Flensburger Klinikenverbund formiert sich : Ein Krankenhaus, zwei Träger

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„Fusion wäre voller Risiken“: Malteser und Diakonissenanstalt wollen ihre Eigenständigkeit unter dem gemeinsamen Dach behalten

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08. Januar 2018, 06:00 Uhr

Es wird noch viel Wasser die Peelwatt herunter fließen, bevor im neuen Zentralklinikum der erste Patient eingeliefert wird. Bis dahin wird das Krankenhaus auch einen Namen haben. Und einen Direktor – oder besser zwei. Denn obwohl sich die beiden bestehenden Krankenhäuser – die evangelische Diakonissenanstalt und das katholische Franziskus-Hospital – auf den Bau eines gemeinsamen Krankenhauses geeinigt haben, wollen sie keine gemeinsame Trägergesellschaft, sondern die Klinik mit einer doppelten Trägerschaft betreiben.

Klaus Deitmaring, Geschäftsführer des Franziskus-Hospitals, spricht von einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Eine Fusion beider Träger zu einer Gesellschaft hingegen wäre „voller Risiken“. Man wolle nicht zuletzt „Unruhe bei den Mitarbeitern“ vermeiden, ergänzt Wolfgang Boten, Rektor der Diako. Man müsse den Mitarbeitern „ein verlässlicher Partner“ bleiben, mahnt Franz Graf von Harnoncourt, Geschäftsführer der Malteser Deutschland. Für den Patienten sei die Ausgestaltung der Trägerschaft nicht entscheidend, betont Boten.

„Wie kommt der Klinikverbund in die nächste Ebene?“ Dies sei die Ausgangsfrage, die man beantworten müsse, so Harnoncourt. Eine entscheidende Frage sei, wie man die Medizin organisiert. Die Leitungen beider Häuser sehen bei der doppelten Trägerschaft keine Probleme, die durch unterschiedliche Abrechnungssysteme oder Tarife entstehen könnten. Sowohl die Chefärzte als auch Sozialminister Heiner Garg trügen dieses Modell mit.

In diesem Jahr gehe es darum, die Baureife für das gewählte Gelände zu erlangen, so Deitmaring. „Das ist die größte Aufgabe für 2018. Die Stadt unterstützt uns dabei extrem.“ Der Bebauungsplan, den man sich für Ende des Jahres erhoffe, werde nicht zuletzt den genauen Standort des Krankenhauses, des Parkhauses und weiterer Gebäude festlegen, erläutert Martin Wilde, kaufmännischer Direktor der Diako.

„Bauherren sind wir“, bekräftigt Deitmaring. Man werde eine Besitzgesellschaft gründen und eine „Errichtungsgesellschaft“. Im Zuge der vorbereitenden Planungen gehe es nicht zuletzt um Fragen des Lärmschutzes, um die Beschaffenheit des Untergrunds, um die mögliche Höhe des Gebäudes. „Eine eigene Abfahrt von der Osttangente zur Klinik wäre charmant“, hofft Deitmaring. Die ist seitens der Stadt bisher nicht geplant. Sie dürfe aber keinesfalls die Gesamtplanung „um Jahre zurückwerfen“, so der Franziskus-Leiter.

Später gehe es dann um das eigentliche Gebäude und das Raumprogramm. Dabei sei die „interne Flexibilität“ des Gebäudes von großer Bedeutung, betont Deitmaring. Zu berücksichtigen sei, dass sich die Medizin derzeit durch die Digitalisierung stark verändere, ergänzt Harnoncourt. Wenn das neue Krankenhaus – nach derzeitigem Stand ist eine Fertigstellung für 2025 im Gespräch – fertig ist, werde es das „modernste Krankenhaus in Schleswig-Holstein sein“, so Boten.

Die Neubauplanungen bedeuten nicht, dass in und an den Bestandsgebäuden nun nichts mehr passiere, erklärt Manfred Wilde. „Die laufenden Modernisierungen gehen weiter.“ Das betreffe unter anderem die Verbesserung des Betten-Bäder-Schlüssels, also die Zahl der Bäder in Relation zu den Betten.

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