Ein Kunstwerk aus der Renaissance

Eine Besonderheit: Von der  Kirche aus können Besucher über die Ostsee bis nach Dänemark blicken. Foto: video-kopter.de
Eine Besonderheit: Von der Kirche aus können Besucher über die Ostsee bis nach Dänemark blicken. Foto: video-kopter.de

Die fünfte Folge unserer Serie führt an die Küste nach Neukirchen / Die Kirche am Strand fällt durch weiße Mauern und ein rotes Dach auf

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23. Juli 2013, 03:59 Uhr

Steinbergkirche | Die Kirche zu Neukirchen ist eines der am schönsten gelegenen Bauwerke. Sie wurde direkt am Ostseestrand, unmittelbar am Steilufer errichtet. Eine jahrhundertealte Feldsteinmauer umgibt den kleinen Friedhof. Das sogenannte Kirchlein am Strand ist die einzige Renaissance-Kirche in der Region. Der Herzog von Glücksburg ließ sie 1621 errichten, um mit dem reichen Flensburg im Seehandel zu konkurrieren. Ursprünglich wollte der Herzog im damaligen Neukirchen einen Hafen bauen; der Plan ging aber nicht auf, doch das von ihm entworfene Straßendorf samt Gotteshaus ist geblieben.

Das Kirchlein ist mit seinen weißen Mauern ein schlichter Backsteinbau mit rechteckigem Chor, vierkantigem Westturm und einem später angebauten Vorhaus von 1793. Der Turm wurde 1837 mit Zement verputzt.

Der Innenraum ist einfach gestaltet und hat eine hölzerne Decke. Zunächst fällt der dreiflügelige Altar mit einem Abendmahlsbild und den gold bemalten Einsetzungsworten zum Heiligen Abend auf plattdeutsch auf. Die beiden Flügel zeigen reliefplastische Figuren: Salvator, Johannes der Täufer und neun Apostel. Küster Christian Carstensen erzählt: "Auf dem Bild in der Mitte war ein Brotkorb zu sehen. Während der Sanierung in den 1960er Jahren nahmen die Handwerker jedoch die Farbschicht ab und legten so ein Passahlamm frei." Warum dieses symbolträchtige Lamm jedoch von dem Brotkorb ersetzt wurde, konnte Carstensen nicht sagen.

Die große Kanzel, ein wertvolles Werk, wurde 1717 aus der Glücksburger Schlosskirche nach Neukirchen gebracht. Der Sonderburger Schnitzer Nils Taxsen hat sie gestaltet.

Im oberen Bereich des Torbogens, der in den Altarraum führt, befinden sich die Plastiken von Maria und Johannes unter dem Triumphkreuz mit Christus. Der Taufstein aus schwedischem Granit fand im Zuge der letzten Renovierung im Jahre 1967 seinen Platz. Über der Taufe hängt ein sechsseitiger Taufdeckel aus dem 17. Jahrhundert. Die Taufschüssel wurde laut Inschrift 1660 gestiftet. Die kleine moderne Orgel stammt aus der Kieler Werkstatt Paschen. Sie ist bislang der jüngste Kunstschatz des Kirchen-Innenraums.

Weitere Informationen zum Kirchlein am Strand und zu anderen Gotteshäusern unserer Serie gibt es im Buch "KirchenLeben" von Pastor Reinhart Pawelitzki. Das Werk ist nach wie vor über die Gemeinden im Kirchenkreis zum Preis von fünf Euro erhältlich, allerdings nicht mehr im Buchhandel.

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