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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 04:22 Uhr

Kirchenkreis : Ein Pastor für die ganze Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Johannes Ahrens übernimmt die vom Kirchenkreis neu geschaffene Stelle und sucht Kontakt zu allen möglichen Personen und Institutionen.

shz.de von
erstellt am 20.Dez.2013 | 07:03 Uhr

Ein Gottesdienst auf dem Recyclinghof, in der Notaufnahme, in der Autowerkstatt, im Gerichtssaal: So etwas kann sich Johannes Ahrens gut vorstellen. „Automechaniker sind letztlich auch Seelsorger“, sagt er, „wenn das Auto kaputt ist, ist das für Männer ganz schlimm.“ Johannes Ahrens, 46, ist der neue Flensburger Stadtpastor. Diese Stelle gab es bisher nicht, sie wurde auf der Synode im Mai 2012 beschlossen und in diesem Jahr ausgeschrieben und besetzt.

Der Stadtpastor soll und will auf die Menschen und auf die Institutionen der Stadt zugehen. „Kirche an anderen Orten, zu anderen Zeiten, zu besonderen Themen“ – das ist eines der Ziele, das Ahrens anstreben wird, sagte Anja Pfaff, die Sprecherin des Kirchenkreises. „Ich möchte die Grenzen zwischen Alltag und Glaube, Gott und Geschäft, Profanem und Heiligem aufbrechen. Die Arbeit des Schusters ist genauso viel wert wie das Gebet des Mönches, das hat Luther schon gesagt.“

Johannes Ahrens sprudelt über vor Ideen. Die Stelle scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Er kam 1999 als Öffentlichkeitsarbeiter der Kirche nach Flensburg, wechselte 2002 als Gemeindepastor nach Sieverstedt, bevor er 2010 Referent des Bischofsbevollmächtigten in Schleswig wurde. Dass Kirche nicht immer im gleichnamigen Gebäude stattfinden muss – diese Idee festigte sich bei ihm schon als Kind. Er wuchs in Papua-Neuguinea zwischen Orchideen und Salzwasserkrokodilen auf, seine Eltern arbeiteten dort als Missionare, bis Klein-Johannes elf war. „Da gab es oft improvisierte Gottesdienste, es liefen Hunde und Schweine herum, der Pastor trug irgendein T-Shirt mit Werbung drauf, irgendjemand stand auf und rief etwas dazwischen. Das prägt mich bis heute.“

Eine seiner Aufgaben ist die Vernetzung der beiden Innenstadt-Gemeinden Marien und Nikolai. Da passt es gut, dass er im Schrangen bei St. Marien sein Büro hat und im alten Organistenhaus von St. Nikolai mit seiner Familie wohnt. Er werde viel mit Kirchenmusikdirektor Michael Mages zusammen arbeiten, der als Stadtkantor für beide Gemeinden zuständig ist.

Als Pastor ohne Kirchengemeinde ist er direkt der Pröpstin zugeordnet. Demnächst wird noch ein Beirat mit Vertretern von St. Nikolai und St. Marien sowie der Pröpstin und dem Stadtkantor gebildet, der dem Stadtpastor zur Seite stehen wird. Doch letztlich ist er für die ganze Stadt zuständig, kann sich gut vorstellen, auch in Mürwik oder St. Petri zu predigen. Heiligabend gestaltet er mit Pastorin Regina Franzen die Rockmesse in St. Johannis. „Natürlich gehört die Vertretung ebenfalls zu meinen Dienstaufgaben“, bekräftigt Ahrens.

Für das kommende Jahr hat er schon viele Ideen. Zur hundertjährigen Wiederkehr des Ausbruchs des 1. Weltkrieges möchte er ein Projekt gestalten. Ausgangsfrage: „Wie konnte es geschehen, dass ein ganzes Volk plötzlich so kriegsbegeistert war?“ Kantor Mages wird sich der Frage musikalisch nähern. Doch auch zur Fußball-Weltmeisterschaft möchte er etwas machen: „Es gibt viele Parallelen zwischen Fußball und Religion.“ Er erinnert an seinen Kollegen auf Sylt, der schon häufig Fußballandachten und -gottesdienste gestaltet hat.

Dass der neue protestantische Stadtpastor keine Berührungsängste mit der katholischen Kirche hat, versteht sich fast von selbst. „Die Ökumene ist der Normalfall.“ Und Papst Franziskus sei für die katholische Kirche „eine Erlösung“, sagt er und hofft, dass er mit seinen Reformbemühungen Erfolg hat.

Obwohl er schon seit einigen Wochen im Amt ist, wird er erst am 29. Dezember um 15 Uhr in St. Nikolai feierlich in sein Amt eingeführt. „Ich hoffe, dass dann die ganze Stadt kommt“, sagt Ahrens voller Vorfreude.

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