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Zeitung in Flensburg : Ein Kunst-Projekt für das Gedruckte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ausstellung „m3“ von Uwe Appold und Stephan Richter in der Hochschulbibliothek auf dem Campus / Michael Schirner bei der Eröffnung

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 10:55 Uhr

Im Foyer des Erdgeschosses zieht der Stern-Titel mit den Hitler-Tagebüchern vom April 1983 die Blicke auf sich. Im ersten Stock kommt man an der Bild-Ausgabe mit der Gegendarstellung von Heide Simonis auf der Titelseite als Aufmacher nicht vorbei. „Konfrontation mit dem Gedruckten“ ist der Untertitel einer ebenso sehenswerten und wie anspruchsvollen Ausstellung des Künstlers Uwe Appold und des Journalisten Stephan Richter, die bis 5. November in der Zentralen Hochschulbibliothek auf dem Campus zu sehen ist.

Denn der Betrachter wird hier mit der Fülle gedruckter Medien aus vielen Epochen konfrontiert, wobei der Schwerpunkt ganz klar auf der Tageszeitung liegt. Das ist kein Zufall. Richter, vor seiner Pensionierung langjähriger Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, hat zeit seines Lebens Zeitungen gesammelt. Aus seinem Fundus stammen die Ausgaben, die – von Appold verfremdet, ergänzt und kommentiert – in der Ausstellung zu sehen sind; diese war zuvor schon in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung und im Haus der Presse in Berlin gezeigt worden. Weitere Ausstellungsorte sind in Planung.

Für Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar haben die Medien eine enorm hohe Bedeutung: „Die Qualität der Demokratie ist stark von der Qualität der Medien abhängig.“ Krätzschmar hat die Schirmherrschaft übernommen, weil sie nach wie vor an das auf Papier gedruckte Wort glaubt. Die unübersichtliche Vielfalt digitaler Medien versetze die Menschen in Stresssituationen. Inhalte würden verdrängt von Unterhaltung.

Besonders in der deutsch-dänischen Grenzregion hätten die Mmedien eine hohe Verantwortung, sagte Stephan Richter bei der Vorstellung des Projektes mit dem Titel „m3“. Die drei m stehen für Medien – Message – Massage. Da ist der Gedanke schnell bei Marshall McLuhan und seinem Satz „The medium is the message“ – durch einen Setzfehler, der auf McLuhans Wunsch nicht korrigiert wurde, wurde im Titel seines Buches aus der Message eine Massage. Das mache Sinn, so Krätzschmar, denn die Beschäftigung mit dem Thema komme einer Massage für Geist, Herz und Sinne gleich.

„U-Boote und Flieger treffen England“ titelten die Flensburger Nachrichten am 10. Juli 1940; Appold hat die Titelseite mit einem blutenden Einschussloch versehen. Krieg, vor allem die Jahre 1914 bis 1918, bilden einen Schwerpunkt – zu sehen ist eine Ausgabe von „Der Champagne-Kamerad. Feldzeitung der 3. Armee“. Auch die Nazi-Zeit und die entsprechende Berichterstattung gleichgeschalteter Organe wie der „Völkische Beobachter“ wird dargestellt und kommentiert, vor allem im aufwendig gestalteten, 170-seitigen Katalog. Jedes Exponat hat eine von Appold gestaltete Rückseite; hinter der Bild-Doppelseite sind die „alten Hüte“ der Heide Simonis zu sehen. Dianas Tod wird in einer Collage mit dem Foto des Autowracks verdichtet. Dem Künstler Appold geht es um die „Botschaft hinter der Botschaft“ – das kann und soll man hier gern im doppelten Wortsinne verstehen. Clou am Rande: Die Rahmen hat Stephan Richter eigenhändig gefertigt. Appold hat sie gestaltet und verfremdet – etwa mit angedeuteten blutigen Wundverbänden und den früheren Nationalfarben Schwarz-weiß-rot für eine Seite der „Deutschen Kriegszeitung“ von 1914.

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