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Flüchtlinge in Flensburg : Ein Parade-Beispiel für Integration

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier Schülerinnen der Fridtjof-Nansen-Schule helfen fünf Flüchtlingen aus Afghanistan und Kenia. Bei ihnen steht vor allem der kulturelle Austausch an erster Stelle.

Flensburg | Als Shamsolhagh Abdolhaghhan die Geschichte von seiner Flucht aus Afghanistan erzählt, hat Fridtjof-Nansen-Schülerin Freya Schmidt Tränen in den Augen. Sie kann sich nur schwer vorstellen, was der junge Mann über mehrere Monate durchgemacht hat. Auch für Shamsolhagh, genannt Sham, ist es nicht leicht, über seine Erlebnisse zu sprechen. Die beiden sitzen an einem Tisch im Künstlerhaus am Holm 35. Dieses Treffen ist Teil eines Real-Schulprojekts, das Freya Schmidt zusammen mit ihren Mitschülerinnen Lisa-Marie Thielhorn, Julia Schalow und Sarah Stein entwickelt hat.

Das Projekt der vier Zwölftklässlerinnen ist im November gestartet. Das Thema durften sie sich selbst aussuchen, die einzige Voraussetzung ist, dass es real ist. „Wir haben uns überlegt, was wichtig ist, und sind dann auf Leute in unserem Alter gekommen, die aus ihrem Heimatland fliehen“, erinnert sich Freya Schmidt. „Ihnen wollen wir helfen.“ Als die Idee stand, begannen die Mädchen, Kontakte zu knüpfen. Sie traten an die Eckener-Schule heran, die ihnen fünf Flüchtlinge aus den DaZ-Klassen – Deutsch als Zweitsprache – vermittelten. Seit November gehören Sham, Jane Wanjuku Kigondu (Kenia), Nima Hossaini, Lina Rezaie und Geet Kaur Chopra (alle aus Afghanistan) zum Team. Einer, der sie ebenfalls unterstützt, ist Alan Brückner, Beauftragter für Migration und Integration des Kinder- und Jugendbüros. Ihn hat das Projekt von Anfang an begeistert.

Ziel des Projekts ist es, sich gegenseitig kennen zu lernen und sich kulturell auszutauschen. „Wir haben schon zusammen gekocht“, erzählt Lisa-Marie Thielhorn. Dafür hat die Gruppe zusammen die Zutaten für ein deutsches, afghanisches und afrikanisches Gericht eingekauft, es gemeinsam zubereitet und natürlich anschließend verspeist.

Als nächstes wollen die vier Schülerinnen die Geschichten der Flüchtlinge mit ihren Beweggründen und ihre aktuellen Situation abbilden und diese in einer Ausstellung zeigen. Einen Termin für die Ausstellung gibt es schon – am 7. März um 11 Uhr im Europaraum im Rathaus – , und auch die Kunstwerke sind schon in Arbeit. Malen und zeichnen dürfen die Mädchen und ihre ausländischen Freunde im Künstlerhaus, wo ihnen einige Künstlerinnen nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch das Material zur Verfügung stellen. Die ersten Werke sehen ganz unterschiedlich aus. Geet hat die Wüste gemalt und dann in ihrer Muttersprache das Wort „Sand“ in die Mitte geschrieben. „Das erinnert mich an meine Heimat“, sagt sie. Einen Sonnenuntergang am Meer zeigt Shams Bild. „Das soll Flensburg sein“, erklärt er. „Immer, wenn ich den Sonnenuntergang sehe, fühle ich mich sicher.“ Freya Schmidt drückt ihm die Hand.

Sicher sein, dass wünschen sich die fünf Flüchtlinge. Nicht alle von ihnen wollen über ihre Erlebnisse sprechen. Einige von ihnen werden immer noch von Alpträumen geplagt, obwohl sie schon seit drei Jahren in Deutschland leben. Doch diesen Lebensabschnitt werden sie so schnell nicht vergessen.

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erstellt am 03.Feb.2015 | 14:30 Uhr

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