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Flensburger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 01:41 Uhr

Ein Leben für den Sport

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Reinhard Husen organisiert mit seiner Familie und seinen Freunden seit 1987 Leichtathletik-Wettkämpfe / Morgen erhält er den „Fördefuchs“

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2015 | 14:59 Uhr

Ein Leben ohne den Sport wäre für Reinhard Husen keines. „Ich habe mein Leben lang Sport gemacht. Als Kind habe ich Fußball gespielt.“ Heute ist der pensionierte Oberamtsrat der Bundeswehr für seinen Ostseeman in Glücksburg bekannt – unter Triathleten ist die Großveranstaltung weltweit ein Begriff. Am morgigen Sonntag wird Reinhard Husen (71) für sein langjähriges Engagement geehrt. Der Arbeitgeberverband will dem Ausdauersportler, Initiator und Organisator den Fördefuchs überreichen.

Zielstrebigkeit, Entscheidungsfreude, Überzeugungskraft, positives Denken und vieles andere zeichnen den Glücksburger aus. Der gebürtige Neumünsteraner besucht an seinem Heimatort die Volksschule, erlernt den Beruf des Elektrikers und beweist Durchhaltevermögen auch außerhalb des Sports. In Abendkursen drückt der junge Mann erneut die Schulbank und macht das Abitur. Während die anderen feierten, hätte er gebüffelt, sagt Husen am heimischen Esszimmertisch sitzend.

Das Esszimmer ist Teil eines großzügigen, hell gestalteten Wohnraumes mit großen Fenstern. Der Blick kann über Terrasse und Garten hinweg bis nach Rüde wandern. Im Garten umgeben Beete und Büsche den Rasen, unterbrechen die grüne Fläche und säumen eine Wasserstelle mit Steg. Reinhard Husen und seine Frau Ursel (69) pflegen ihr Grünod selbst. „Das ist Entspannung für mich“, sagt der Glücksburger. „Ich muss immer etwas zu tun haben.“ Doch, er könne auch in Ruhe auf der Terrasse sitzen, aber zeitlich wohl eher begrenzt.

Nach dem Abitur absolviert Reinhard Husen zwei Jahre bei der Bundeswehr. Dort fertig, beginnt der 22-Jährige 1966 Elektrotechnik in Kiel zu studieren. Das Studium schließt Husen erfolgreich ab und findet als Diplom-Ingenieur bei der Bundeswehr seine erste Anstellung. Er arbeitet bei der Marine in Hamburg in der Qualitätsprüfung. Die Facette der zu testenden Elektronikteile ist weit und reicht von Instrumenten in Flugzeugen bis zu Teilen in Unterseebooten, die bei HDW (Howaldtswerke-Deutsche Werft) in Kiel entstehen. Husen ist Beamter mit dem Drang, weiterzukommen. „Als Amtmann bin ich nach Kappeln gegangen und habe als Lehrer Elektrotechnik und Mathematik unterrichtet.“ Sein damaliger Kommandeur eröffnet ihm die Extremsport-Welt. „In der Sauna hat er mir von Biehl, dem Mekka für Extremläufer in der Hochschweiz erzählt und eingeladen, mitzukommen.“ Gesagt, getan. Husen absolviert 1978 seinen ersten 100-Kilometer-Lauf. Da hat er an einem Marathon, geschweige denn Triathlon noch gar nicht teilgenommen. Husen: „Der Ausdauersport war für meine Muskulatur das Richtige.“

Insgesamt nimmt Husen 36 mal an 100-Kilometer-Läufen teil. Allein in Biehl tritt er zehn mal an und finisht jedes Mal. „Ich habe in meinem Leben bei keinem einzigen Wettkampf aufgegeben.“ Das könnten nicht allzu viele Sportler von sich sagen.

In der aktiven Zeit trainiert Husen mindestens zweimal täglich. Morgens Strecke, mittags Schnelligkeit und abends vielleicht auch noch einmal. „Der Sport war für mich eine Kompenente im Leben wie Essen und Trinken“, sagt der Glücksburger.

