Filmpremiere "Schändung" : Ein Kino-Erlebnis der besonderen Art

Gemeinsam auf dem roten Teppich: Oberbürgermeister Simon Faber, Darsteller Marco Ilsö, Sara-Sofie Boussnina und Philip Stilling, Filmverleiher Christoph Ott, Christiane Dethleffsen (Schutzengel-Vorsitzende), Co-Produzentin Maria Köpf und Minister Robert Habeck.
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Gemeinsam auf dem roten Teppich: Oberbürgermeister Simon Faber, Darsteller Marco Ilsö, Sara-Sofie Boussnina und Philip Stilling, Filmverleiher Christoph Ott, Christiane Dethleffsen (Schutzengel-Vorsitzende), Co-Produzentin Maria Köpf und Minister Robert Habeck.

Empfang, Filmvorführung und Talkrunde: Die Besucher waren begeistert – und spenden rund 6000 Euro für den Verein „Schutzengel“.

Gunnar Dommasch von
08. Januar 2015, 11:30 Uhr

Der rote Teppich ist ausgerollt. Die Premierengäste der Verfilmung von Jussi Adler-Olsens Krimi „Schändung“ strömen in Scharen in die Kinowelt. Sekt und Smalltalk. Schulrat und „Schutzengel“ Hans Stäcker ist sich nicht zu schade, pikante Currywurst persönlich unters Volk zu bringen. Die Schauspieler Marco Ilsö, Sara-Sofie Boussnina und Philip Stilling sind am Nachmittag aus Kopenhagen angereist und begehrte Gesprächspartner. Filmverleiher Christoph Ott verspricht schon beim Empfang „zwei spannende Stunden“ und weiß zu berichten, dass der Streifen in Dänemark zum erfolgreichsten Film aller Zeiten avanciert ist. Und Umweltminister Robert Habeck parliert ungezwungen mit den Besuchern. Um 19 Uhr geht es in den großen Saal – es ist angerichtet.

Stephan Richter (sh:z) und Christiane Dethleffsen, Vorsitzende des Vereins „Schutzengel “, dem die Einnahmen aus der Veranstaltung – über 6000 Euro – komplett zufließen, begrüßen das Publikum. Sie spricht von „einem ganz großen Kino“ für ihre Einrichtung, deren Arbeit mit jungen Familien an Quantität und Qualität kontinuierlich gewachsen sei. Dafür stehen die inzwischen jeweils 20 ehrenamtlichen und fest angestellten Mitarbeiter. „Wir wollen Väter und Mütter stärken“, sagt Christiane Dethleffsen, „aber sie nicht in Abhängigkeit bringen.“ Einen Einblick in die Arbeit des Vereins gewährt auch ein berührender Kurzfilm von sh:z-Videoredakteur Thomas Heyse. Dann bittet sie „den Landwirtschaftsminister und so weiter...“ auf die Bühne. Habeck nimmt es mit Humor und hebt an zu einer bemerkenswerten, philosophisch angehauchten Rede.

Mit einer Veranstaltung wie dieser, sagt er, werde eine vorbildliche Kulturbrücke nach Dänemark geschlagen. Der Krimi sei ein „faszinierendes Genre“, er zeige insbesondere in Skandinavien zerbrechliche oder zerbrochene Personen – wie eben den Protagonisten Carl Mørck. „Es sind Charaktere, die leiden und am Leben zweifeln. Dinge gehen schief, das Private kann entgleiten.“ Aber gerade das sei ein Motiv, sich für eine bessere Welt, für eine Vision einzusetzen. „Ein Motiv auch für Politiker, sich daran zu orientieren.“

„Schutzengel“ zollte er „den Respekt des Landes für so viel Engagement“. Der Verein sei Vorbild gewesen für eine gleichnamige Landesinitiative. Der Minister schlug den Bogen zu der Vielzahl ehrenamtlicher Aktivitäten in Schleswig-Holstein. „Sie zeigen, was eine Gesellschaft leisten – etwas, was politisch nicht organisiert werden kann.“ Das Publikum möge sich jedoch nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob es einen Zusammenhang gebe zwischen dem Film und der Flensburger Einrichtung. „Wir hätten“, sagte er zur Belustigung der Gäste, „genauso gut den Hobbit zeigen können.“


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