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Band „Aalkreih“ : Ein Kormoran, der Plattdeutsch kann

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Band „Aalkreih“ hat am Sonnabend ihre erste „richtige“ CD vorgestellt.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Flensburg | „Die ersten drei bis vier Proben klangen grauenhaft – Katzenmusik!“, erinnert sich Birger Scholz, der Basser. „Wir hatten kein Gefühl für leise Musik“, ergänzt Gerri Christiansen, der Sänger. Das war vor allem ein Problem für Jörg Otto, den Drummer. Der konnte nur laut spielen. Jazzbesen? Was ist das denn? Bei den ersten Proben im Volksbad nahm er stattdessen eine Spülbürste und – weil sie besser klang – eine Klobürste. „Eine unbenutzte!“, versichert Gerri, der im Volksbad arbeitet und weiß, dass fabrikneue Klobürsten zum ständigen Warenvorrat gehören.

Die drei Musiker gehören zu einer jungen Flensburger Band nicht mehr ganz so junger Flensburger Musiker, einer echten Orchidee der Szene. Sie heißt „Aalkreih“, mischt amerikanisch klingende Gitarrenmusik mit plattdeutschen Texten und hat am Sonnabend im ausverkauften Volksbad ihre erste „richtige“ CD vorgestellt; zuvor gab eine Demo-CD, die so erfolgreich war, dass sie vergriffen ist.

Vier der fünf Bandmitglieder haben ihr ganzes Musikerleben Punk gespielt – daher die Probleme mit leiser Musik. „Aber Marvin und ich haben immer auch Country gehört“, sagt Gerri, „und ich hatte einfach keine Lust mehr auf die Lautstärke.“ Nun spielt „Aalkreih“ keine Countryband, sondern bedient sich bei diversen amerikanischen Stilrichtungen, so dass Cuddel Jensen die Genrebezeichnung „Americana“ bemüht. Jensen, Flensburger Blues-Urgestein, spielt eine offen gestimmte Lapsteel-Gitarre, die mit einem Metallrohr gespielt wird und so für den typischen Sound der Band sorgt.

Gerri, der aus Bohmstedt stammt, schreibt die Texte und singt Platt mit nordfriesischem Einschlag; auch Cuddel Jensen hat eine plattdeutsche Vergangenheit mit Wurzeln in Ostangeln. „Jetzt schnacke ich auch mit meinem Vadder platt“, sagt.

Und was bedeutet der Name der Band? Übersetzt heißt er Aalkrähe. „Das ist Mecklenburger Platt , und damit ist der Kormoran gemeint“, so Jensen – die schwarze Krähe, die den Fischern die Aale wegfischt. Und was singt der Kormoran? „Vom Leben auf dem Land, Underdogs, Ausgrenzung“, sagt Gerri, „mit leicht melancholischem Unterton. Keine Liebeslieder, die kann ich nicht.“

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