Ein Pionier im Bohnenfeld

Direktsaat spart Kosten und schont die Umwelt: Getreidereferent Ulfried Obenauf zu Gast bei Hartwig Callsen (rechts) im Bohnenfeld. Foto: kuhl
Direktsaat spart Kosten und schont die Umwelt: Getreidereferent Ulfried Obenauf zu Gast bei Hartwig Callsen (rechts) im Bohnenfeld. Foto: kuhl

Hartwig Callsen nutzte den Generationenwechsel in seinem Betrieb, um ihn auf Direktsaat umzustellen/Trotz zwei schlechter Jahre macht er weiter

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29. August 2012, 07:01 Uhr

Scheggerott | Hartwig Callsen aus Scheggerott ist einer von zwei Landwirten in Schleswig-Holstein, die Landwirtschaft nach der Direktsaatmethode betreiben. Bei diesem Verfahren, das weniger Umwelt belastend, langfristig kostensparend und im Ausland bereits anerkannt ist, wird auf jede Form der Bodenbearbeitung wie Pflügen oder Grubbern verzichtet. Das Saatgut wird mit einer Scheibenmaschine direkt in den Boden, teilweise noch in die stehende Zwischenfrucht oder zwischen die abgeernteten, aber noch stehenden Getreidehalme gesät.

Callsen hat die Methode während eines Studienaufenthalts in Neuseeland kennengelernt. "Die biologische Einfachheit war für mich augenfällig und überzeugend", sagt er. Doch hätte er damals sofort mit der Umsetzung begonnen, wäre er auf die Nase gefallen. Denn es gibt zu viele Stolpersteine und Fallstricke.

Deshalb bereitete er sich mit viel Literatur und Besuchen auf den wenigen Betrieben, die das System in Deutschland bereits praktizieren, darauf vor. Anfangs wollte er mehrere Systeme parallel laufen lassen. Doch dann stieg er nach zwei Jahren komplett in die Direktsaat ein. "Der Generationenwechsel auf unserem Betrieb war mit ein Grund dafür", erzählt der Landwirtschaftspionier. Denn für die klassische Pflugsaat brauche man zwei Arbeitskräfte - einen für den Pflug und eine für die Sämaschine. Die Direktsaat könne er alleine bewältigen - ohne Hilfskräfte.

Für die neue Methode aber brauchte er spezielle Maschinen wie eine Sämaschine mit erhöhtem Schardruck oder einen "Stripper", der nur die Ähren von Hafer und Gerste erntet und die Halme stehen lässt. Für Weizen blieb es vorerst beim konventionellen Mähdrescher, der das Stroh gehäckselt auf dem Feld zurücklässt. Und für die Rapssaat arbeitet Callsen am Umbau einer Maschine, die erst einen flachen Bearbeitungshorizont schafft und dann die Saat einbringt und fest walzt.

Augenfällige Nachteile der Direktsaat hat Callsen noch nicht entdeckt. Auch die von Experten befürchtete Verunkrautung der Felder finde nicht statt. "Generell kommen deutlich weniger Unkräuter, da durch Entfallen des Pflügens auch keine Keimbedingungen für sie geschaffen werden", hat er bemerkt. Lediglich die Wurzelunkräuter wären stellenweise stärker vertreten als vorher. Der Mäusebefall sei im nassen Klima Angelns vernachlässigbar gering. Nur die Schnecken müssten bekämpft werden - wie überall sonst auch.

Die Fruchtfolge ist aber der Methode angepasst worden, damit die Kulturen aufeinander direktsaatfähig bleiben. So finden sich bei Callsen neben gängigen Feldfrüchten wie Weizen, Gerste, Hafer und Raps auch die für Angeln untypischen Bohnen, die als Eiweißträger das Soja beim Viehfutter ersetzen. Doch eine feste Reihenfolge gibt es nicht. "In der Direktsaat ist alles flexibel", sagt Callsen. Ideal sei nur der Wechsel zwischen Getreide und Blattfrucht oder zwischen Winter- und Sommergetreide.

Doch letztendlich zählen auch für den Unternehmer Callsen wirtschaftliche Erfolge. Anfangs war diese gegeben. Doch in den letzten zwei Jahren lagen die Erträge unter dem Durchschnitt. Daraus will er noch keine Schlüsse ziehen. "In diesen beiden Jahren war das Wetter katastrophal, und es gab viele Einflüsse, die nichts mit Direktsaat zu tun hatten."

Dieser Meinung ist auch Ulfried Obenauf, Getreidereferent der Landwirtschaftskammer, die auf Gut Helmstorf seit fünf Jahren eine Versuchsfläche von 15 Hektar Direktsaat parallel zu konventionellen Anbaumethoden unterhält. Dadurch kann man direkte Vergleiche ziehen. Aber eine konkrete Aussage ist seiner Meinung nach erst in weiteren fünf Jahren möglich. "Die Ertragsspannen sind sehr groß", erklärte er bei einer Besichtigung von Callsens Feldern. In einigen Jahren habe es geringere Erträge gegenüber den konventionellen Anbaumethoden gegeben. In anderen Jahren seien die Ernten wesentlich besser gewesen. Seine Mitarbeiterin Imke Borchardt erläutert, warum selbst bei geringeren Erträgen das Direktsaat-Verfahren wirtschaftlich sein kann. Denn bei der Feldbestellung spart man etwa 100 Euro pro Hektar ein. "Arbeitszeit- und Dieselkosten sind von Anfang an geringer", erklärt sie. Doch brauche man nach den momentanen Erkenntnissen mehr Saatgut. Auch der Düngeraufwand sei am Anfang höher - bis der Boden richtig eingestellt sei. Dann müsste der Verbrauch sogar rückläufig sein. "Solange die Einsparungen größer sind als die Ertragseinbußen, hat man mehr in der Kasse", sagt Borchardt.

Hartwig Callsen will auf jeden Fall mit der Direktsaat fortfahren: "Bisher konnte ich immer feststellen, woran es lag, wenn etwas nicht geklappt hat", vertraut er seinen Fähigkeiten. In gleichen Situationen könne er das Ganze jetzt besser machen. Und auf Dauer sei er sicher, in eine positive wirtschaftliche Zukunft zu gelangen.

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