zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 08:01 Uhr

Ein neues Zuhause für die Kunsttherapie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Patienten mit Krebserkrankung malen künftig an der Norderallee

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 11:59 Uhr

Eine Krebsdiagnose verändert einen Menschen grundsätzlich. Viele Betroffene sprechen von einem Leben „davor“ und einem Leben „danach“. Was kann man tun, wenn man merkt, dass man den Boden unter den Füßen verliert? Dass niemand wirklich verstehen kann, wie es einem geht?

Bereits seit fünf Jahren findet in Flensburg ein Malkursprogramm für Patienten mit einer Krebserkrankung statt. Bisher wurden unter der Leitung von Gudrun Schaller Räume des Hauses Michael im St. Franziskus-Hospital für zwei Stunden als Kunstatelier und Zufluchtsort für Krebspatienten genutzt. Der Gebäudetrakt wurde allerdings abgerissen, weswegen die Künstler zunächst ohne Dach über dem Kopf dastanden – bis Angela Diekmann, die Leiterin des ÖBiZ, in deren Räumlichkeiten in der Norderallee noch „eine letzte freie Ecke“ gefunden hat. Zwei kleine Räume ganz oben unter dem Dach waren im Gespräch, welche dann aber schnell in einen einzigen Raum verwandelt wurden. Dieser ist zum Nachmittag hin lichtdurchflutet und hell. Die Atmosphäre inspiriert praktisch gerade dazu den Pinsel oder die Kreide in die Hand zu nehmen und drauflos zu malen. Der neue Raum ist zwar nicht sehr groß, bietet allerdings genug Platz für die fünf bis acht Teilnehmer, die den Kurs besuchen dürfen.

Schaller berichtet mit viel Leidenschaft und Herzblut von ihrem Projekt: „Es ist wichtig, dass man den Zugang zu seinen Gefühlen behält und diese auch nach außen bringt.“ Einige Menschen finden und halten diesen Zugang im Malen. Schaut man sich die Bilder der Teilnehmer an, welche die Wände des Raumes bunt schmücken, sieht man allerlei Formen und Farben. Bei der Kunsttherapie wird auf Technik kein Wert gelegt.

Der Ausdruck der Emotionen steht ganz klar im Vordergrund. Neben der Aktivität an sich ist die Kommunikation zwischen den Teilnehmern ein wichtiger Teil der Selbsthilfegruppe.

Birgit Strauß, eine Teilnehmerin des Kurses, ist unendlich dankbar für die „zwei Stunden Abtauchen, Vergessen und Teilhaben – zwei Stunden, die einem Mut geben, weiterzumachen“. Außerdem ist sie froh, dass die Bilder der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Einmal im Jahr werden die Kunstwerke im Foyer des St. Franziskus-Hospitals ausgestellt.

Um an dem Malkurs teilnehmen zu können, braucht man keinerlei Vorkenntnisse. Jeder Mensch, der sich mit seiner Krankheit alleine fühlt, ist jederzeit herzlich willkommen, egal ob männlich oder weiblich, jung oder alt.

Der neue Raum im ÖBiZ wird bisher nur von Gudrun Schaller und ihrem kunsttherapeutischen Malkurs genutzt, was sich in Zukunft allerdings auch ändern kann. Im Gespräch sind bereits andere Selbsthilfegruppen, die auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind.

Wer Interesse hat, an einem solchen Kurs teilzunehmen, kann sich unter der Telefonnummer 0461-8162106 oder der Emailadresse gudrun.schaller@malteser.org mit Gudrun Schaller in Verbindung setzen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen