zur Navigation springen

Westerholz : Ein Landwirt bangt um seinen Besitz

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Werner Sallach ist Landbesitzer an der Steilküste: „Umweltschutz-Bestimmungen sind eine Konfiszierung meines Eigentums“.

Westerholz | Werner Sallach legt Wert auf die Feststellung, dass zu seinen Ländereien in Dollerupholz nicht nur Felder gehören, sondern auch ein Stück Steilküste mit Strand und sogar ein wenig Ostsee – eingetragen im Grundbuch. Doch der 78-Jährige macht sich Sorgen um sein Land. Denn es schrumpft langsam aber sicher. „Die Ostsee lutscht an der Küste“, sagt der 78-jährige ehemalige Landwirt.

Dass er sich als Eigentümer von Grund und Boden in dieser speziellen Lage mit der Natur arrangieren muss, weiß er schon seit Kindertagen. Er ist hier aufgewachsen, und seine Familie hat hier zehn Generationen lang Ackerbau betrieben. Aber auch wenn Werner Sallach seine Felder inzwischen verpachtet und seinen Hof zu Wohngebäuden umgebaut und vermietet hat – die Verbundenheit steckt in seinen Genen. Und weil er immer noch mit Leib und Seele Landwirt ist, regt er sich eben auf, wenn er meint, dass ihm jemand reinreden will.

Sein Zorn richtete sich aktuell gegen das Umweltministerium und gegen den Geologen Dr. Klaus Schwarzer von der Uni Kiel. Der hatte vor wenigen Tagen gesagt, angesprochen auf die massiven Steilküsten-Abbrüche südlich von Eckernförde, es handle sich um einen natürlichen Prozess, in den bewusst nicht eingegriffen werde. Schließlich tauche alles an anderer Stelle wieder auf, was entlang der Steilküste abgetragen werde.

Diese Äußerung findet Werner Sallach weder witzig noch hilfreich. Theoretisch habe der Wissenschaftler ja recht – aber was nütze es ihm als Landbesitzer, wenn sein Boden weggespült wird und anderswo landet. Der alte Landwirt steht an seinem Strandabschnitt, über ihm ragt die Steilküste 25 Meter in die Höhe. Mit dem Finger deutet hinaus auf die Ostsee in Richtung Dänemark. „Von da kommt der Alsenstrom – ein Teil davon ist genau auf meinen Strandabschnitt gerichtet und nagt an der Steilküste.“ Gegen die Natur, da ist sich Sallach mit seinem Nachbarn Andreas Nielsen einig, der nicht weit entfernt Felder am Wasser beackert, kann und will er nichts tun. Aber er versteht nicht, warum er nicht einmal die teilweise großen Bäume auf den Stock setzen darf, die an der Steilküste wachsen. „Wenn man die rechtzeitig kappt, könnte man größere Abbrüche zumindest verzögern“, ist er überzeugt. „Das Gewicht der Kronen und Stämme trägt dazu bei, dass immer wieder gewaltige Stücke aus dem Steilhang gerissen werden. Eingriffe aber, das macht Joschka Knuth als stellvertretender Pressesprecher des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums deutlich, soll es nicht geben. „Im Hinblick auf das übergreifende Ziel des Küstenschutzes an der Ostsee ergreift das Land regelmäßig keine Maßnahmen, mit denen die Abbrüche an Steilufern verhindert werden. Vor diesem Hintergrund werden auch Genehmigungen zur Errichtung von Anlagen, die Steiluferabbrüche verhindern, regelmäßig nur unter sehr engen Voraussetzungen erteilt“, schreibt er in einer Stellungnahme. Das heißt: Die Natur hat freie Hand – und das ist auch gut so.

Das gilt auch für die Reste der Buhnen aus gewaltigen Felsblöcken, die den Strandabschnitt von Werner Sallach seit fast 200 Jahren zumindest ein wenig vor der starken Strömung schützen. Sallachs Idee: „Die Buhnen sollten wieder hergerichtet werden, aber es ist ja offenbar genau das Gegenteil gewollt.“ Sallach spricht von einer „Quasi-Konfiszierung“ seiner Steilküsten-, Strand- und Gewässerflächen, die rund 1,2 Hektar umfassen.

Was den Landwirt besonders beunruhigt, sind die Auswirkungen der behördlichen Bestimmungen auf seine Felder oberhalb der Steilküste. „Das wird immer weniger“, sagt er. Und Nachbar Andreas Nielsen ergänzt aus der Erinnerung an seine Kindheit: „Seit damals hat sich die Abbruchkante mindestens zehn Meter in Richtung Inland verlagert.“ Für Sallach ein Verlust von Ackerfläche, der zwar durch die Natur verursacht wurde, seiner Meinung nach aber zumindest verlangsamt werden könnte. Überhaupt kein Verständnis hat er für mögliche weitere Verschärfungen der Bestimmungen, die er auf sich zukommen sieht, weil Strand und Steilküste offiziell besonders geschützt sind. „Es gibt neue und härtere Richtlinien über den Mindestabstand zur Abbruchkante. Das könnte bedeuten, dass unser Feld oben noch weiter beschränkt wird.“

Sorge um seine vermieteten Wohnung muss er allerdings nicht haben – die liegen noch mehr als 100 Meter von der Abbruchkante entfernt. Dass es noch viele Jahrzehnte dauern, wird, ehe sie in Absturzgefahr geraten, kann Werner Sallach allerdings nicht beruhigen.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Apr.2017 | 10:39 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen