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Heinz-Werner Jezewski : Ein Krimi-Autor und Vegetarier will in den Bundestag

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Heinz-Werner Jezewski ist Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 1. Der gelernte Industrie-Elektriker und heutiger Schriftsteller war auch schon mal Hartz-IV-Bezieher.

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erstellt am 10.Sep.2013 | 07:00 Uhr

Krimi-Autor und VegetarierDie Direkt-Kandidaten in Wahlkreis 1: Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) ist für Mindestlohn und einen Tunnel unter dem Nord-Ostsee-KanalFlensburg/Schleswig Wer wird Nachfolger von Wolfgang Börnsen als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis 1 Flensburg/Schleswig? Unsere Zeitung stellt die Kandidaten ab heute vor. Zum Start: Heinz-Werner Jezewski (Die Linke).

Die politische Überzeugung ist ihm quasi in die Wiege gelegt worden: Heinz-Werner Jezewski, Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 1 bei der Bundestagswahl, hat bei Thyssen in Duisburg Industrie-Elektriker gelernt. „Da lag der Aufnahmeantrag der Gewerkschaft gleich neben dem Ausbildungsvertrag zur Unterschrift“, sagt er mit einem nostalgischen Augenzwinkern. „Alle meine Verwandten waren in der SPD, nur mein Opa nicht, der war Kommunist.“

Jezewski, 55, hat zwar erst seit 2008 ein politisches Mandat, ist aber dennoch in Flensburg und in Schleswig-Holstein ein etablierter Politiker. In seine fünfjährige Tätigkeit als Ratsvertreter in der Fördestadt fiel das dreijährige Intermezzo als Mitglied der Landtagsfraktion der Linken von 2009 bis 2012. Und jetzt will er in den Bundestag.

„Da fallen die ganz großen Entscheidungen, die für die Menschen vor Ort wichtig sind“, sagt der Flensburger, der schon als junger Mann in den Norden kam: „Die soziale Gestaltung der Energiewende, die Länderfinanzen, das Renteneintrittsalter, der Mindestlohn.“ Seine Überzeugung: „Einer der 45 Jahre gearbeitet hat, muss abschlagsfrei in Rente gehen können.“ Wer länger arbeiten möchte, soll die Möglichkeit haben. Natürlich ist er für einen gesetzlichen Mindestlohn; der liegt bei den Linken bei zehn Euro. „Das sind dann 1600 brutto oder 1100 netto“, rechnet er vor. Davon könne man nur schwer eine Familie ernähren.

Die Energiewende hängt für den Flensburger Ratsherrn eng mit der sozialen Thematik zusammen. „Die Umlage für die erneuerbaren Energien muss so gestaltet werden, dass damit die Energiewende finanziert werden kann. Doch der Hartz-IV-Empfänger muss einen realistischen Betrag  zur Finanzierung seiner Stromrechnung bekommen.“ Total wichtig seien aber vor allem weitere Maßnahmen zum Einsparen von Energie, ohne dass es zu Lasten der Lebensqualität gehe. „Da erwarte ich etwas mehr Fantasie von den Politikern.“ Einen kreativen Vorschlag hat er zum Thema Netzausbau: „Warum kommen die energieintensiven Betriebe nicht dahin, wo der Strom produziert wird – also zum Beispiel nach Dithmarschen?“

Von Fantasie versteht der Linken-Politiker etwas, der als Beruf Schriftsteller angibt. Er hat unter Pseudonym Krimis und historische Romane geschrieben. Derzeit arbeitet er an einem Helgoland-Krimi, von dem er sich vorstellen kann, dass er an Bord der Fähre an die Passagiere verkauft wird. Als Journalist schreibt er freiberuflich für das Neue Deutschland und die Junge Welt.

In Sachen Infrastruktur ist ihm die Bahnanbindung des Nordens mindestens so wichtig wie die Autobahn. Deshalb schwebt ihm ein kombinierter Schienen-Straßen-Tunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal vor. „Es kann doch nicht angehen, dass wir mit dem Zug heute länger nach Hamburg brauchen als vor 100 Jahren“, spitzt er das Problem zu.

Doch auch der lokale und regionale Busverkehr ist für Jezewski ein bundespolitisches Thema. „Wir müssen den ÖPNV im Kreis Schleswig-Flensburg vernünftig regeln“, und das müssen aus seiner Sicht Bund und Land durch entsprechende Fördergelder ermöglichen. „Oder wir finden uns damit ab, dass die Fläche verödet.“

Ein Thema, mit dem er in seiner Partei nicht wirklich durchdringt, ist der Tierschutz in der industrialisierten Landwirtschaft, zum Beispiel der Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung. „Ich bin zwar seit einigen Jahren Vegetarier, doch das Thema beschäftigt mich trotzdem sehr." Nächste Folge: Nadine Lindenberg (Piraten). Am Dienstag, 17. September, lädt unsere Zeitung die Direktkandidaten ab 18.30 Uhr zur Diskussion in die Flensburger  Phänomenta. Der Eintritt ist frei.

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