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Berufsschulen in Flensburg : Ein Neubau für die Wirtschaftsschule?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Verteilung auf drei Standorte löst die Probleme nicht - die Gemeinschaftsschule könnte ins Haus an der Marienallee ziehen

shz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 05:28 Uhr

Um die Wirtschaftsschule – Handelslehranstalt (HLA) – deutet sich eine umfassende Neuordnung der Schullandschaft an – mit dem Tausch von Schulgebäuden und einem Neubau. Damit könnte die desolate Lage der HLA mit der Verteilung auf drei Standorte und dem daraus entstehenden, kapitalen Aufwand bereinigt werden. Einen ersten Schritt hat dafür der Finanzausschuss in seiner jüngsten Sitzung unternommen.

Eine im Rathaus entwickelte Gedankenskizze zur Lösung der Probleme hat die Schulleitungen erreicht: Die Petrischule wird aufgegeben, die dort unterrichteten künftigen Erzieher der Hannah-Arendt-Schule ziehen um in die Gemeinschaftsschule West und damit in die unmittelbare Nachbarschaft des Hauptgebäudes an der Exe. Die Gemeinschaftsschule West übernimmt das HLA-Gebäude an der Marienallee. Und die Handelslehranstalt  /  Wirtschaftsschule erhält einen Neubau.

Bürgermeister Henning Brüggemann, zuständig für die Flensburger Schulen, warnt allerdings vor zu großem Optimismus: „Der Investitionsbedarf für einen Neubau, der in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe veranschlagt werden muss, macht deutlich, dass es sich zunächst um Gedankenspiele handelt.“

Mit 2000 Schülern ist die Wirtschaftsschule eines der Flaggschiffe der Flensburger Schullandschaft – aber aus der Raumnot heraus zerfasert in eine ganze Flotte. „Mutterschiff“ und damit Hauptstandort ist das Gebäude an der Marienallee. Stadtbildprägende Wirkung hat das mächtige, mit rotem Ziegel verblendete Haus am Schlosswall, das in seiner Klotzigkeit Assoziationen an die einstige Duburg weckt. Schließlich sind noch Klassen wegen fehlender Räume in die Petrischule an der Apenrader Straße ausgelagert.

Die Not der Schule ist geprägt von einem Sanierungsaufwand, der die Maßstäbe der Wirtschaftlichkeit sprengt, und von den Belastungen, den der Betrieb an drei Standorte mit sich bringt. Der stellvertretende Schulleiter Philipp Hagemeier hat eine verschmitzte Art, die Problematik für Außenstehende greifbar zu machen: „Einmal die Woche nach Wuppertal!“ Auf diese Wegstrecke addiert sich für die Lehrer das Pendeln zwischen den drei Unterrichtsstätten. Schulchef Achim Trautmann greift gleich zu den großen Zahlen: „24  000 Kilometer im Jahr“ sei das Kollegium unterwegs, um Unterricht in den verschiedenen Schulgebäuden zu geben.

Pädagogisch besonders ärgerlich: Habe ein Schüler Fragen an einen Lehrer, die er in einer Pause beantwortet haben möchte, bleibt nicht genügend Zeit, um den nächsten Unterrichtsort pünktlich zu erreichen. Die Fahrerei ist Privatsache. Einen finanziellen Ausgleich gibt es nicht.

Eine gewaltige Organisationsarbeit ist notwendig, um die 43 vorhandenen Klassenräume nach Bedarf zu besetzen. Das Tauschen von Räumen auch zwischen den drei Standorten ist an der Tagesordnung – mit allen Unannehmlichkeiten für die Schüler. Doch dann fehlen immer noch Räume für die Gruppenarbeit und zum Einlagern von Unterrichtsmaterial.

Mit Blick auf die Organisationsarbeit und das Pendeln der Lehrer sagt Achim Trautmann: „Ich denke, wir haben alles Machbare getan.“ Ganz große Hoffnung setzt das Lehrerkollegium in das Aufstellen von Containern auf dem Schulhof an der Marienallee.

Der Prachtbau auf dem Schlosswall ist ein Sonderfall. „Für einen Toilettengang aus dem vierten Stock bis in den Keller sind auch Schüler ohne Beeinträchtigungen ziemlich lange unterwegs“, erklärt Andreas Zettl, stellvertretender Schulleiter. „Für einen Schulbetrieb nicht geeignet“, fällt das denkmalgeschützte Haus am Schlosswall durch die Beurteilung der Praktiker.

Und wie sieht der nachhaltige Weg aus dem Schlamassel aus? An der Schule wurde eine „Arbeitsgruppe Neubau“ gebildet, die einen Bedarf von 63 Klassenräumen benannte. Dazu kommen 18 Gruppen- und Arbeitsräume und eine Sporthalle. Das Thema Mensa wurde nur angerissen.

Der Finanzausschuss hat 40  000 Euro genehmigt. Mit dem Geld soll eine Bedarfsanalyse für den Schulbetrieb finanziert werden.

 

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