Ein Kommissar irritiert mit Kunst aus Brot

Kommissar und seine Kunst in Kästen.  Foto: sh:z
Kommissar und seine Kunst in Kästen. Foto: sh:z

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09. August 2012, 06:50 Uhr

flensburg | Sie entstand vor einigen Jahren am Frühstückstisch - die Brotkatze von Kommissar Hjuler. Aus dem Inneren eines Frühstücksbrötchens formte der Flensburger Künstler eine stilisierte Katze. Inzwischen verschickt er sie an Kollegen in aller Welt, die eigene Assemblagen mit ihnen kreieren.

Kommissar Hjuler - ein Künstlername und irgendwie auch nicht. Denn der Flensburger ist im bürgerlichen Leben tatsächlich Polizeibeamter. Dieser kuriose Umstand hat Vor- und Nachteile. "Durch mein sicheres Einkommen, kann ich freier in der Kunst sein." Auf der anderen Seite stößt er gerade in linken Künstlerkreisen häufig auf Ablehnung aufgrund seines Jobs. Auch das Innenministerium setzte sich mit dem kreativen Beamten auseinander, doch das Grundrecht der Kunstfreiheit lässt ihn gewähren. Dass seine Kunst Irritationen hervorruft, versteht der Künstler gut. Begonnen hat alles Ende der 90er Jahre mit experimenteller Musik und Performance. "Unsere Musik kann man eher als Krach bezeichnen." Bis heute brachte Hjuler mit seiner Frau "Mama Bär" 30 Platten heraus. Aus der Gestaltung der Cover ist später Kunst geworden. Die CD "asylum lunaticum" schaffte es schließlich unter die Top 15 der Alben des Jahres 2009 im britischen Musikmagazin "The Wire". Gewalt und Pornographie sind Motive. "Viele werfen uns Gewaltverherrlichung und Frauenfeindlichkeit vor, dabei spiegeln wir nur die Gesellschaft wider." Zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Einflüssen gehört auch ein Projekt, in dem Hjuler mit Pornodarstellerinnen zusammenarbeitete. "Wichtig war mir, dass die Frauen sich sich selbst mit ihrem Beruf und der Kunst auseinander setzen." Seit einigen Jahren haben Kommissar Hjuler und Mama Bär feste Galerievertretungen in den USA und Österreich. 2009 wurden sie in das New Yorker Künstlernetzwerk "No Art Movement" aufgenommen.

Die Brotkatzen-Assemblagen sind lebensnah, auch wenn sich die Bedeutung nicht sofort erschließt. Sie zeigen Alltagssituationen, Gesellschaftskritik oder einfach Dinge, die der Künstler geträumt hat.

Ausstellung: "Brotkatzen" von Kommisar Hjuler bis 9. September in der Galerie "In Kürze Kunst", Norderstraße 135, Mi bis Sa, 14-18 Uhr

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