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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 08:00 Uhr

Ein Platz für Kinder in der Stadt

vom

Selbsthilfe-Bauverein stellt Modellprojekt zum besseren Wohnen für Familien vor / Ziel ist Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Städte

Flensburg | Für Familien mit Kindern ist die Flensburger Innenstadt nicht gerade die beliebteste Wohngegend. Wer es sich leisten kann, zieht spätestens mit der Geburt des ersten Kindes in ein Einfamilienhaus in den Wohnvierteln am Stadtrand, und auch Mieter mit Kindern bevorzugen eines der in den letzten Jahren erneuerten und aufgewerteten Quartiere mit Mehrfamilienhäusern. Dabei ist es erklärtes Ziel der Stadtentwicklung, die Innenstadt als Wohnstandort zu festigen - auch für Familien. Nicht zuletzt diesem Ziel ist das Modellprojekt "Wohnen mit Kindern in der Stadt" verpflichtet, das der Selbsthilfebauverein (SBV) gestern zusammen mit mehreren Partnern vorstellte.

"Wohnen mit Kindern in der Stadt soll wieder Spaß machen - auch für Menschen ohne hohes Einkommen", sagte SBV-Vorstand Raimund Dankowski. Bei der Arbeit an dem Modellprojekt habe man sowohl auf die Realisierbarkeit als auch auf die Übertragbarkeit auf andere Städte geachtet. "Es sollte nicht für den Schrank und für unser Ego sein", so Dankowski.

Jörg Neumann aus dem SBV-Vorstand fasste den Bericht zusammen. Anhand des Modellfalls Fruerlund-Süd, wo der SBV seit einigen Jahren den Stadtteil komplett erneuert, habe man die Bewertung des Wohnumfeldes thematisiert: Bildung, Elternhilfe, Sicherheit, Schulen, Kitas, Nahversorgung, Spiel- und Bewegungsräume sind hier Kategorien. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Gebäude. Hier geht es u. a. um Flexibilität der Grundrisse, Baubiologie, Größe der Räume. Neumann: "Es sollte ein Bad mit Wanne in der Nähe der Kinderzimmer geben, beim Elternschlafzimmer ein weiteres mit Dusche." Die Autoren regen Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser mit Maisonette-Wohnungen an. Die Herausforderung lag darin, ein Reihenhaus mit 95 Quadratmeter für bis zu fünf Personen zu entwerfen. Dies war den Bedingungen des Innenministeriums geschuldet, in dessen Auftrag das Modellprojekt erarbeitet wurde.

Als besonders innovativ wurde das Fördermodell beschrieben. Die Idee dabei ist, dass eine Familie von der Gründung mit zwei Personen bis zum Auszug der Kinder in derselben Wohnung bleiben kann und dabei eine flexible Förderung erhält, die mit der Miete verrechnet wird: Hohe Miete zu Beginn, wenn keine Kinder da sind, kleinere Miete mit Kindern, wieder hohe Miete, wenn diese ausgezogen sind. "Da müssen wir sicher noch mit Ihnen drüber reden", sagte Dankowski an Karin Siebeck aus dem Innenministerium gewandt.

Etwas enttäuscht zeigte sich der städtische Chefplaner Peter Schroeders von dem Vorschlag der Projektautoren für die räumliche Umsetzung der Ideen. Neumann nannte ein freies Grundstück an der Straße Hesttoft; das sei "Wohnen am Stadtrand, am absoluten Siedlungsrand", so Schroeders, der sich eher eine Fläche in der Innenstadt gewünscht hätte. Dankowski verteidigte Hesttoft jedoch ebenso wie Torsten Koch vom privaten Projektpartner Bauplan Nord.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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