Lagergebäude am Holm : Ein Kulturdenkmal wird abgerissen

Zur Straße Reismühlenhof hin gelegen, entstand 1908 das viergeschossige Werkstatt- und Lagergebäude in gelbem Ziegel und mit Metallsprossenfenstern.
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Zur Straße Reismühlenhof hin gelegen, entstand 1908 das viergeschossige Werkstatt- und Lagergebäude in gelbem Ziegel und mit Metallsprossenfenstern.

Ein 106 Jahre altes Lagergebäude soll aus der Flensburger Altstadt verschwinden. Die Nachnutzung ist laut Eigentümer noch offen.

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18. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Das Haus ist in die Jahre gekommen – der Zahn der Zeit hat nimmermüde an ihm genagt. Das alte Lagergebäude Holm 53 soll deshalb abgerissen werden. Zum Leidwesen von Mietern und Gewerbetreibenden im unmittelbar angrenzenden Käte-Lassen-Hof. Sie sind in Sorge, dass ihre zum Süden hin liegenden Gebäude beschädigt werden könnten. „Wir sind zwar nur peripher betroffen“, sagt Julius Demant, Inhaber der Lichtbildnerei, „aber wer weiß, was das für die Statik unserer Häuser bedeutet?“

In der Tat scheint diese Sorge berechtigt. Denn die Bausubstanz des Käte-Lassen-Hofes mit dem Geburtsjahr 1879, dessen Immobilien sich noch immer in Familienbesitz befinden, ist auch nicht mehr ganz taufrisch. „Wir leben Wand an Wand mit dem Gebäude“, sagt Walburga Jäger, die in dem Hof einen Hutladen betreibt. Auch sie befürchtet, dass die Stabilität des Ensembles leiden könnte. „Das ist beängstigend.“ Sie verweist zudem darauf, dass es sich hier um ein ehemaliges Sumpfgebiet handele. „Das ist bis heute spürbar, das Grundwasser im Hof muss regelmäßig abgepumpt werden.“ Laut Experten hat der Bau der Flensburg-Galerie durch riesige Erdbewegungen veränderte Wasserläufe hervorgerufen. Es gebe erhebliche Verwerfungen im Untergrund, die an übereinander liegende Eisschollen in der Antarktis erinnerten.

Der, wie Walburga Jürgensen es plastisch formuliert, „Schwabbelgrund“, eine künftig drohende Einsturzgefahr und der Jahrzehnte andauernde Leerstand sind dafür verantwortlich, dass die Eigentümerin, die DIAG (Deutsche Immobilien AG) nunmehr den Abriss konkret ins Auge fasst. „Eine vernünftige Nutzung ist nicht mehr möglich, die Substanz nicht zu erhalten“, sagt Geschäftsführer Gerd Hansen. Er will mit den Arbeiten Anfang März beginnen und sie noch im gleichen Monat abschließen. Neun Stellplätze zum Reismühlenhof hin sind für diesen Zeitraum bereits gekündigt. Sorge um die Statik hält Hansen für unbegründet. „Es wird kein Bagger anrücken“, versichert er. Das Haus soll nach Planungen eines Ingenieurbüros Stein für Stein manuell abgetragen werden, um die Nachbargebäude zu schützen. Und danach? „Die künftige Nutzung“, versichert Hansen, „ist noch völlig offen.“

Den Segen der Stadt und des Denkmalschutzes haben die Investoren, obwohl die gesamte Hofanlage in der Denkmaltopographie von 2001 als Kulturdenkmal geführt wird. „Wir werden nicht intervenieren“, sagt der stellvertretende Fachbereichsleiter Eiko Wenzel. Zwar wurde 2010 ein Abbruchantrag für das Gebäude auf der Grundlage der dort bestehenden Erhaltungssatzung versagt. „Die erneute Besichtigung des Gebäudes im letzten Monat aber brachte niederschmetternde Erkenntnisse.“ Sie habe gezeigt, dass das Haus nicht zu retten, eine Sanierung nicht möglich sei. „Die Schäden sind offensichtlich durch erhebliche Veränderungen im Baugrund entstanden.“

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