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Johannismühle in Flensburg : Ein Mann für die Mühle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Helmut Urbschat übernimmt die Restaurierung von seinem Bruder / Stadt: Fehlendes Papier für Genehmigung ist nur eine Formalie

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 06:05 Uhr

Ein Zettel noch, dann kann es losgehen. Eine Bescheinigung fehlt in den Bauunterlagen der Johannismühle, dann sind alle formalen Voraussetzungen erfüllt und Helmut Urbschat kann endlich anfangen. Der alten Mühle wäre es zu wünschen. Zu ihrer ständigen Pflege gehört das Leeren der Wassertonnen, in denen hereinleckender Regen aufgefangen wird.

Die erste neue Nachricht von der Mühle: Sie hat einen neuen Kümmerer. Hans-Werner Urbschat hat das Projekt an seinen Bruder Helmut übergeben. Als Diplom-Ingenieur und Architekt mit Erfahrung auf Baustellen rund um die Welt kennt er sich aus mit komplizierten Projekten, gegen die die Johannismühle eine kleine Nummer ist.

Der begegnete Urbschat schon 1964. In seinem Studium kletterte er durch das Gebälk und fertigte mit Kommilitonen ein Aufmaß des alten Wahrzeichens an. Und Helmut Urbschat hat Ideen, was aus dem historischen Gebäude werden kann.

Deshalb widerspricht er auch, wenn er mit „Müller Urbschat“ angesprochen wird. Denn Müller würde bedeuten, dass die Mühle wieder Korn mahlen soll. Und genau das sehen seine Pläne nicht vor.

Aber zum Stand der Dinge: Wie geht es der Mühle? Nach wie vor sind die Kappe und die Flügel abgenommen, warten auf die Überarbeitung und auf die Montage am angestammten Platz. Verloren hat der Galerieholländer auch die namensgebende Galerie rund um den Baukörper. Dieses hölzerne Bauteil wurde abgesägt, weil es wegen zunehmender Verwitterung nicht mehr tragfähig war. Auch von außen ist sichtbar, dass die Eindeckung unter Sturm und Regen leidet und immer wieder Eichenschindeln losgerissen werden. Rekonstruktion und Anbau der Galerie stehen als nächstes auf dem Plan. Dafür ist allerdings eine Baugenehmigung erforderlich. Diese Genehmigung war bereits erteilt worden. Doch es kam zu einem formalen Versäumnis. Folge: Die Baugenehmigung verfiel und musste erneut beantragt werden.

Für diese zweite Genehmigung liegen inzwischen alle benötigten Unterlagen vor, teilte auf Anfrage unserer Zeitung Denkmalpfleger Henrik Gram nach Rücksprache mit seinen Kollegen von der Bauordnung mit. Mit einer Ausnahme: Der Abstand zum Nachbarn ist formal zu gering. Hier muss noch ein Sachverständiger bestätigen, dass es damit keine Probleme gibt. In der Nachbarschaft steht ein gemauertes Haus, mit Ziegeln gedeckt. Die Windmühle steht seit Jahrzehnten am selben Platz – wo ist das Problem?

Dieser Nachweis sei Bestandteil einer jeden Baugenehmigung, erläutert Henrik Gram. Der Denkmalpfleger geht davon aus, dass es sich hier „um eine Formsache“ handelt. Natürlich habe sich die Abstandssituation um die Mühle herum nicht verändert. Dass die vorgeschriebenen Abstände nicht erreicht werden, sei in den Flenburger Altstadtgebieten gang und gäbe. Trotzdem würden die Baugenehmigungen erteilt. Hier handele es sich um eine Formalie. Die Bauordnung im Rathaus habe bereits einen Sachverständigen beauftragt, deutet Gram die positive weitere Entwicklung aus Sicht der Verwaltung an.

Helmut Urbschat hat in seiner Familie und unter Bekannten Tischler, die die Galerie anfertigen können. Dann haben die Handwerker auch eine Plattform, um die Außenhaut der Mühle zu reparieren.

Und was kann eines Tages aus der Mühle werden? Helmut Urbschat unterstützt gerne Künstler. In diese Richtung gehen auch seine Gedanken zur Zukunft der Mühle. „Der Eigentümer könnte daraus eine Stätte für Kunst und Kultur machen. „Denkbar wäre das Gebäude als Platz für einen Bildhauer, die Einrichtung eines Ateliers sei machbar. Wohnungen, wie sie vor Jahren diskutiert worden waren? „Auf gar keinen Fall“, sagt Urbschat. Und für eine funktionsfähige Mühle mit allen Innereien sei der Aufwand zu groß. „Aber jetzt hoffe ich zunächst auf die Genehmigung aus dem Rathaus.“

 

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