alle Komponenten ineinander greifen.

Das Technische war für den gebürtigen Lüneburger Faber die "Einstiegsdroge" ins Thema, wie man doch mit einfachen Mitteln die Kraft des Windes nutzen könne. Als Segler faszinierte ihn die Fortbewegung mit Windeskraft zudem schon immer. Nach dem Studium des Bauingenieurswesen in Hannover, der Promotion in Hamburg-Harburg sowie der Tätigkeit in zwei Ingenieurbüros arbeitete er zehn Jahre beim Zertifizierer Germanischer Lloyd. Nachdem Faber dort zuletzt der Anteil an Manager-Tätigkeiten zu groß geworden war, sieht er in der Professur an der FH die "Chance, nochmal etwas komplett neues aufzubauen - und wieder stärker dem beruflichen Hobby nachzugehen." Faber bezeichnet sich heute als Überzeugungstäter: "Ich bin von der Art der Energiegewinnung absolut überzeugt. Es ist einfach die wirtschaftlichste."

Seinen Forscher-Blick richtet Faber in Zukunft gen Süden. Momentan konzentriere sich die Branche auf den Norden, so Faber. Aber auch Afrika, Südamerika und Australien sieht er als Märkte mit einer langfristigen Perspektive. Dort könne Windenergie genutzt werden - aber unter anderen Bedingungen. Hohe Temperaturen und die oft wüstenartige Umgebung setzen die Anlage einem Umfeld aus, mit dem man noch nicht viel Erfahrungen gesammelt hat. Wie man die Getriebe vor dem Sand schützen kann oder welche Werkstoffe am besten der Hitze trotzen - daran will Faber arbeiten. Dass mit Wind allein die Welt nicht versorgt ist, weiß Faber allerdings auch: "Wichtig ist der Energie-Mix." Und so denkt er noch weiter: "In Zukunft hat auch die Meeres-Energie Potenzial." Er nennt zum Beispiel Unterwasserturbinen, die Energie erzeugen.

Dass die Fachhochschule Sitz des neuen Windenergie-Instituts ist, liegt auf der Hand. "Flensburg ist prädestiniert durch seine Nähe zu Dänemark, wo es viele renommierte Hochschulen im Wind-Bereich gibt." Überhaupt sieht er eine wichtige Aufgabe darin, zu verhindern, dass Schleswig-Holstein auf dem Feld der Windenergie weiter an Boden verliert. "Wegen seiner geografischen Lage hatte das Land einen Wettbewerbsvorteil, viele Anlagenbauer kommen aus Schleswig-Holstein, die Ursprünge und das Know-how liegen hier." Dies gelte es zu bewahren.

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