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Kultur-Highlight : Ein Hundemädchen im Schattenland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Pilobolus Dance Theater aus den USA verzaubert und begeistert das Publikum in der Flens-Arena mit dem wunderbaren „Shadowland“.

Das Ende kam viel zu früh. Nach nur etwa 80 intensiven Minuten war Schluss mit Schatten in der Flens-Arena. Doch was die rund 2000 Zuschauer bis dahin gesehen hatten, raubte ihnen zum Teil den Atem und veranlasste sie immer wieder zu spontanem Applaus und zahlreichen „Aaahs“ und „Oohs“.

Über eine halbe Million Zuschauer haben die Produktion „Shadowland“ des US-amerikanischen Pilobolus Dance Theaters bereits gesehen. Es ist zu Recht eine große Erfolgsgeschichte, die das zehnköpfige Ensemble da auf die Bühne zaubert. „Shadowland“ ist zugleich Ballett, Illusionstheater und Schattenspiel, es ist Poesie, Artistik und moderner Tanz mit eigener Musik.

Mehrere Leinwände stehen auf der Bühne, eine besonders große hängt über der Bühne und kann herunter gelassen werden. Das machen die Tänzer selbst, auch die Lichtquellen im Bühnenhintergrund bewegen sie eigenhändig. Vor der Leinwand wird die „Realität“ dargestellt, dahinter im Schattenreich liegt die Traumwelt. Es gibt keine klare Trennung; die Zuschauer, die an den Längsseiten sitzen, können leicht hinter die Leinwand schauen und sehen, wie die Tänzer sich dort verbiegen müssen, damit sie genau den Schatten werfen, der von vorn wie eine Blume, ein Krebs, ein Elefant oder eine Burg aussieht. Es ist phantastisch, wie die Tänzer ihre elastischen Körper zusammenfügen, sodass ihr Schatten zum Beispiel einen Elefanten ergeben oder die Silhouette eines Autos.

Natürlich wird eine Geschichte erzählt. Ein Mädchen träumt sich in die geheimnisvolle Fabelwelt hinein, um dem Alltag zu entfliehen. Eine riesige Hand nähert sich von oben, ergreift sie und verwandelt sie in einen Hund, der schwanzwedelnd auf dem Rücken liegt, die große Hand leckt und mit den Ohren wackelt. Kurz danach ist sie wieder das Mädchen im Rock – aber mit Hundekopf. Jetzt ist die Titelfigur „Dog Girl“ geboren.

Die muss sich mit wilden Kannibalen herumschlagen, begegnet verschiedenen Tieren und einem feschen Cowboy, der sie in seinem Auto mitnimmt. Phantastisch, wie die Tänzer das als Schattenspiel umsetzen. Wenn Dog Girl den Kopf aus dem Fenster steckt, flattern die Ohren im Wind.

Durch geschickte Variation des Abstands zwischen Lichtquelle und Leinwand spielen die Akteure mit den Größenverhältnissen. Indem sie nach hinten auf den Scheinwerfer zu springen, scheinen sie riesengroß dem Publikum entgegen zu fliegen. Das Auto wird zum fahrenden Auto, indem Bäume und Straßenschilder immer wieder über die Lichtquelle gewischt werden; auf der Leinwand sieht es aus, als würde das Auto rasend schnell an ihnen vorbeifahren. Als es zu regnen beginnt, werden Arme zu Scheibenwischern.

Am Ende trifft Dog Girl ein passendes Pendant, Horse Man – einen Zentauren. Auf seinem Rücken reitet sie ins Glück, doch wenig später wacht sie vor der Leinwand wieder auf: Der Traum ist zu Ende. Im Zugabenteil begeistert Pilobolus noch einmal zu Alicia Keys’ „Empire State of Mind“ und zeigt natürlich das entsprechende State Building als Schattenwurf. Das Publikum ist schier aus dem Häuschen. „Shadowland“ – eines der viel zu seltenen Kultur-Highlights in der Flens-Arena!

 

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erstellt am 17.Feb.2014 | 07:59 Uhr

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