1983 lässt sich Husen freiwillig nach Flensburg versetzen. „Dort habe ich acht Jahre lang an der Fernmeldeschule (heute der Schule für strategische Aufklärung) unterrichtet.“ Privat richten er, seine Frau Ursel und Sohn Torsten sich in Glücksburg häuslich ein. Die Familie baut im damaligen Neubaugebiet und genießt die sporttaugliche Umgebung. Mit anderen Laufbegeisterten macht der Familienvater jeden Morgen um 6 Uhr Strecke. Die Gruppe kommt beim TSV 09 unter. Mit Karl-Heinz Niedrich eröffnet Husen die Langlaufsparte. „Damals lag die Leichtathletiksparte völlig brach.“ Die Ausdauersportler machen sich einen Namen in Schleswig-Holstein. „Wenn wir mit unseren grünen Hosen kamen, wurden andere nervös“, erinnert sich Husen.

1987 bittet das Team zum ersten Fördelauf nach Glücksburg. Die Veranstaltung kommt an und hat in den besten Jahren mehr als 800 Teilnehmer. „Ich bin stolz auf das Team, mit dem ich über die Jahre Sport betrieben habe und das die sportlichen Aktivitäten mitgetragen hat.“

Husen und seine Freunde sind organisatorisch wie sportlich in Hochform. „Jeder von uns lief einen Marathon unter 3 Stunden.“, sagt er. Reinhard Husen selbst kommt in seiner Spitzenzeit auf 2:45,45 Stunden und läuft nach eigener Aussage innerhalb eines Jahres zwei 100-Kilometer-Läufe und zwei Marathons – und das in mehreren Jahren. Am Ende seiner aktiven Ära zählt Husen 76 Marathons auf seiner persönlichen Liste.

Das Training braucht Zeit. Jahrein, jahraus um 7.30 Uhr mit dem Dienst zu beginnen, ist für den Dauerläufer keine Option mehr. Der Ausdauersportler nutzt die Gelegenheit und wechselt als Technischer Leiter in den Führungsbunker der Marine (MOC) in Glücksburg-Meierwik. Der umtriebige Sportler genießt die Jahre, in denen er im Team arbeiten und seine Kenntnisse der Personalführung anwenden kann.

2002 will es die glückliche Fügung, dass der damalige Kommandeur Husen zufolge „ein offenes Ohr für den Triathlon hatte“. Und so organisiert Husen mit seinen Freunden den ersten Triathlon in Glücksburg. Als Grundlage dient die Militär-Challenge, die auch heute noch Teil des Ostseemans ist. Trotz Schlecht-Wetter-Starts und viel zu kalter See, kommen viele der 100 Triathleten wieder und treiben das Organisationsteam um Husen mit seinen zahlreichen Helfern Jahr für Jahr zu Höchstleistung an. Zwei Laufveranstaltungen sind dann doch eine zu viel. Bevor Husen 2007 als Oberamtsrat pensioniert wird, legt er den Fördelauf in andere Hände.

2015 feiern Ursel und Reinhard Husen ein bedeutendes Ehejubiläum. Die beiden lernen sich in jungen Jahren in einer Neumünsteraner Disco kennen. Ein Jahr lang zog Ursel mit Reinhard während dessen Inspektorenanwärterzeit durch Deutschland. „Das verbindet“, sagen beide, und es hilft durch so manches Ehetal hindurch. Ursel Husen arbeitet als Krankenschwester und fördert die sportlichen Ambitionen ihrer Familie: „Entweder sie gehen mit oder sie ziehen die Konsequenz.“ Husen weiß, dass seine Leistung ohne die Hilfe seiner Frau nicht möglich ist: „Wir können uns hundertprozentig aufeinander verlassen.“ Ähnliches sagt Husen über seine Freunde und die vielen Helfer. „Wir sind als Team nicht nur ausdauernd, sondern auch verlässlich. Das ist unser Markenzeichen.“

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