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Garden of Hope : Ein Paradies für kenianische Kinder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der private Harrisleer Förderverein „Garden of Hope“ unterstützt seit einem Jahr ein Waisenhaus in einem Armutsviertel von Mombasa.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2015 | 19:16 Uhr

Flensburg | Das drei Tage alte Baby schrie lauthals. Zum Glück, denn nur so wurde Cecilia im Busch entdeckt. Ähnlich erging es dem kleinen Thiago, der draußen gefunden wurde bei strömendem Herbst-Regen. Beide Kinder waren kurz im Krankenhaus und wurden gesund entlassen. Jetzt leben sie im „Garden of Hope“, einem Waisenhaus in Likoni, einem ärmlichen Vorort Mombasas. Die Förderer nennen die kenianische Einrichtung „ein kleines Paradies“ und kommen aus Harrislee.

Die Gründungsgeschichte des Fördervereins beginnt damit, dass die Flensburgerin Nele Fulde, nachdem sie ihr Abi am Alten Gymnasium gemacht hat, vor ungefähr zwei Jahren einen Freiwilligendienst in Kenia antrat. In einer Grundschule arbeitete sie zunächst mit Drei- bis Sechsjährigen. Sie lebte gemeinsam mit Marie Becker, einer weiteren Flensburgerin, bei der Sozialarbeiterin der brasilianischen Kirche, bei Ana Paula Marins. Dann begannen die Sommerferien. „Und ich hatte erstmal nichts zu tun“, erzählt die 21-jährige Nele Fulde. „Der Traum meiner Gastmutter war, ein Waisenhaus zu gründen“, fährt Fulde fort und lernte von Marins, dass „man in Kenia richtig was bewirken kann“. Beide Norddeutschen brachten kleinere Projekte auf den Weg und schafften es, über das Internet und großzügige Freunde Geld zu erwirtschaften, um Marins Traum verwirklichen zu helfen. Im August 2014, als die Mädchen schon längst wieder zu Hause waren, erhielt das Waisenhaus die behördliche Genehmigung und wurde eingeweiht.

Marins hatte anfangs wenige Knirpse in ihrer Obhut, inzwischen hat ein Dutzend Kinder bei ihr ein neues Zuhause gefunden. Sie beschäftigt zwei Mitarbeiter, es gibt einen Wachdienst. Die 42-Jährige sei von morgens um 6 bis in die Nacht hinein vor Ort, berichtet Fulde, die jetzt Zahnmedizin in Kiel studiert.

Das angemietete Haus in der Nähe des Strandes verfüge über so wichtige, aber nicht selbstverständliche Dinge wie Backofen und Kühlschrank. „Woanders hat nicht jedes Kind ein eigenes Bett und einen Schrank“, ergänzt Nele. In Slumgebieten wie Likoni gebe es vor allem Schotterwege und lebten viele Menschen in Lehmhütten. Häufig stünde einer Familie nur ein Raum zur Verfügung.

Die Armut auf den Dörfern sei mitunter so groß, dass Kinder ausgesetzt werden, fügt Fred Fulde hinzu. Die Familien seien nicht mehr in der Lage, die Kinder großzuziehen, die Sterblichkeit in den Slums sei extrem hoch, weiß Neles Großvater. Deshalb gibt es – auf Initiative der norddeutschen Großfamilie und ihres Freundeskreises – seit Januar den Förderverein „Garden of Hope“ zur Unterstützung des Projekts, als es zu scheitern drohte. Die Basis des Vereins, dessen Gemeinnützigkeit kurz nach Gründung anerkannt worden ist, befindet sich in Harrislee. Über 20 Mitglieder haben sich inzwischen angeschlossen.

Fred Fulde, Jahrgang 1942 und promovierter Zahnarzt, ist der erste Vorsitzende und hält regen Kontakt zu Ana Paula Marins. Er legt die Hand für sie ins Feuer, die jede Ausgabe für das Heim in einer Email sorgfältig und mit Foto belegt. Der Weg der Spenden sei „hundertprozentig nachvollziehbar“, betont Fulde. Das sei ein Vorteil einer privaten Organisation, ergänzt Rainer Feddersen, Fuldes Stellvertreter.

1500 Euro seien im Monat notwendig, um das Waisenhaus zu tragen, sagt Fred Fulde und hofft, dass sich der Kreis der Unterstützer erweitere. Ihm seien die drängenden Probleme bewusst, die wegen der aktuellen Flüchtlingslage alle beschäftigten. „Ich denke aber, dass man solche Einzelschicksale, mit denen man sich verbunden fühlt, nicht aus den Augen verlieren sollte.“ Ziel der Förderer sei, den Waisenkindern eine Perspektive zu bieten, ihnen Schulbildung zu ermöglichen, am Aufbau teilhaben zu lassen. „Sie sollen sehen, dass man etwas auf die Beine stellen kann“, hofft Fred Fulde. Leitgedanke des Vereins ist ein Satz des Arztes Albert Schweitzer: „Wem eigene Schmerzen erspart bleiben, der muss sich aufgerufen fühlen, die Schmerzen anderer zu lindern.“

http://gardenofhope.de

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