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Didaktik und Auszeichnung : Ein Orden für den Erfinder der Phänomenta

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Prof. Lutz Fiesser erhielt gestern das Verdienstkreuz am Bande / Neue Mission mit der Miniphänomenta

shz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 08:06 Uhr

Man sah Lutz Fiesser die Strapazen nicht an: Erst am Vortag war er von einer Fernreise aus Südostasien zurückgekommen. „40 Stunden ohne Bett – das spürt man dann doch“, räumte er lächelnd ein. Doch nur ein paar Minuten später war er schon wieder in seinem Element, redete über die Neugier der Schulkinder und Defizite der naturwissenschaftlichen Bildung, zauberte ein kleines Experiment aus der Tasche und berichtete voller Enthusiasmus, wie er Lehrer und vor allem Eltern aus Grundschulen in mittlerweile 13 Bundesländern mit dem Virus der Miniphänomenta infizierte. Und gestern Nachmittag erhielt er in Kiel das Bundesverdienstkreuz am Bande – eine Auszeichnung, die nur ganz wenige Flensburger vor ihm erhielten, darunter Beate Uhse, Matthias Janz und der frühere sh:z-Chefredakteur Stephan Richter.

Als Pionier der naturwissenschaftlichen Bildung hatte Fiesser mit der Phänomenta das erste Science Center in Deutschland etabliert. Eine Reihe ähnlicher Institutionen im deutschsprachigen Raum beziehen sich direkt auf die Flensburger Einrichtung.

Mit der Phänomenta ging es in den 80er Jahren los, zunächst als Ausstellung auf den Fluren der Pädagogischen Hochschule, später dann in Alt- und Neubauten direkt neben dem Nordertor. Fiesser (72) erinnerte beim Gespräch gestern Vormittag daran, dass dies nur durch das persönliche Engagement einzelner Personen möglich gewesen sei: Er nannte den früheren Oberbürgermeister Olaf Cord Dielewicz und den damaligen Stadtbaurat Reinhold Roedig, der in seinem Urlaub die Pläne neu zeichnete, um das Haus unter anderem barrierefrei zu machen. Heute unterstützt die Stadt die Phänomenta mit 75  000 Euro pro Jahr und überlässt ihr die Gebäude.

Für Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar ist die Auszeichnung Fiessers „eine enorme Werbung und Bestätigung für die Stadt Flensburg.“ Es sei eine „Freude, dass Menschen wie Prof. Fiesser in unserer Stadt wirken können.“ Wolfgang Reinhart, Präsident der Europa-Universität, die Fiesser für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen hatte, freute sich auch: „Wir fühlen uns ein ganz klein wenig mitgeehrt.“ Als EUF stehe man für „Internationalität und den Abbau von Bildungsungleichheit“ – wie die Phänomenta. Fast 30 Jahre hatte Fiesser an der PH/EUF gelehrt.

Weit weniger bekannt als das Science Center am Nordertor ist die mobile Miniausgabe. Sie hat Fiesser 2005 ins Leben gerufen – aus der Erkenntnis heraus, dass es nicht mit einem Besuch in der großen Phänomenta getan ist, sondern eine kontinuierliche Begegnung der Schüler mit Phänomenen und Experimentierstationen wünschenswert sei. Die Miniphänomenta besteht aus 52 Stationen, die jeweils für rund 14 Tage in einer Schule Station machen. Die Idee ist, dass danach Eltern der Schule in kleinen Workshops einzelne Experimente für den dauerhaften Verbleib in der Schule selbst bauen. Fiesser hat ein 250 Seiten starkes Buch mit Bauanleitungen herausgegeben, das auch auf Lettisch – von Lucz Fizers – und auf Thailändisch erschienen ist. „In rund 3000 Schulen haben Eltern und Lehrer Stationen selbst gebaut“, so Fiesser. Seit 2016 gibt es die Mini-Phänomenta jetzt auch in Polen.

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