Verein Flensburger Norden : Ein Platz für die Straßenszene

Gerüstbau fürs Dach: Peter Jacobsen (stehend links) beaufsichtigt die Montage des Pavillons. Foto: Staudt
Gerüstbau fürs Dach: Peter Jacobsen (stehend links) beaufsichtigt die Montage des Pavillons. Foto: Staudt

Der Platz am Nordertor soll aufgewertet werden: Der Verein Flensburger Norden baut einen Pavillon und gestaltet Rückzugsraum an der Neustadt. Nun hoffen die Initiatoren, dass das Angebot angenommen wird.

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20. November 2012, 11:27 Uhr

Flensburg | Es sind nur ein paar Quadratmeter eines kleinen Hinterhofs an der Neustadt. Aber sie könnten Vorbild sein für Initiativen in anderen Stadtquartieren. Hier, nur ein paar Meter von der lebendigen, quirligen Neustadt entfernt, baut der Verein Flensburger Norden einen Platz für Menschen, die viel Zeit, aber wenig Geld haben und sich am liebsten draußen treffen, um sich auszutauschen und alkoholhaltige Getränke zu sich zu nehmen.
Unter Aufsicht von Peter Jacobsen, gelernter Schlosser und Mitglied im Verein "Krea-Kult", schrauben einige Männer aus rot lackierten Eisenteilen eine siebenteilige Pyramide zusammen. Um die Ecke lehnen an einer Mauer sieben runde Pfeiler. In einer der zahlreichen Garagen lagern die Glasplatten für das Dach und die Seitenwände. "Das ist ein Raucherpavillon", erklärt Cordelia Feuerhake, die das Projekt angestoßen und bis zur Realisierung begleitet hat.

Phänomenta und Nordertor sollen attraktiver werden

Neben Peter dem Schlosser sind Achim der Glaser und Andi der Maurer mit dabei. Dann helfen ein paar junge Männer des Jugendberufshilfe-Projektes "Zapp" mit, und der Bufdi des Vereins, Erik Jansen, ist auch mit im Boot. Das Ziel ist klar: Die Menschen, die unter den Arkaden neben dem Nordertor täglich treffen, sind dort nicht wohlgelitten. Das Wahrzeichen der Stadt und die Phänomenta sind ein stark frequentiertes Ziel Einheimischer wie Besucher; die Anwesenheit von im Sommer bis zu 40 Personen, die dann auch schon mal laut werden, schreckt den einen oder anderen womöglich ab.
Gleichzeitig gibt es kaum eine Handhabe, die Menschen unter den Arkaden zu vertreiben. Also muss man ihnen einen anderen Platz beschaffen. Auf dem Hinterhof Neustadt 17 kann sich die Straßenszene im Pavillon oder daneben treffen, mit Blick zum Geschehen auf der Straße. Einkaufsmöglichkeiten gibt es zuhauf. Geplant ist noch die Aufstellung einer mobilen Toilette: "Da arbeiten wir dran", sagt Cordelia Feuerhake.

"Wir lassen uns nicht hinter Mauern verstecken"

Obwohl es nur ein kleiner Pavillon und 30 Quadratmeter eines Hinterhofs sind, mussten einige Hürden überwunden werden. Seit eineinhalb Jahren befasst sich der Verein mit dem Projekt. Zunächst musste der Besitzer der Fläche, die Flensburger Stadtsanierung, überzeugt werden, ebenso die Fachstelle für Wohnhilfen bei der Stadt und deren Leiter Gert Koll. Auch Norbert Schug, früherer Vorstand im Verein Flensburger Norden und jetzt bei der Stadtsanierung für Soziales, Kultur und Bildung zuständig, ist eingebunden.
Jetzt hoffen alle, dass der Platz auch angenommen wird. "Ich habe im Sommer mit 13 Personen gesprochen und ihnen die Stelle gezeigt", so Feuerhake, "und alle fanden ihn gut." Unter den Arkaden am Nordertor herrschte dagegen gestern noch etwas Skepsis: "Ich kann verstehen, dass die Stadt uns hier nicht haben will", sagte ein Mann. Den neuen Platz wollte er sich sogleich anschauen, fügte aber hinzu: "Wir lassen uns nicht hinter Mauern verstecken. Wir wollen am Leben teilhaben." Doch eigentlich sollte die Akzeptanz für den roten Glaspavillon schnell wachsen. Immerhin sind zwei der Helfer Teil der Straßenszene oder kennen diese zumindest sehr gut und können aktiv Werbung machen.

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